"Rauf und runter wie vor vier Jahren"

Kapitän Phil Neville kann sich noch gut an das intensive Testspiel vor vier Jahren gegen Werder Bremen erinnern.
Profis
Sonntag, 31.07.2011 // 21:19 Uhr

WERDER.DE: Hello Mr. Neville, Sie standen schon beim „Hinspiel" vor vier Jahren für Everton auf dem Platz. Können Sie sich an die Partie im Sommer 2007 im Goodison Park erinnern?

Er ist ein Teil des berühmtesten Bruderpaares im englischen Fußball nach Bobby und Jack Charlton. Phil Neville ist wie sein Bruder Gary ein Markenname des englischen Fußballs und er ist aktueller Kapitän des FC Everton. Am Montagabend steigt der 34-Jährige mit seinem Team in den Flieger und landet um 18.35 Uhr am Bremer Flughafen. Einen Tag später, am Dienstag, 02.08.2011, um 19.30 Uhr (Tickets noch erhältlich), fordern die „Toffees" die Grün-Weißen zur großen Bundesliga-Generalprobe heraus. WERDER.DE befragte am Wochenende den ehemaligen englischen Nationalspieler.

PHIL NEVILLE: Ich kann mich an den Besuch von Werder erinnern, es war ein Freundschaftsspiel und es war eines der besseren. Es ging rauf und runter. Wir lagen zweimal zurück, aber wir haben einen guten Charakter gezeigt und sind immer wieder zurückgekommen.

Ein Last-Minute-Tor war das Sahnehäubchen auf ein furioses Testspiel.

Stimmt, das 2:2 fiel in der letzten Minute. Den Fans hat es gefallen, es hätten sogar noch mehr Tore fallen können. Ich hoffe, das Spiel in dieser Woche wird genau so gut. Aber das ist oft so, wenn du gegen deutsche Teams spielst. Darum sind wir ja auch hier. Wir wollen uns gegen Werder einem sehr guten Test unterziehen.

Haben Sie den Werdegang von Werder über dieses Testspiel hinaus verfolgt?

Das wäre zu viel gesagt, aber die Bremer haben sich einen guten Namen in Europa gemacht. Ich habe von ihnen ein paar Spiele gesehen, als sie vor ein paar Jahren ins UEFA-Pokal-Finale eingezogen sind. Das war schon ein beeindruckendes Team, das sie da zusammen hatten.

Wir machen den Einreise-Test. Aus den Werder-Reihen sind einige bekannte Namen hervorgegangen. Können Sie uns einige nennen?

Die englischen Fans können etwas mit Miroslav Klose anfangen, der bei Werder eine starke Zeit hatte und in meinen Augen heute noch zu den besten Stürmern Europas zählte. Und wir kennen natürlich Mesut Özil, der bei der Weltmeisterschaft zu den Besten gehörte.

Okay, bestanden. Was wissen Sie vom aktuellen Kader?

Wir gehen davon aus, dass der aktuelle Kader ebenfalls sehr stark einzuschätzen ist. Auf jeden Fall wird es für uns das bis jetzt schwierigste Match dieser Sommer-Vorbereitung werden. Ich muss zugeben, dass ich mich nicht bis ins Detail über Werder auskenne, aber unser Trainer David Moyes wird uns am Dienstagabend gut vorbereitet ins Rennen schicken.

Wir begrüßen seit einigen Jahren immer mehr englische Fans bei Bundesligaspielen in Bremen. Werden auch am Dienstag einige kommen?

Da bin ich mir ganz sicher. Wir werden mit Sicherheit starken Rückhalt unserer reisefreudigen Fans haben, die uns auch zu solchen Spielen oft in großer Zahl folgen.

Es ist ja auch eine Fortsetzung vieler deutsch-englischer Duelle. Spürt man als Spieler diese besondere Konstellation, auch wenn nur ein Testspiel ist?

Das kann man sagen. Ich habe bei vielen Ereignissen gegen deutsche Teams gespielt und habe es immer genossen. Ich kann mich an kein einziges einfaches Spiel gegen Teams aus der Bundesliga erinnern. Als bekannt wurde, dass wir jetzt hier in Bremen antreten, habe ich mich gefreut. Der deutsche Fußball war schon immer stark. Die Clubs und das Nationalteam haben eine Siegermentalität, die es ihnen erlaubt, immer gut abzuschneiden, wenn es richtig um etwas geht.

Demnächst geht es für Sie persönlich, um die nächsten Schritte Ihrer Persönlichen Karriere. Ihr Vertrag läuft aus. Werder Sie weiterspielen?

Ich konzentriere mich voll und ganz darauf, hier und jetzt Fußball zu spielen. Ich fühle mich körperlich fit und fiebere dem Start der neuen Premier-League-Saison entgegen. Ich blicke nie zu weit nach vorn, aber ich plane schon, nach der Karriere dem Fußball in irgendeiner Funktion verbunden zu bleiben. Ich interessiere mich für die mediale Seite des Fußballs, aber ich mag es auch, junge Spieler zu trainieren. Wir werden abwarten und sehen, wo es mich hintreibt.

Vielleicht kommen Sie ja noch mal in die Bundesliga, wie Mikael Silvestre, Ihr ehemaliger Teamkollege bei Manchester United.

An Mikael erinnere ich mich sehr gern. Ich habe es sehr genossen im gleichen Team wie er zu stehen. Er ist ein großer Fußballer und ein beeindruckender Profi, und es überrascht mich nicht, dass er nach wie vor auf höchstem Niveau Fußball spielt. Er hat sich bei Manchester United immer perfekt in Form gehalten. Es würde mich sehr freuen, wenn wir uns am Dienstag wieder treffen würden. Er war ein sehr beliebter Kumpel in der ManU-Kabine.

Sie waren im Kader, als 1999 das legendäre Champions-League-Endspiel ManU gegen den FC Bayern stattfand. War dieses Last-Minute-2:1 die verrückteste Fußballnacht ihrer Karriere?

Absolut. Ich glaube nicht, dass es jemals wieder so ein Spiel geben wird. Zweimal so spät zu treffen und irgendein Spiel zu gewinnen, ist eine Wahnsinns-Sache. Aber so etwas in einem Champions-League-Finale durchzuziehen gegen eines der besten Teams Europas ist ein Wunder. Leider stand ich an diesem Abend nicht selbst auf dem Platz, aber es war trotzdem eine unglaubliche Erfahrung, ein Teil dieses Erfolgs gewesen zu sein.

 

Die Fragen stellte Michael Rudolph.