"Ludo" Magnin: "Sag' Klaus, ich komme noch zwei Jahre!"

Spielte bei Werder und dem VfB und nahm sich vor dem gemeinsamen Spiel der beiden Klubs Zeit für ein Gespräch mit WERDER.DE: Ludovic Magnin.
Profis
Donnerstag, 24.11.2011 // 18:24 Uhr

Wenn es vor dem Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und dem VfB Stuttgart am Sonntag, 27.11.2011, einen Experten gibt, dann ist das Ludovic Magnin. Der Schweizer trug von 2001 bis zum Sommer 2005 das Werder-Trikot, eher er ins Schwabenland wechselte. Inzwischen kickt der Außenverteidiger, der mit beiden Mannschaften Deutscher Meister wurde, für den schweizerischen Erstligisten FC Zürich. WERDER.DE griff vor dem Spiel des 15. Spieltags zum Telefon, schwelgte mit "Ludo"in Erinnerungen und stellte Prognosen für die Partie am Sonntag auf.

Hallo Ludo, schön dich zu hören. Wie geht es dir?

Ludovic Magnin: Mir geht es super, meine Jahre im Ausland sind vorbei. Ich spiele zwar im Moment etwas weniger, aber ich habe endlich mal nur einen Hausschlüssel, nur eine Versicherung und nur einen Steuerberater. Es ist alles etwas einfacher geworden - ich übernachte nicht mehr ständig im Hotel und verbringe nicht mehr so viel Zeit im Flugzeug. In der Schweiz ist alles ruhiger, wir sind auch nur am Spieltag im Hotel.

Am Sonntag spielt Werder im Weser-Stadion gegen Stuttgart. Das sind deine beiden Ex-Vereine. Wirst du das Spiel mit besonderem Interesse verfolgen?

Ludovic Magnin: Am Sonntag spielen wir mit dem FCZ selber, haben ein Pokalspiel. Aber ich werde mir die Bundesliga-Partie am Abend anschauen, wenn die Highlights kommen. Das sind ja immer Spiele mit vielen Toren und Spektakel pur, das lasse ich mir nicht entgehen.

Das kannst du ja gut beurteilen, du hast dieses Duell in der Vergangenheit schließlich häufig miterlebt. Gibt es Spiele zwischen Werder und dem VfB, an die du besondere Erinnerungen hast?

Ludovic Magnin: Ich habe auf beiden Seiten riesen Spiele erlebt. Aber es gibt da zwei Begegnungen, an die ich mich sofort erinnere, weil ich da jeweils einschneidende Erfahrungen gesammelt habe. Ich kann mich noch sehr gut an das Spiel erinnern, in dem ich mit meinem schwächeren rechten Fuß ein Tor erzielt habe. Da bin ich von außen nach innen gezogen und habe flach gegen Tim Wiese ins lange Eck getroffen. Aber ich werde auch nie das Spiel vergessen, als ich für Werder gespielt habe und in Stuttgart die rote Karte bekommen habe. Da haben wir trotzdem noch aus einem 0:1 noch einen 2:1-Sieg gemacht.

Vom Spiel am Sonntag einmal abgesehen: Verfolgst du noch, was in Stuttgart und Bremen passiert?

Ludovic Magnin: Natürlich. Ich habe nicht tausend Vereine gehabt in meiner Karriere, sondern bin immer relativ lange geblieben. Die beiden einzigen Vereine, die ich in Deutschland richtig verfolge, sind Werder und Stuttgart, die bleiben immer ein Teil von mir und ich habe auch in beiden Vereinen noch einige Freunde - das sind lustigerweise in Bremen mehr, mit denen ich noch zusammengespielt habe, obwohl das schon zehn Jahre her ist. Aber in Stuttgart hat sich alles sehr schnell verändert.

Früher warst du gut mit Tim Borowski befreundet. Ist das eigentlich immer noch so?

Ludovic Magnin: Mit Tim habe ich noch Kontakt. Wir sind gute Freunde und haben auch nach meinem Weggang noch was unternommen. Wir waren zum Beispiel auf der Hochzeit eines gemeinsamen Freundes.

