(B)Logbuch Donaueschingen 3: "Mein Gott!"

Der Zimmer-Partner von Lukas Schmitz, Wesley, schickt schon mal ein Stoßgebet zum Himmel - immerhin auf deutsch.
Profis
Mittwoch, 20.07.2011 // 22:48 Uhr

Das ist ja gar nichts im Vergleich zu Schalke 04!" Was für Werder-Verhältnisse als eine turbulente Zeit wahrgenommen wird, mutet Lukas Schmitz in seiner Erinnerung an den Ex-Klub eher beschaulich an. Wenn man täglich die Berichterstattung über Werder verfolgt, ist das mal eine erfrischende und nützliche Einordnung.

Das dritte Trainingslager der Grün-Weißen in Donaueschingen vom 17. bis 23. Juli 2011 ist in vollem Gange. Zum zweiten Mal gastieren Fritz & Co. im Südwesten Baden-Württembergs. Auch Werders Mediendirektor ist mit der Mannschaft vor Ort und kann aus dem engsten Umfeld interessante Einblicke geben, Anekdoten sammeln und Wissenswertes über Land und Leute berichten.  

„Das ist ja gar nichts im Vergleich zu Schalke 04!" Was für Werder-Verhältnisse als eine turbulente Zeit wahrgenommen wird, mutet Lukas Schmitz in seiner Erinnerung an den Ex-Klub eher beschaulich an. Wenn man täglich die Berichterstattung über Werder verfolgt, ist das mal eine erfrischende und nützliche Einordnung. Unser neuer Linksverteidiger stand heute, am Mittwochmittag, in der Journalistenrunde Rede und Antwort, nachdem er gestern beim SC Freiburg bis auf einen Abspielfehler, der zum 1:1 führte, auch in der Wahrnehmung von Thomas Schaaf ein richtig gutes Spiel machte. Lukas hinterlässt einen sympathischen, zielstrebigen Eindruck, ist selbstkritisch und dennoch selbstbewusst.

Und lernwillig. Spanisch paukt er zur Zeit und hat mit Wesley hier in Donaueschingen einen fast perfekten Zimmergenossen, sind doch portugiesisch und spanisch verwandte Sprachen. Wesley, so berichtete Lukas gerade, könne auch schon richtig gut deutsch, als plötzlich eine Stimme theatralisch „Mein Gott!" rief. Es war - Wesley, der sich fast unbemerkt neben der Runde aufgebaut hatte. Lukas war im Besitz der einzigen Schlüsselkarte für das gemeinsame Zimmer und Wesley hatte lange danach gesucht.

Ein Einzelzimmer bewohnt hingegen Claudio Pizarro, wie er heute der Presse verriet. Nur so konnte er seinen minutiösen Plan durchsetzen mitten in der Nacht die Live-Übertragung von der Copa America zu verfolgen. „Piza" ist Patriot, dieses Spiel durfte er nicht verpassen. Also Vorschlafen, Wecker auf 2:45 Uhr stellen, Peru leider im Halbfinale 0:2 verlieren sehen, leiden und dann doch wieder einschlafen. Dank Einzelzimmer wurde niemand gestört. Gut in diesem Zusammenhang, dass „Pizas" erste Einheit heute erst um 10 Uhr begann. Er hat übrigens ein großes Ziel: Sich mit Peru für die WM 2014 in Brasilien zu qualifizieren. Das wäre ihm von Herzen gegönnt, wenn er auch noch jede Menge Tore für Werder schießt.

Noch mal zurück zu Lukas Schmitz. Der spielt übrigens auch sehr gut Tischtennis. Am Abend kommt es an der hoteleigenen Platte schon mal zum Schlagabtausch mit Kollegen. Und da der Öschberghof ein Golfhotel ist, sieht man nach Dienstschluss auch Spieler am Puttinggreen. Aleks Stevanovic hat sich schon beim Einlochen geübt und auch Marko Marin. Der macht sich zudem als Torflüsterer einen Namen. So hat er Lennart Thy nicht nur den Ball zum 1:0 in Freiburg aufgelegt, sondern ihm vor der Partie auch noch dessen Treffer vorhergesagt. Motto: Kollegen stark reden.

Ja, das Spiel in Freiburg. Da waren wirklich sehr gute Passagen dabei. In den ersten 20 Minuten konnte man vieles wieder erkennen, was in den Trainingseinheiten zuvor eingeübt worden war. Starke, schnelle Kombinationen, keine Chance für die Gastgeber überhaupt in einen Zweikampf hineinzukommen - Werderfußball. Dann aber drei Tore für den Sportclub und ein Fan in Rot-Schwarz neben mir auf der Tribüne, der einfach nur überglücklich war und immer wieder rief: „Da habe ich zehn Jahre drauf gewartet!" In der Tat gab es für uns jahrelang in Freiburg viele schöne Siege. Diesmal aber kann nichts mehr schief gehen, war sich der nette SCF-Fan sicher und rief mir wieder etwas zu: „Wer verliert, gibt dem anderen ein Bier aus!" Ich konnte gar nicht so schnell antworten, wie er meine Hand gepackt hatte. Das Bier wurde am Ende tatsächlich geliefert - an uns.

Eine offizielle Fanfreundschaft zwischen Freiburg und Bremen gibt es zwar nicht, aber ganz sicher starke Sympathien für einander. Überhaupt kommt das Verhalten der Mannschaft und der Offiziellen hier richtig gut an. Spieler und Trainer stehen nach jeder Einheit für Autogramm- und Fotowünsche zur Verfügung. Und ehe nicht der letzte Wunsch erfüllt ist, verschwindet Thomas Schaaf nie im Hotel.