Prödl über Kumpel Niemeyer: "Müssen Treter-Peter umspielen"

Profis
Freitag, 23.09.2011 // 12:19 Uhr

In seiner Wohnung hat er noch das Abschiedsgeschenk der Werder-Kollegen hängen. Ein Trikot mit all seinen Spitznamen, darunter so obskure Bezeichnungen wie "Treter-Peter", "Malle-Meyer", "Petersbach". Ein Geschenk, das man eigentlich nur sehr guten Freunden schenken kann. In seinen Erinnerungen an Bremen sagt Niemeyer immer noch: "Sportlich war es gut. Zwischenmenschlich war es überragend. Ich vermisse die Jungs schon ein bisschen." Am Donnerstag vor seiner Rückkehr mit Hertha BSC hat Peter Niemeyer mit einem "der Jungs", mit Sebastian Prödl, telefoniert. WERDER.DE durfte mit an die Strippe.

Sebastian Prödl: "Sorry, Peter, ich bin ein bisschen zu spät, ich musste hier in Bremen vor dem Stadion noch ein paar Autogramme schreiben. Eine ganze Schulklasse. Das Problem hast du ja nicht so in Berlin."

Peter Niemeyer: (lacht)"Bei uns steht da immer eine Schlange Studentinnen."

WERDER.DE: Jungs, die Fragen in diesem Interview wollen wir gerne stellen. Auch wenn ihr euch sicher auch allein gut unterhalten würdet. Wann habt ihr euch denn zum letzten Mal gesehen?

Sebastian Prödl: "Wir telefonieren ja immer mal wieder miteinander, aber zuletzt gesehen haben wir uns bei Peters privater Abschiedsparty im Viertel."

Peter Niemeyer: "(lacht)Warst du da etwa auch eingeladen. Ich kann mich nur erinnern, dass ich in meiner Bremer Zeit immer mit dir das Bett teilen musste."

Sebastian Prödl: "Stopp, wir haben das Zimmer geteilt, das Bett teile ich mit anderen Leuten, da ist ein feiner Unterschied. Aber mir fällt gerade ein, dass du zwischendurch mal Heimweh hattest und uns im Weser-Stadion besucht hast."

Peter Niemeyer: "Stimmt, ich musste mir doch mal das Stadion anschauen, sonst kennt man sich da ja gar nicht mehr aus. Da ist ja alles anders geworden. Also die Gästekabine werde ich am Sonntag finden. Aber ich habe auch schon ein paar alte Kumpels in Bremen besucht. Basti gehört sicher dazu, aber auch Clemens und ein paar andere. Wir gehen dann gern essen, wo wir früher auch immer waren, in der "Villa"." 

WERDER.DE: Dann ist die Rückkehr am Sonntag gar nichts Besonderes für dich?

Peter Niemeyer: "Doch schon, weil ich sicher viele wiedersehen werde, mit denen ich einen sehr guten Kontakt hatte, die man aber nach so einem Wechsel nicht mehr so oft sieht. Wie zum Beispiel die Pappnasen von WERDER.DE."

Sebastian Prödl: "Auf dem Feld wird die Freundschaft aber ruhen, das Wochenende wird erst nach den 90 Minuten wieder freundschaftlich."

WERDER.DE: Aber mal ganz ehrlich, das hört man immer wieder. Aber ihr drückt euch doch auch auf dem Feld mal einen lockeren Spruch rein, oder?

Peter Niemeyer: "Nein, da ist man wirklich Profi genug, da muss man sich auf andere Sachen konzentrieren. Aber Basti, lass dich einfach mal überraschen."

Sebastian Prödl: "Also ich gehe einfach mal davon aus, dass Peter so fokussiert ist, dass er minimum eine gelbe Karte kassiert. Wir kennen ihn ja ganz gut und unsere Mittelfeldspieler stellen sich im defensiven Berliner Mittelfeld auf reichlich Gegenwehr ein. Wir müssen dich am besten umspielen."

Peter Niemeyer: "Verrätst du jetzt schon eure Tatktik? Wenn das der Trainer erfährt."

Sebastian Prödl: "Ich verrate gar nichts. Ich sage es mal so: Die ganze Welt weiß, dass deine große Stärke die Balleroberung ist. Ich kann mich noch gut an die Szene gegen Bilbao erinnern, gelb-rot nach sechs Minuten, danach hattest du einige Spitznamen im Team weg: 'Treter-Peter' war noch der Beste. Aber ganz im Ernst: Ich schätze Peter wirklich sehr, seine Aggressivität kann jedes Team gebrauchen und gegen deine Ex-Kollegen wirst du hier groß auftrumpfen wollen."

WERDER.DE: Was ist denn bei einem Torerfolg? Wirst du dann auch jubeln, in diesem sehr unwahrscheinlichen Fall?

Peter Niemeyer: "Das mit der Wahrscheinlichkeit gilt aber für uns beide. In unserem letzten gemeinsamen Bundesligaspiel, damals gegen Mainz, hat Basti ein Traumtor gemacht. Da weiß er heute noch nicht, wie er den rein gemacht hat."

Sebastian Prödl: "Ach das ist der blanke Neid, ich erinnere nur an dein Tor gegen Dortmund vor zwei Wochen. Ein 'Fernschuss' mit dem Knie von der Grundlinie."