Tim Borowski, aber auch Klaus Allofs, Thomas Schaaf und einige andere sind noch bei Werder. Wunderst du dich manchmal darüber?

Ludovic Magnin: Wie ich schon gesagt habe: Ich kenne mehr Leute in Bremen, als in Stuttgart. Da sind alle weg, Trainer, Präsident, die meisten Spieler - alle, alle, alle.

Siehst du darin auch den größten Unterschied zwischen den beiden Vereinen?

Ludovic Magnin: Das kann ich ganz einfach beantworten: Du hast einen Verein, der seit zehn oder fünfzehn oder hundert Jahren kontinuierlich und familiär arbeitet, das seid ihr. Beim VfB hat man häufig Unruhe und viele Trainerwechsel - das habe ich erlebt. In Stuttgart kommen und gehen die Leute viel schneller. Für Spieler ist es in Bremen deshalb viel ruhiger und gesünder zum Arbeiten. Und wenn ich euch so höre, dann bekomme ich Lust, wieder nach Bremen zurückzukehren: Sag Klaus, ich komme noch zwei Jahre. Er soll mir noch zwei Jahre anbieten! Ich bin erst 32 und ab Sommer auch ablösefrei (lacht).

Dann würdest du unter Umständen auch wieder mit Aaron Hunt zusammenspielen - so wie damals.

Ludovic Magnin: Als ich da war, war er am Anfang seiner Karriere. Es ist fantastisch, wie er sich seit dem entwickelt hat, das freut mich sehr. Aber am Sonntag sollte er aufpassen. Bei Stuttgart spielt Khalid Boulahrouz auf der rechten Seite und das ist ein harter Kerl. Wenn Aaron am Sonntag in die Nähe von „Boulah" kommt, sollte er die Schienbeinschoner vorne und hinten montieren (lacht).

Und wann dürfen wir dich mal wieder in Bremen begrüßen, wenn es - trotz des guten Wortes, das wir für dich bei Klaus Allofs einlegen werden - mit dem Vertrag nichts wird?

Ludovic Magnin: Auch dann wird es wirklich Zeit, dass ich mal wiederkomme. Ich habe bisher nie die Zeit dazu gefunden, habe aber auch außerhalb des Fußballs viele Freunde, die sich melden und fragen, wann ich endlich komme. Ich sage dann immer: ,Weihnachten, aber ich habe nie gesagt, in welchem Jahr.‘

Gibt es besondere Anekdoten, die dir einfallen, wenn du an deine Werder-Zeit denkst?

Ludovic Magnin: Oh ja, mein Einstand in Bremen werde ich nie vergessen! Unser Kapitän, Frank Baumann, hat den damals organisiert. Wir waren mit der ganzen Mannschaft „auf den Höfen" und ich als Neuzugang musste mit jedem Spieler, der schon länger im Verein war, einen Kurzen trinken - das waren ungefähr 17 oder 18 Spieler.

Und dann kannst du dich daran noch erinnern?

Ludovic Magnin: Sagen wir es mal so: An den Anfang kann ich mich gut erinnern, an die Mitte schon wenig und an das Ende gar nicht (lacht). Nach dem ich mit jedem getrunken habe, haben sie mir intime Fragen gestellt. Welche das waren, kann ich nicht mehr sagen - daran habe ich keine Erinnerungen mehr (lacht). Aber ich war einer der wenigen, der es mit allen durchgezogen hat - das ist Schweizer Qualität. Nicht wie einige später mit großem Namen.

Verrätst du uns, wer gekniffen hat?

Ludovic Magnin: Miro Klose war bei seinem Einstand zum Beispiel ein großes Weichei (lacht).

Hast du noch eigentlich auch noch Kontakt zu Johan Micoud?

Ludovic Magnin: Ich habe ihn einmal bei einem Champions-League-Spiel mit Stuttgart gesehen. Da war er TV-Experte. Nach ein paar Sätzen sind wir sofort auf das Thema Werder zu sprechen gekommen. Wir hatten in Bremen eine super Zeit, das ist uns da auch noch mal klar geworden. Die Jahre haben wirklich Spaß gemacht.

