(B)Logbuch Donaueschingen 5: Der Torwart-Schiri

Auch der leidenschaftliche Einsatz von Ehrenspielführer Frank Baumann und WERDER.TV-Keeper Felix Ilemann nützt nichts, in dieser Szene wird Co-Trainer Wolfgang Rolff die Kugel nach feinem Pass von "Tiger" Kraft über die Linie drücken.
Profis
Freitag, 22.07.2011 // 21:45 Uhr

Das dritte Trainingslager der Grün-Weißen in Donaueschingen vom 17. bis 23. Juli 2011 ist in vollem Gange. Zum zweiten Mal gastieren Fritz & Co. im Südwesten Baden-Württembergs. Auch Werders Mediendirektor ist mit der Mannschaft vor Ort und kann aus dem engsten Umfeld interessante Einblicke geben, Anekdoten sammeln und Wissenswertes über Land und Leute berichten.

Es war ein furioses Finale, dieses letzte Spiel im Trainingslager Donaueschingen. Die Trainercrew hatte eine Herausforderung des Funktionsteams angenommen. Die Partie fand auf dem Kleinfeld statt, da, wo der Rasen von einem feinen Teppich nicht zu unterscheiden ist. Schnell zog das Geschehen immer mehr Beobachter in seinen Bann. Thomas Schaaf dirigierte sein Team mit „Wolle" Rolff, Matthias Hönerbach, Benni Kugel und „Tiger" Kraft lautstark von der Torhüterposition aus. Auf der Gegenseite zog Frank Baumann die Fäden, der gemeinsam mit Felix Ilemann und Michael Rudolph von der Pressestelle, Physio Eddy Wagner, unserem Datensammler Peer Jaekel und Dolmetscher Roland Martinez das eigentlich Undenkbare schaffen wollte.

Und sie waren nah dran. Als das Team „Funktion", das ständig auswechseln durfte, ein 1:4 in ein 4:4 verwandelt hatte, konnte Klaus Allofs, der sich unter den faszinierten Zuschauern befand, die möglichen Folgen sofort einschätzen: „Wenn's so weitergeht, werden die heut' Abend woanders essen!" Aber Frank Baumann ahnte schon, was kommen würde. Erst das fünfte Tor für die Trainer, dann ein jähes Ende des Spieles: „Was soll man machen, wenn der Schiedsrichter in der anderen Mannschaft spielt?", fasste Baumi seine Gedanken zum Schlusspfiff zusammen. Die Ordnung war also wieder hergestellt. Und bei aller Enttäuschung wussten Baumi & Co., dass ihre 4:5-Niederlage das Beste war, was ihnen passieren konnte. Proteste, er habe eindeutig zu früh abgepfiffen, prallten am Trainer ab: „Ihr seid 200 Jahre jünger, könnt auswechseln und zweifelt hier auch noch Entscheidungen an", beendete der Chef zur Freude des Publikums augenzwinkernd jegliche Diskussion.

Damit ging ein gutes Trainingslager zu Ende, dessen sportlicher Inhalt und Verlauf leider in Medien kaum gewürdigt wurden. Andere Themen hatten die Schlagzeilen bestimmt. Sehr schade, denn Thomas Schaaf konnte heute ein optimistisch stimmendes Fazit ziehen. Er hatte eine unheimlich positive Stimmung in der Mannschaft registriert, hoch konzentriert arbeitende Spieler gesehen, dazu richtig gute Ansätze im Spiel, vor allem bei der Partie in Freiburg. Natürlich ist es ärgerlich, dass nicht alle Profis im Mannschaftstraining dabei sein konnten, aber im Gegensatz zum letzten Jahr, sah er sich nicht so getrieben, immer wieder das nächste Problem lösen zu müssen. „Wir waren hier auf Fußball fokussiert", sagte er, die Nebengeräusche hätten die Mannschaft nicht gestört.

Diese positive Gelassenheit kam auch heute, am Freitagvormittag, noch mal durch. Es goss wie aus Kannen. Und immer, wenn man dachte, es hört auf, kam der nächste Wolkenbruch noch eine Nummer heftiger. Der Trainer gab trotzdem dem ZDF ein Interview, die Spieler schrieben wie immer Autogramme und „Sokratis" zeigte, dass man beim AC Mailand nicht verzogen wird, sondern lernt, wie man Zeugwarten Freude macht. Er säuberte seine Schuhe noch am Platz ganz gründlich selbst, um sie dann zu übergeben. Seine Spielerlaubnis ist übrigens erteilt, so dass dem ersten Einsatz von Sokratis Papastathopoulos am Samstag beim Turnier in Southampton nichts im Wege steht.

Morgen verlassen wir also den Öschberghof. Wir danken für super Bedingungen, tollen Service und sehr leckere Küche. Von Stuttgart geht es mittags mit dem Flieger nach England und nach der Landung direkt ins St. Mary's Stadion. Dort freut sich Thomas Schaaf auf zwei Aufgaben, die unterschiedlicher nicht sein können. Die athletisch, rustikale Art des englischen Zweitligisten und das filigrane Spiel der Basken aus Bilbao. Noch am späten Samstagabend werden wir wieder in Bremen eintreffen. Und am Sonntag sieht man sich hoffentlich beim Tag der Fans.