Deutliche Niederlage im Verfolgerduell

Eine deftige Niederlage für Werder: Die gesamte Mannschaft fand gegen agile Gladbacher heute nicht ins Spiel.
Borussia Mönchengladbach
Samstag, 19.11.2011 // 17:24 Uhr

Im Verfolgerduell der Bundesliga musste Werder Bremen bei Borussia Mönchengladbach eine herbe Niederlage einstecken. Mit 0:5 unterlagen die Grün-Weißen bei den "Fohlen", die nun schon seit ...

Im Verfolgerduell der Bundesliga musste Werder Bremen bei Borussia Mönchengladbach eine herbe Niederlage einstecken. Mit 0:5 unterlagen die Grün-Weißen bei den "Fohlen", die nun schon seit zehn Heimspielen ungeschlagen sind. Mann des Spiels war Marco Reus, der drei Tore erzielte. Bremen fand zu keinem Zeitpunkt zu seinem Spiel und muss nun in der nächsten Woche zuhause gegen Stuttgart punkten, um Kontakt zur Tabellenspitze zu halten.

Werder musste auf eine wichtige Stütze verzichten: Naldo war nach überstandener Krankheit noch nicht wieder vollends fit und in Bremen geblieben. Für ihn begann in der Innenverteidigung Andreas Wolf neben Sebastian Prödl. Außerdem stand Philipp Bargfrede wieder als zentraler Abräumer in der Anfangself. Ignjovski rückte auf die Linksverteidigerposition, für diese Rochade musste Schmitz weichen.

Werder bekommt Reus nicht in den Griff

Sebastian Prödl gegen Marco Reus: Der Gladbacher Shootingstar ist kaum zu halten.

Die Mannschaft von Thomas Schaaf stand heute erstmals mit den neuen orangefarbenen Event-Trikots auf dem Platz. Die frische Farbe schien das Team zumindest in der Anfangsviertelstunde zu beflügeln, in der es sich leichte Vorteile erspielte. Nach einem Freistoß von Ekici konnte Sokratis den Ball aber nicht präzise aufs Gladbacher Tor bringen (3.). Auf der anderen Seite spielten die "Fohlen" mit Reus, Herrmann, Arango und Hanke schnörkellos und schnell, anfangs aber noch mit zu wenig Druck. Das änderte sich nach einer knappen Viertelstunde. Reus bediente Hanke, der auf Neustädter ablegte. Der Mittelfeldmann schoss aus aussichtsreicher Position aber knapp am Tor von Tim Wiese vorbei (13.). Werder zeigte sich nochmal bei einer Standardsituation gefährlich, ehe Gladbach vollends das Ruder übernahm. Den klasse Freistoß von Mehmet Ekici aus halblinker Position konnte Gladbachs ter Stegen mit einer Glanzparade entschärfen (15.).

Danach wurde das Duell der Verfolger in der Bundesliga zu einer einseitigen Partie - Werder fand offensiv nicht mehr statt, Gladbach dagegen spielte wie entfesselt. Im Bremer Strafraum behauptete Hanke den Ball gegen Fritz, legte auf Arango zurück, der direkt in die Mitte flankte. Dort war Herrmann zum kurzen Pfosten gelaufen und vor Ignjovski und Wiese am Ball. Per Kopf nickte er ins kurze Eck ein - die Führung (16.). Die Borussia, wohl wissend, dass Werder spezialisiert ist auf das Aufholen früher Rückstände, wollte gleich nachlegen und erspielte sich nun Chancen im Minutentakt. Aus hervorragender Position schoss Hanke über den Kasten von Wiese (21.). Nur eine Minute später schickte Reus Herrmann. Der legte auf den heranstürmenden Daems ab, dessen Linksschuss verfehlte aber erneut knapp das Bremer Tor (22.). Reus machte es wenig später mit einer Einzelleistung besser. Der Gladbacher Shootingstar ließ die komplette Bremer Abwehr stehen und schob abgeklärt mit links gegen den herauseilenden Wiese ein - das 2:0 (23.).