Ein Teil eurer Spaßgesellschaft war doch sicher auch Ailton ...

Ludovic Magnin: Er hatte in der Kabine den Platz neben mir. Toni hat uns immer den Tag verschönert. Auch wenn ich gekommen bin und schlechte Laune hatte oder müde war, hatte ich spätestens, wenn er sich ausgezogen hat, wieder ein Lächeln im Gesicht.

Das musst du uns genauer erklären!

Ludovic Magnin: Toni hat immer Tiger- oder Leopardenslips getragen und ich konnte dann seine wunderschöne Unterhose sehen. Das erste, was ich morgens oft gesehen habe, war Toni Ailton in Unterhose. Das war für mich ein Highlight (lacht).

Ist Ailton auch Schuld an deinem Spitznamen, „Papa Jambo"?

Ludovic Magnin: Nein, den Namen hat mir Ivan Klasnic verpasst. Er war „Papa Rapper" und ich „Papa Jambo". So haben wir uns genannt, weil wir die besten Kartenspieler in Bremen waren.

Kennt man dich auch in Zürich unter diesem Namen?

Ludovic Magnin: Nein, in Zürich spielen wir keine Karten, dafür ist die Mannschaft viel zu jung. Die spielen alle nur noch Playstation und da bin ich ein Loser. Die gute Zeit ist vorbei und das macht mich nachdenklich.

Wie meinst du das?

Ludovic Magnin: Früher waren wir verrückter, waren Typen mit Ecken und Kanten, die nicht unbedingt in die Normen gepasst haben. Heutzutage ist das auch wegen der Ausbildungszentren anders: Die jungen Spieler trinken Wasser, gehen um zehn Uhr ins Bett und spielen dann Playstation. Auch wenn die heute im gleichen Alter technisch und taktisch besser sind, als wir damals, weiß ich nicht, ob das der richtige Weg ist.

Kennst du denn schon den Weg, den du nach deiner aktiven Karriere einschlagen willst? Vielleicht kannst du da ja gegensteuern?

Ludovic Magnin: Ich habe noch ein Jahr Vertrag beim FC Zürich plus drei Jahre Anschlussvertrag als Jugendtrainer. Dazu könnte ich dann parallel meine Ausbildung zum Trainer machen.

Hast du da schon konkrete Pläne?

Ludovic Magnin: Ich habe schon damit angefangen. Bis ich die Fifa-Lizenz bekomme dauert es fünf Jahre. Jetzt arbeite ich an der C-Lizenz, später mache ich dann die B- und dann die A-Lizenz. Zwischendurch kann man aber immer trainieren, nur nicht in der Super League. Ich könnte mir gut vorstellen, den Job bei Lucien Favre zu erlernen.

Lucien Favre? Bei diesem Namen dürfte manch einem Werder-Fans nach dem Spiel am Samstag ein kalter Schauer über den Rücken laufen.

Ludovic Magnin: Macht euch nichts draus - gegen einen Schweizer Trainer kann man nicht gewinnen, das muss man einfach sagen. Das kann man nicht lernen, das ist Qualität.

Kennt ihr euch persönlich?

Ludovic Magnin: Lucien Favre kommt aus meinem Dorf, wir telefonieren mindestens alle zwei Tage und er ist ein Kindheitsfreund meines Vaters. Für mich ist Lucien ein Ausnahmetrainer, der seinen Weg gehen wird. Er wäre auch für Werder der ideale Trainer, wenn Thomas Schaaf in 30 Jahren aufhört.

So weit ist es aber ja zum Glück noch nicht. Am Sonntag steht für Thomas Schaaf das 426. Bundesliga-Spiel an. Wie lautet dein Tipp?


Ludovic Magnin: Ich sage es wird schwer, aber Bremen gewinnt 3:1. Aber kann Pizarro eigentlich spielen?

Das steht noch nicht fest, da müssen wir noch abwarten.

Ludovic Magnin: Wenn er nicht spielt, dann tippe ich 1:1 – er wird in meiner Prognose schließlich an zwei Toren beteiligt sein.

Das Interview führte Dominik Kupilas