Unentschieden Teil 4: Fortsetzung der letzten Spiele

Hatte das vierte Remis in diesem Jahr ganz genau im Blick: Cheftrainer Thomas Schaaf.
Profis
Samstag, 11.02.2012 // 20:16 Uhr

Die Partien der Rückrunde taugen nicht unbedingt zum Kino-Kassenschlager und dennoch wurde am Samstagnachmittag schon Teil vier abgedreht. Die Zutaten: Eine ganz junge Mannschaft, ganz viel Herzblut, fehlende Ruhe am Ball, wenig Effektivität, individuelle Fehler bei Standards und am Ende eine Punkteteilung. 1:1 gegen 1899 Hoffenheim!

Dabei hätte Regisseur Thomas Schaaf gerne nach der bisherigen Unentschieden-Trilogie ein Drei-Punkte-Happyend eingebaut, doch die Hauptdarsteller auf dem Platz hatten in Halbzeit eins ihren Einsatz verpasst.

"Das war die Fortsetzung dessen, was wir in diesem Jahr schon von der Mannschaft gesehen haben. Wir haben sehr großen Aufwand betrieben, die Spieler marschieren hoch und runter, aber sie setzen dieses Engagement nicht so effektiv ein, dass wir auch mal ein Spiel für uns entscheiden können. Wir müssen daran arbeiten, wieder mehr Klarheit in unsere Aktionen zu kriegen", so Schaaf, den es kaum auf seinem Regiestuhl hielt und der dieses Engagement an der Seitenlinie vorlebte.

Klarheit muss in den kommenden Tagen vor allem bei der Abwehr nach gegnerischen Standardsituationen geschaffen werden. Denn drei von vier Gegentoren erhielten die Grün-Weißen nach Eckbällen. Kapitän Clemens Fritz ärgerte sich darüber sehr: "Wir wurden wieder kalt erwischt. Das war in der Rückrunde das dritte Gegentor nach einer Ecke. Das darf uns natürlich nicht passieren. Wir trainieren das regelmäßig und müssen das unbedingt abstellen, solch einfache Gegentore zu kassieren. Bei den Standards muss jeder einzelne Verantwortung übernehmen. Aber es fehlt uns derzeit auch an der Lufthoheit. Vielleicht sollten wir keine Ecken mehr zulassen."

Geschäftsführer Klaus Allofs sieht das genau so: "Sicher spielt es eine Rolle, dass wir in jedem Spiel mit anderer Besetzung spielen, aber dennoch sind wir in diesen Situationen nicht konzentriert genug. Das war wie schon gegen Freiburg, wo wir auch nicht das Tor verteidigt haben, wie es sein soll." Gegen Hoffenheim hatte diese Unaufmerksamkeit wieder großen Einfluss auf die Partie. Allofs dazu: "Natürlich ist Vestergaard ein großer Spieler mit einem guten Kopfball, aber wenn er so unbedrängt an den Ball kommt, dann sind Fehler passiert." Allofs weiter: "Heute wollten wir die Situation in Hoffenheim ausnutzen. Da kam eine Mannschaft, die auch nicht gefestigt war, aber die nach so einem Geschenk dann Dinge zeigt, die man in den letzten Wochen auch nicht von ihr gesehen hatte."

Doch nicht nur die Fortsetzungsserie war am Samstag nach dem Spiel ein Thema. Für weiteren Gesprächsstoff sorgten auch:

Der Spielverlauf:

Klaus Allofs:

"Nach dem frühen Rückstand sind wir nicht zurechtgekommen mit der Rolle, das Spiel zu machen. Natürlich hätten wir lieber gewonnen, aber wir müssen die Situation realistisch einschätzen. Am Ende sind wir viel Risiko gegangen. Dann bekommt man auch seine Chancen, aber so kann man nicht über 90 Minuten spielen."

Marko Arnautovic:

"Ich hatte nicht mehr mit dem Ausgleichstreffer gerechnet, aber immer gehofft. In der zweiten Halbzeit waren wir besser als Hoffenheim. Wir hätten aber früher das 1:1 machen müssen, dann wäre ein Sieg drin gewesen. Aber nach diesem Verlauf müssen wir damit zufrieden sein. Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen und haben mit dem frühen Gegentor ein Stich ins Herz bekommen. Wir haben die erste Halbzeit verschlafen."

Clemens Fritz:

"Man hat in der Schlussphase gesehen, dass wir unbedingt den Ausgleich erzielen wollten. Ich hatte kurz vor Schluss sogar noch die Chance, den Siegtreffer zu markieren. Dass wir noch den Ausgleich erzielt haben, spricht für die Moral der Mannschaft."

