Naldo-Glücksgefühl und Traumzeugnis für "Iggy"

Naldo feierte am Dienstagabend sein Comeback, Aleksandar Ignjovski sein Debüt.
Profis
Dienstag, 16.08.2011 // 21:54 Uhr

Gänsehaut-Atmosphäre! 458 Tage nach seinem letzten Einsatz betrat Naldo begleitet von tosendem Applaus der mitgereisten Werder-Fans und den AC/DC-Hells-Bells-Glocken den Rasen zu seinem ersten Pflichtspiel. Ebenfalls in der Startelf: Werder-Debütant Aleksandar Ignjovski. Für beide wurde es ein richtig toller Abend werden.

„Ich möchte mich bei meiner Frau, meinen Freunden und allen, die mich unterstützt haben, ganz herzlich bedanken. Es war eine lange Zeit, aber jetzt ist sie vorbei. Ich habe keine Sekunde an mein Knie gedacht. Ich habe keine Probleme mehr", sagte Naldo nach den ersten 57 Einsatzminuten mit den Kollegen. Der Brasilianer war sofort im Team drin. Jubelte mit, gab Anweisungen, motivierte die Nebenleute. Getragen wurde er vom Jubel der Bremer Fans, die jeden seiner Ballkontakte beklatschten.

Fast hätte sich der Brasilianer auch in die Torschützenliste eintragen können, doch der Ermunterung von den Rängen, den Elfmeter zum 5:1 zu schießen, gab er nicht nach. Mit Blick auf die Teamkollegen lehnte er es noch ab, die Standards zu schießen. „Ja, beim Elfmeter haben die Fans meinen Namen gerufen und Sandro hat gefragt, aber ich bin Innenverteidiger und mein Job ist die Defensive. Sandro ist dagegen Stürmer, er muss sich das Selbstvertrauen über die Tore holen und ich denke er war dankbar für diese Situation." Auch bei einem Freistoß aus 18 Metern in der ersten Hälfte hielt er sich zurück. „Marko Arnautovic hat zur Zeit viel Selbstvertrauen und wollte unbedingt schießen. Das war kein Problem, aber es wird auch wieder die Zeit der Naldo-Freistöße kommen."

Ob die schon in den kommenden Wochen in der Bundesliga zu sehen sein werden, ist jedoch noch unklar. „Freundschaftsspiele sind noch etwas anderes als die Bundesliga, aber ich stehe bereit. Mit jeder Trainingseinheit komme ich näher ran", so Naldo, der wieder eine schlaflose Nacht befürchtet. „Es wird wohl wieder länger dauern, denn das war wirklich etwas ganz Besonderes, nach so langer Zeit wieder das Werder-Trikot überzuziehen. Ich bin heute sehr glücklich."

Wann er das Trikot in der Bundesliga überstreifen darf, hängt von Cheftrainer Thomas Schaaf ab. Der freute sich riesig für seinen Spieler. „Wenn jemand solange verletzt war, dann ist das ein sehr schöner Moment, wenn er wieder dabei ist." Sportlich differenzierte der Coach dessen Leistung, der ein wenig die Euphoriebremse beim Brasilianer aktivieren musste. „Es ging heute für ihn darum, wieder mitzumachen, sich zurechtzufinden. Das hat er gut gelöst, aber man konnte auch sehen, dass da noch ein bisschen fehlt, dass er noch nicht ganz frei in seinen Bewegungen ist. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nicht sagen, wann er wieder in der Bundesliga zu sehen sein wird."

Schaaf wollte nicht als Spielverderber in der allgemeinen Euphorie dastehen, aber er konnte auch nicht anders, als alle noch einmal um Verständnis für Naldos besondere Situation zu bitten. „Es bringt keinem etwas, bei einem Spieler, der solange verletzt war, einen zu großen Druck aufzubauen. Klar ist bei ihm der Wille da, aber wir haben auch eine Fürsorge-Pflicht, ihn jetzt richtig aufzubauen." Schaaf lieferte Beispiele für seine Aussagen: „Am Sonntag haben wir mit ihm wieder individuell trainiert, weil er sich nach den ersten Trainingstagen etwas müde fühlte und so wird es nach diesem Spiel auch wieder sein."

Viel weiter sieht Cheftrainer Thomas Schaaf die Entwicklung von Neuzugang Aleksandar Ignjovski. Der Serbe, der am Millerntor erstmals mit dem Werder-Trikot auflief, erhielt ein Zwischenzeugnis vom Bremer Coach, das sich jeder Debütant über das Bett hängen würde. „Er sollte heute über 90 Minuten Spielpraxis bekommen und hat sich top eingebracht. Er hat gezeigt, dass er auf vielen Positionen einsetzbar ist. Er war voll konzentriert, er war sehr gut, sehr fleißig, sehr auffällig. Er war an fast allen Aktionen auf dieser Seite beteiligt. Zu dieser Leistung darf man ihm gratulieren." Das Beste war jedoch, dass Schaaf von diesen Traumnoten für Ignjovski nicht überrascht war. „Er hat heute bestätigt, was er schon in den ersten Trainingstagen gezeigt hat. Er hat sich unheimlich schnell integriert, war offen für Vorgaben und ist lernwillig."

Der 20-Jährige reagierte gelassen auf das Lob des Trainers. „Das war das erste Spiel, da ist klar, dass auch noch einiges fehlt. Aber mit jedem Training, jeder Einheit kommt die Kondition. Ich denke, dass es trotzdem ganz in Ordnung war. Ich war fasziniert von der Stimmung hier im Stadion, das lag auch an den zahlreichen mitgereisten Werder-Fans." Wie flexibel der Werder-Neuzugang agieren kann, zeigte er am Dienstagabend. Zunächst lief er als linker Teil der Viererkette auf und wechselte dann auf die Sechser-Position vor die Abwehr. „Dort spiele ich am liebsten, aber Thomas Schaaf hat schon gesagt, dass ich erst links spielen soll. Das war aber auch okay."

Vom Millerntor berichten Michael Rudolph und Dominik Kupilas