Naldo-Traum WM 2014: "Gespannt auf Neymar"

Sein Blick geht wieder ganz nach oben: Naldo strebt über starke leistungen bei Werder auch wieder das Ziel Nationalmannschaft an. Ein ehrgeiziger Plan nach über einem Jahr Pause.
Profis
Mittwoch, 10.08.2011 // 11:54 Uhr

Zwei Wochen ist Naldo wieder im Mannschaftstraining. Zeit für eine Zwischenbilanz und den Ausblick auf die weitere Karriere. In der Woche mit dem Länderspiel gegen Brasilien schien der Zeitpunkt perfekt zu sein für ein kurzes Gespräch mit unserem Verteidiger. WERDER.DE durfte beim Interview mit dem Lokalsender "Heimat live" zuhören und sprach anschließend auch noch mal unter vier Augen mit dem 28-Jährigen.

 

Naldo, trotz deiner Verletzungspause von über einem Jahr ist die Lachen dein Markenzeichen geblieben. Woher nimmst du diese grenzenlos scheinende Lebensfreude? Dein Comeback steht doch erst noch bevor.

Das stimmt, aber ich merke, dass es immer näher rückt. Ich fühle mich jeden Tag besser, trainiere seit zwei Wochen mit der Mannschaft und es gab keine Rückschläge, alles klappte. Meine Bewegungen sehen gut aus. Ich hoffe schon bald für den Trainer eine richtige Alternative bei der Zusammenstellung des Kaders zu sein.

Schon vor einem Jahr hast du immer wieder gehofft, dass es sich bei der Verletzung nur noch um ein paar Wochen handelt. Doch immer wieder wurdest du auf eine harte Probe gestellt. Was war das jetzt für ein Gefühl, wieder fest in den Mannschaftskreis integriert zu sein.

Das ist eine ganz wichtige Sache für mich. Das waren ganz schwere Momente in meiner Karriere, die ich im vergangenen Jahr durchlebt habe, doch jetzt mit den Kollegen bist du schnell wieder mittendrin, schaust nach vorn. Jetzt ist wieder alles sehr gut. Großartig ist doch, welches Vertrauen die Kollegen mir entgegenbringen. Ich werde immer wieder gefragt, wann es bei mir wieder losgeht und ob ich nicht schon spielen kann, und das obwohl ich über ein Jahr nicht helfen konnte.

Hattest du einen Punkt, an dem du alles hinschmeißen wolltest?

Nein, niemals. Ich habe immer an mich geglaubt. Aufgeben war keine Option. Als ich jetzt wieder die Atmosphäre nach dem Sieg im Weser-Stadion gespürt habe, wusste ich auch sofort, warum. Dieser Sieg war toll für die Mannschaft, für die Fans. Das war ein Erlebnis, das mich noch ungeduldiger macht. Ich will wieder auf den Platz.

Auf dem Weg dahin hast du ganze Ärzteteams beschäftigt. Wie war der Verlauf deiner Verletzung aus deiner Sicht?

Ich glaube, dass der Schritt nach Brasilien im Frühjahr ganz gut war. Die Operation ist sehr gut verlaufen, dass mir der Verein das Aufbauprogramm mit meinem Physiotherapeuten dort ermöglicht hat, hat mich nach vorn gebracht. Großen Anteil hat aber auch unser Fitnesstrainer Benni (Yann-Benjamin Kugel), der mir auf dem letzten Weg zum Mannschaftstraining sehr geholfen hat. Er hat mich in die richtige körperliche Verfassung gebracht. Er hat super Arbeit gemacht, durch ihn bin ich am Ende sehr schnell wieder rangekommen.

Wie hast du die letzte Saison miterlebt? Leidet man genau so mit, wenn man nicht auf dem Platz steht?

Das war sogar sehr schwer, alles mit ansehen zu müssen. Ich kann mich genau an die traurigen Gesichter in der Kabine erinnern, wenn ich nach manchem Spiel zu den Kollegen gegangen bin. Ich musste sie oft aufmuntern. Aber ich glaube auch, dass wir alle aus diesem Jahr die richtigen Lehren gezogen haben. Wir werden in dieser Saison wieder das wahre Werder erleben.

Wann glaubst du denn, im Konkurrenzkampf mit deinen Kollegen Wolf, Sokratis, Mertesacker, Prödl, Schoppenhauer wieder die Nase vorn haben zu können.

Der erste Schritt wäre natürlich erstmal der Sprung in den 18er-Kader. Da wäre es ein Traum, wenn es vielleicht schon am Wochenende gegen Leverkusen klappen könnte. Ich fühle mich absolut fit, die Technik ist auch wieder zurück. Aber klar, der Trainer hat sehr gute Optionen, es liegt an ihm, wie er den Kader bestückt. Wir müssen uns alle im Training anbieten.

Am Mittwochabend findet der Klassiker Deutschland gegen Brasilien statt. Ist das ein weiterer Motivationsschub für dich oder kannst du da nicht mehr hinschauen, weil du dieses Ziel vielleicht schon abgehakt hast?

Diesen Traum hakt kein Brasilianer ab, der auf hohem Niveau Fußball spielt. Die Selecao ist immer ein Ziel. Erst recht, wenn die WM 2014 im eigenen Land stattfindet. Ich bin ehrgeizig genug, um meinen Fahrplan so zu formulieren: Ich will jetzt so schnell wie möglich mein höchstes Niveau erreichen, dann wieder den Sprung in die Nationalmannschaft schaffen und am Ende versuchen, im Kader für die Weltmeisterschaft zu stehen. Das treibt mich an.

Gut für Werder! Und für Brasilien! Der Lack ist ja etwas ab, von eurem Team! Die letzten Auftritte bei großen Turnieren waren nicht berauschend. In der Weltrangliste steht ihr hinter Deutschland. Wie konnte das passieren?

So würde ich es natürlich nicht sagen. Beide Nationalmannschaften spielen auf Top-Niveau und ich sehe sogar Parallelen zwischen den Teams. Sie haben jeweils einen Riesen-Stellenwert in ihren Ländern und genau wie jetzt auch in Deutschland, werden auch in Brasilien gerade einige junge Spiele neu etabliert. Ich bin sehr gespannt auf das Spiel, bin gespannt auf Neymar. Es ist schwer zu sagen, wer die Partie gewinnt.

Man kann also davon ausgehen, dass du das Spiel guckst?

Selbstverständlich. Das wird ganz gemütlich. Es gibt brasilianische Küche, meine Frau kocht super. Und bestimmt kommt Wesley auch noch vorbei.

notiert von Michael Rudolph