Peter Niemeyer: "Aber da musst du erst mal stehen."

Sebastian Prödl: "Ja klar, das Tor war wunderschön."

WERDER.DE: Was ist jetzt mit dem Torjubel?

Peter Niemeyer: "Na klar kann es respektvoll sein, nicht zu jubeln. Aber meistens finde ich diese Szenen immer etwas komisch. Ekici hätte sich doch letzte Woche ruhig freuen dürfen, es war sein erstes Tor für Werder und dann so ein wichtiges. Das hätten Kollegen und Fans verstanden, wenn er seine Freude auch gezeigt hätte. Für mich kann ich sagen, dass ich damals alles für Werder gegeben habe, dass ich meine ehemaligen Kollegen respektiere, aber dass ich mich auch über ein Tor freuen würde. Das ist doch ganz normal."

WERDER.DE: In Berlin bist du jetzt anerkannter Leistungsträger, während du in Bremen nicht immer die gewünschten Aufmerksamkeit bekommen hast. Woran liegt das? Am zunehmende Alter, der Erfahrung, den Umständen?

Peter Niemeyer: "Das war einfach eine Zeit, in der andere Spieler bei Werder im Team den Ton angegeben haben. Es war nicht so, dass ich nicht den Mund aufgemacht habe, aber ich hatte eben nicht den Stellenwert, dass ich viel bewegen konnte. Dieses Standing hatte ich in Bremen einfach nicht, was den Einfluss auf das Spielgeschehen angeht."

WERDER.DE: Basti, wirst du denn am Sonntag Einfluss auf das Spielgeschehen nehmen können? Immerhin ist der Kampf um die Innenverteidiger-Plätze zwischen Andi Wolf, Naldo und dir gerade eine heiß diskutierte Sache unter den Fans.

Sebastian Prödl: "Mein Ziel war es immer, nach der Verletzung stärker zurückzukommen als zuvor. Um aus dieses Situation etwas Positives mitzunehmen. Ich glaube schon, dass mir das gelungen ist. Natürlich ist der Kampf nach dem Abgang des Langen (Per Mertesacker)
offen, aber ich habe ganz gute Karten, weil ich mir letztes Jahr einiges erarbeitet habe und auch jetzt wieder zeigen konnte, was ich drauf habe. Natürlich hat Naldo für den Verein viel geleistet und es ist auch klar, dass er jetzt Druck macht. Am Ende werden die Besten spielen."

Peter Niemeyer: "Das zeichnet Bremen doch im Moment aus, dass sie solche Konstellationen diskutieren können. Das ist der Unterschied zum Vorjahr, als sie doch eine dünne Personaldecke hatten. Ich glaube schon, dass Basti ganz gute Chancen hat, sich da durchzusetzen. Für die Gegner ist klar, dass trotz des Abgangs vom Langen kein Qualitätsverlust zu sehen ist."

WERDER.DE: Auffällig scheint uns, dass euer Stellenwert im Team gewachsen ist, seit ihr in unterschiedlichen Klubs spielt. Habt ihr vorher gemeinsam zuviel Blödsinn gemacht, euch immer zu sehr abgelenkt?

Peter Niemeyer: "Da ist etwas dran. Basti hat mich doch schon sehr unterdrückt in meiner Bremer Zeit. Jetzt habe ich in Berlin meine Ruhe und schon läuft es (lacht)."

WERDER.DE: Wird denn wenigstens nach Spielende das Trikot getauscht?

Peter Niemeyer: "Ich hoffe, dass Basti sein Trikot danach noch rausrückt, dann würde ich es auch tauschen. Mein zweites Trikot habe ich schon versprochen. Das bekommt Werders Physiotherapeut Sven Plagge."

Sebastian Prödl: "Natürlich hätte ich auch gern ein Niemeyer-Trikot von Hertha BSC, aber das sollten wir nach dem Spiel besprechen. Lassen wir das alles jetzt mal auf uns zukommen, mal sehen was passiert. Und wenn wir nach dem Spiel keine Lust haben zu tauschen, dann wird es sich in den Tagen danach ergeben. Wenn sich die Freundschaft wieder einstellt."

Peter Niemeyer: "Dann sollten wir auch mal wieder eine Runde Golf zusammenspielen."

WERDER.DE: Wer hat denn da die Nase vorn. Kann man Rückschlüsse für Sonntag ziehen?

Sebastian Prödl: (lacht) "Beim Golfen geht es meist unentschieden aus. Peter spielt ganz vernünftig."

Peter Niemeyer: "Danke, Basti, dass du mich hier nicht in die Pfanne haust."

Sebastian Prödl: "Ich will keine Details verraten, nur soviel: Beim Golfen gibt's keine Ausreden mehr. Peter hat sich jetzt neue Schläger ausmessen lassen, er wird einen großen Sprung machen."

Peter Niemeyer: "Bau jetzt nicht so einen Druck auf. Wie sagen wir Fußballer immer: Das Fell von ungelegten Eiern sollte man noch nicht verteilen. Das gilt fürs Golfen und Fußballspielen."

 

Das Interview führten Michael Rudolph und Dominik Kupilas