Markus Rosenberg:

"Bei uns hat heute gar nichts funktioniert. Wir haben nur in den letzten 20 Minuten Druck gemacht, vorher nur mit langen Bällen agiert. Wenn wir versucht haben zu spielen, hatten wir viel zu einfache Ballverluste und sind in Konter gelaufen. Solche Tage hat man manchmal, da muss man kämpfen. Das haben wir gemacht und sind deshalb zum Glück noch zum Ausgleich gekommen. In den letzten Spielen hatten wir Pech, dass wir nicht gewonnen haben. Heute hatten wir Glück, dass wir noch einen Punkt holen konnten. Aber vier Punkte sind zu wenig."

Tim Wiese:

"In der ersten Halbzeit haben wir sehr schlecht gespielt. Nach der Pause haben wir aber gekämpft und am Ende verdient den Ausgleich gemacht. Das Unentschieden ist besser, als eine Niederlage. In der zweiten Halbzeit hat den Hoffenheimern etwas die Luft gefehlt. Es wird auch wieder Spiele geben, in denen wir drei Punkte holen. Das gehört schließlich zum Fußball dazu. Hoffentlich gelingt uns das schon nächste Woche in Hamburg."

Zur personellen Situation ohne viele Routiniers:

Klaus Allofs:

"Mit dem Ergebnis bin ich grundsätzlich zufrieden. Das war ein sehr schwieriges Spiel für uns. Man hat heute wieder gesehen, wie wichtig Claudio Pizarro für uns ist. Ich bin aber etwas erschrocken, welche Erwartungen hier herrschen. Wir haben heute wieder mit Spielern gespielt, die noch nicht ihren Spielrhythmus haben können. Affolter, Junuzovic, Arnautovic, dann auch ein Marin oder ein Füllkrug. Die Bewertung der jungen Spieler sind für mich zuletzt nicht immer nachvollziehbar gewesen."

Thomas Schaaf:

"Wir waren sehr engagiert, aber es fehlt uns an einer ruhigen, klaren Linie bei dem Tempo und dem Engagement, das wir an den Tag legen. Es war wichtig, dass sich die Mannschaft noch diesen Punkt geholt hat. Die Jungs wollen, aber es ist klar, dass wir noch mit dem einen oder anderen Fehler leben müssen. Wir können auch keine Rentnerband auf den Platz schicken."

Clemens Fritz:

"In der Hinrunde hat uns der Konkurrenzkampf getragen, im Moment haben wir kaum Alternativen. Aber jeder einzelne, der spielt, bemüht sich, die Vorgaben des Trainers bestmöglich umzusetzen."

Marko Arnautovic:

Trotz der jungen Mannschaft, haben alle sehr gut gekämpft. Jeder wollte mitmachen und genau das muss man machen, wenn es fußballerisch nicht läuft. Und das war bei uns hute leider der Fall.

Über die Riesenchance von Youngster Niclas Füllkrug:

Niclas Füllkrug:

"Dieses Ding muss ich reinmachen. Das war instinktives Handeln, das ich mit einer falschen Entscheidung abgeschlossen haben. Das wird mir aber den Schlaf nicht erschweren."

Klaus Allofs:

"Wenn er dabei ist, dann deshalb, weil er in der Vorbereitung gut trainiert hat und nicht wegen seines Alters. Er hat sich gut bewegt und wenn man sich viel bewegt, dann bekommt man auch Chancen. Es wäre natürlich schöner gewesen, wenn er getroffen hätte, aber er ist auf dem richtigen Weg und ich bin mir sicher, dass er noch Tore für Werder erzielen wird."

Die Tabellensituation:

Clemens Fritz:

"Wir haben aus vier Spielen vier Punkte geholt. Das ist zu wenig, wenn man oben dran bleiben möchte. Ich mache mir keine Sorgen, dass wir den internationalen Wettbewerb nicht erreichen, aber es ist wichtig, dass wie mal wieder drei Punkte holen. Am liebsten nächste Woche im Derby."

Tim Wiese:

"Wir gehören dahin, wo wir stehen. Die Champions-League-Plätze sind weit weg, aber ich habe auch schon erlebt, dass wir vor zwei Jahren 16 Punkte auf Leverkusen aufgeholt haben."

Klaus Allofs:

"Dass wir immer noch auf Platz fünf stehen, zeigt mir, dass wir nicht so schlecht sind, wie das um uns herum wahrgenommen wird.

aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph, Dominik Kupilas und Timo Volkmann