Baumann-Interview: Papierkugel-Tor oder Nasenbeinbruch

Ehrenspielführer Frank Baumann arbeitet heute im Hintergrund für Werder Bremen als Assistent des Geschäftsführers Klaus Allofs.
Profis
Freitag, 17.02.2012 // 15:00 Uhr

Im Vorfeld des 96. Nordderbys kreist natürlich wieder die "Papierkugel"-Legende durch die Vorberichterstattung. Es geht um jenes zusammengeknüllte weiße Blatt, dass eine Ecke verursachte, aus dem das alles entscheidende Tor durch Werder-Kapitän Frank Baumann führte. Einen Tag vor dem Derby haben wir mit dem heutigen Werder-Ehrenspielführer und Assistenten von Geschäftsführer Klaus Allofs noch mal Kaffee getrunken und über diese Szene gesprochen.

Baumi, diesmal bist du nicht mit dem Mannschaftsbus auf dem Weg nach Hamburg. Wann muss man denn als Assistent des Geschäftsführers anreisen?
Frank Baumann: Im Terminplan steht, dass 15.30 Uhr das Nordderby startet, dann sollte ich auf meinem Platz sein.

Im Ernst, wann geht es morgen los?
Frank Baumann: Die Fahrt nach Hamburg ist ja immer zeitintensiver als man denkt. Deswegen werde ich rechtzeitig starten. Ich bin eine Stunde vor dem Anpfiff bereits vom Hamburger Fanprojekt zur Veranstaltung "Volksparkett", einer Gesprächsrunde mit HSV-Anhängern in der Nähe des Stadions, eingeladen. Danach geht's dann schnell auf die Tribüne. Ich werde mit Tim Borowski nach Hamburg fahren, der sich die Partie natürlich auch nicht entgehen lassen will.

Oh, da werdet ihr euch ja sicher noch die eine oder andere Erinnerung vorher im Auto austauschen können.
Frank Baumann: Das kann passieren. Da gab es ja genügend Begebenheiten in den vergangenen Jahren. Und ich weiß jetzt auch schon wie die nächste Frage lautet.

Deine hellseherischen Fährigkeiten trügen dich nicht. Du sollst noch mal die Story mit der Papierkugel erzählen!
Frank Baumann: Ehrlich gesagt, habe ich im Spiel gar nicht mitbekommen, dass der Ball wegen der Papierkugel versprungen ist und damit eine entscheidende Rolle gespielt hat. Anschließend im Fernsehen habe ich es mir dann angeschaut. Aber das hat zweifelsohne dazu geführt, dass dieses Spiel immer in Erinnerung bleiben wird.

Im großen WERDER.DE-Interview zum Karriere-Abschluss hast erzählt, dass das Tor gegen Gladbach in der Double-Saison und das "Papierkugel-Tor" deine beiden wichtigste Treffer waren. Kannst du noch mal beschreiben wieso?
Bei beiden Toren war das Gefühl da, etwas Wichtiges beigetragen zu haben, man wird immer ein kleiner Teil dieser Double-Saison und dieser Derby-Wochen bleiben.

Kannst du diese Tor-Szene in Hamburg noch abrufen?
Frank Baumann: Das wird mir immer gelingen. Die "Papierkugel-Ecke" kam herein, Hugo Almeida kam an den Ball hat ihn abgefälscht und verlängert, Frank Rost wehrt ab und dann gehen Trochowski und ich zum Ball und dann war er drin. Ich dachte in dieser Sekunde nur: entweder gehst du richtig hin und hast Erfolg, oder du zögerst, triffst nicht und gehst mit einem Nasenbeinbruch nach Hause. Am Ende war es die richtige Entscheidung.

Die Erinnerungen dürften für dich schöner sein, als beispielsweise für den ehemaligen HSV-Profi Michael Gravgaard, der mit Hilfe der Kugel die Ecke verursacht hat.
Frank Baumann: Er konnte aber nichts dafür und auch für ihn hat es etwas Gutes: Er bleibt auch in Erinnerung (lacht). Das waren einfach außergewöhnliche Wochen mit vier Derbys in 19 Tagen und ich kann mich noch sehr gut an eine Szene erinnern, als die Fans bei dem nächsten Heimspiel eine riesige Papierkugel auf der Tribüne haben wandern lassen.

Am Samstag ist es für viele Spieler im aktuellen Werder-Kader das erste Derby in Hamburg. Glaubst du, dass sie die Bedeutung dieser Partie gleich richtig einschätzen können?
Frank Baumann: „Da habe ich keine Sorgen. Die Besonderheit und den hohen Stellenwert des Nordderbys bekommt man als Spieler schnell mit. Die Spiele gegen den HSV haben vor allem bei den Fans eine ganz besondere Wichtigkeit. Und auch als Spieler ist das kein Spiel, wie jedes andere. Das ist auch als Thema in der Kabine präsent."

Ganz so brisant wie in den Vorjahren ist die Ausgangssituation diesmal nicht. Am Samstag spielt der Tabellenfünfte beim Zehnten. Büßt das Spiel deshalb an Bedeutung ein?
Frank Baumann: Ein Nordderby wird immer unabhängig von der aktuellen Platzierung beider Vereine ein besonderes Spiel mit besonderen Emotionen sein. So wird es auch am Samstag wieder sein.

Glaubst du, dass wir nach dem Spiel wieder eine Anekdote mehr erzählen können?
Frank Baumann: Das weiß ich nicht. Ich hoffe aber, dass wir uns über drei Punkte freuen können. Es wäre wichtig, dass wir gewinnen und das wir am Ende vor dem HSV stehen.

Das Gespräch führten Michael Rudolph und Dominik Kupilas.