Aber Gladbach hatte noch nicht genug. Prödl klärte in höchster Not mit einer präzisen Grätsche im Strafraum gegen den blitzschnellen Reus (33.). Nur fünf Minuten später war die komplette Hintermannschaft dann abermals geschlagen. Nach einem überfallartigen Konter fand Herrmann in der Mitte erneut Reus, der keine Probleme hatte, zum 3:0 einzunetzen (38.). Ein frustrierender Arbeitstag für Tim Wiese, der keine Gelegenheiten hatte, sich auszuzeichnen. Erst kurz vor dem Halbzeitpfiff zeigten sich die Grün-Weißen noch einmal vor ter Stegens Kasten. Pizarro schickte Hunt, aber dessen Abschluss ging am Tor vorbei (42.).

Gladbach mit Sahnetag, Frust bei Werder

Ein Arbeitstag zum Abgewöhnen für Tim Wiese: Heute war fast jeder Schuss ein Treffer.

Thomas Schaaf reagierte auf die Defensivprobleme in der ersten Hälfte und brachte mit Schmitz für Ekici einen zusätzlichen Defensivmann. Zwar kamen die Grün-Weißen viel besser aus der Kabine und zeigten in den ersten Minuten den Willen, sich ins Spiel zu kämpfen. Ignjovski tauchte nach tollem Pass von Aaron Hunt frei vor ter Stegen auf, wurde aber vom Schiedsrichtergespann fälschlicherweise wegen vermeintlichen Abseits zurückgepfiffen (50.). Aber der Fußball-Gott meinte es heute einfach nicht gut mit Werder, wohingegen Gladbach sich in einen wahren Rausch spielte. Ein Freistoß von Arango landete bei Hanke, der Wiese mit einem Drehschuss prüfte. Der Werder-Schlussmann konnte nur zur Mitte abklatschen, da stand aber der allgegenwärtige Reus und markierte problemlos sein drittes Tor (51.). Ähnliche Situation nur zwei Minuten später: Herrmann zwang Wiese erneut zu einer Faustabwehr, die den Ball wiederum in die Mitte beförderte. Dieses Mal gönnte sich Arango einen Nachschuss und drosch den Ball in den Winkel (53.).

5:0 - ein unfassbarer Spielstand! Fassungslose Gesichter bei allen Bremer Beteiligten und bei den mitgereisten Fans. Und beinahe wäre es noch dicker gekommen: Jantschke prüfte Wiese aus der Distanz, Hanke stand beim folgenden Abstaubertor aber im Abseits (57.). Auf der anderen Seite dann endlich mal wieder Werder: Ignjovski gelangte in aussichtsreicher Position an den Ball, sein Schuss wurde aber im letzten Moment noch von einem Borussen zur Ecke abgelenkt (58.). Die "Fohlen" schalteten jetzt einen Gang zurück und überließen den Bremern das Spiel. Die Grün-Weißen mühten sich zwar, rannten an, einem Tor kamen sie aber nicht näher als zuvor. Bei Werder lief einfach nichts zusammen. Negativer Höhepunkt dann die Gelb-Rote Karte für Sokratis: Der Grieche, der in der ersten Hälfte für eine Geste in Richtung Linienrichter bereits Gelb gesehen hatte, zupfte Herrmann am Trikot und wurde von Schiedsrichter Brych vorzeitig in die Kabine geschickt (76.). Sokratis verpasste aber nicht wirklich viel - Gladbach ließ es bis zum Schlusspfiff ruhiger angehen und auch die Bremer wollten nicht mehr so richtig. Schiedsrichter Brych hatte ein Einsehen und pfiff das Spiel pünktlich ab.

Von Benjamin Gehrs

Stimmen zum Spiel folgen im Laufe des Abends auf WERDER.DE