Piza bringt Vulkan Weser-Stadion zur Eruption

Mittendrin statt nur dabei: Pizarro bejubelte nach dem Spiel gemeinsam mit den Werder-Fans die drei Punkte.
Profis
Sonntag, 25.09.2011 // 21:44 Uhr

Der Vulkan Weser-Stadion brodelte wieder 93 Minuten lang und eruptierte kurz vor dem Schlusspfiff. Bei den Grün-Weißen bebte es wieder und es sieht nicht so aus, als würde Werder in dieser Saison so schnell erkalten.

Und der Mann, der die Bremer Fußball-Hölle am köcheln hält, heißt Claudio Pizarro. Zwei Tore, eigentlich drei. Insgesamt jetzt fünf Tore nach fünf Startelf-Einsätzen. Platz drei hinter Gomez und Cissé in der Torjägerliste. Er ist weit mehr als der beste ausländische Torjäger der Bundesliga. "Er ist unsere Lebensversicherung, das würde ich so stehen lassen", sagte Clemens Fritz nach der Partie.

Geschäftsführer Klaus Allofs wollte die Lobeshymnen erst gar nicht wiederholen, zu oft musste er sie in den vergangenen Wochen anstimmen. "Nehmen sie alle meine Aussagen vom letzten Mal, die sind auch heute wieder gültig", schmunzelte Allofs. Cheftrainer Thomas Schaaf kam nicht so leicht davon. Auf Nachfrage musste er das Pizarro-Geheimnis lüften: "Das ist einfach die gute Pflege, die er bei uns genießt. Er hat eine unglaubliche Qualität, aber hier hat er durch die Mannschaft auch die Möglichkeit, so zu spielen, dass es ihm Spaß macht."

Berlins Trainer Markus Babbel nahm freiwillig Stellung zu Claudio Pizarro und damit den Druck von seinen Verteidigern. "Ganz vorn hat Werder mit Claudio Pizarro brutale Qualität. Er ist einfach Extra-Klasse und ganz schwer zu verteidigen." Zahlen, die diese Aussagen belegen, finden sich reichlich in der Fußball-Statistik. Zum 26. Mal gelang dem Peruaner am Sonntagabend eine Partie mit zwei oder mehr Toren. Dieses Mal war es aber besonders harte Arbeit, gab der Routinier zu. "Die Statistik ist schön zu hören. Es ist aber ein Verdienst der gesamten Mannschaft. Vielleicht habe ich einen Vorteil, weil ich näher zum Tor stehe, als alle anderen bei uns. Heute war es aber sehr schwer, die Berliner haben sehr gut gestanden. Wir haben uns nicht geschickt angestellt und zu viel durch die Mitte gespielt."

Zu den kniffligen Szenen der Partie konnte er direkt nach Schlusspfiff nichts sagen. Zum Vorwurf, dass beim ersten Tor Foul gespielt haben soll, blieb er ruhig. "Ich muss mir die Szene noch mal anschauen. Ich weiß nur, dass ich normal zum Kopfball hochsteige, mein Gegenspieler aber gar nicht hochspringt, das sieht dann immer blöd aus." Auf Unverständnis stößt aber beim 32-Jährigen das nicht gegebene Tor aus der 81. Minute. "Wenn er pfeift, dann ist das ein Foul an mir und Elfmeter, aber andersrum kann man es nicht sehen. Ich bin gefoult worden, treffe das Tor, aber es wird nicht gezählt."

Bei dieser Szene hat Claudio Pizarro volle Rückendeckung durch seinen Trainer, der nach Protesten sogar auf die Tribüne geschickt wurde. "Also ich habe da ein Tor gesehen. Es war ja auch eins, aber es hat halt nicht gezählt", kommentierte Schaaf anschließend ruhig.

Dass Werders "Lebensversicherung" demnächst wieder für die Nationalmannschaft auf Reisen geht, nimmt Werders sportliche Leitung gelassen. "Es wäre schlechter für uns, wenn wir ihm das verbieten würden. Dann wäre er vielleicht ein bisschen frischer, aber für den Kopf wäre das verheerend." Allofs nimmt den besten Werder-Torjäger dennoch in die Pflicht: "Die Reisestrapazen können wir ihm nicht ersparen, aber er weiß auch genau, dass wir erwarten, dass er mit allem, was dort sonst auf ihn zukommt, sehr professionell umgeht", so Allofs. Werders Vorsitzender der Geschäftsführung will wie alle Fans, dass der Vulkan Weser-Stadion in dieser Saison noch lange aktiv bleibt.

 

Aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph und Timo Volkmann