Almanach 2011 - A bis C: Hui Buh, das Abstiegsgespenst

Enttäuscht, fassungslos, ratlos: Die Werder-Profis Marko Marin, Clemens Fritz, Petri Pasanen und Per Mertesacker (v.links) nach dem Rückrunden-Spiel gegen Köln..
Profis
Montag, 19.12.2011 // 16:42 Uhr

Jedes Jahr geht es aufs Neue um und klopft an die Türen von Bundesligisten, die mit dem Besuch so gar nicht gerechnet haben: Das Abstiegsgespenst. In der Saison 2010/2011 hatte sich der unerwünschte Geist ...

Zwölf Monate sind wie im Flug vergangen. Höhen und Tiefen, Jubel und Enttäuschung, Abschiede und Rückkehrer. 2011 - ein Jahr mit schönen Momenten, aber auch mit schweren Zeiten, zwischen Abstiegsangst und Herbstmeisterfantasien. Nicht leicht, dabei den Überblick zu behalten. Deswegen bietet WERDER.DE zum Jahresende einmal mehr den grün-weißen Almanach an. Werder 2011 von A bis Z, zum Erinnern und Schmunzeln. Heute: Teil 1 - A bis C:

 

A - Abstiegsgespenst, das

Jedes Jahr geht es aufs Neue um und klopft an die Türen von Bundesligisten, die mit dem Besuch so gar nicht gerechnet haben: Das Abstiegsgespenst. In der Saison 2010/2011 hatte sich der unerwünschte Geist die Gegend rund um den Osterdeich zum Verweilen ausgesucht - zum Leidwesen der Werder-Anhänger. Dabei brauchten alle Beteiligten einige Zeit, um den hartnäckigen Zaungast überhaupt wahrzunehmen. Nach einer desolaten Leistung gegen den direkten Tabellenkonkurrenten 1. FC Köln am 19. Spieltag - Werder verlor 0:3 und rutschte auf den 14. Platz ab - stellte Manager Klaus Allofs fest: "Wir sind nicht bereit, als Gruppe aufopferungsvoll zu kämpfen. Kein Kampf, kein Wille, kein Glaube." Dabei sind es gerade diese Eigenschaften, die Allofs vermisste, die der Abstiegskampf von den Beteiligten fordert.

Die Mannschaft, so das Echo in den Medien, tue sich schwer damit, die neue Rolle anzunehmen. Und das ist gar nicht mal so verwunderlich. Denn mit dem Abstieg hatte man lange nichts zu tun gehabt, im Gegenteil: Seit 2003 hatte Werder immer ganz oben mitgespielt, um die Meisterschaft, um den DFB-Pokal, im internationalen Geschäft. Daher war in der vergangenen Saison, die von Beginn an anders verlief, eine gewisse Ratlosigkeit spürbar - wenn es spielerisch nicht funktioniert, wie dann? Werder schaffte es, sich ohne Personalwechsel im Trainerstab, aber mit einer Reihe außergewöhnlicher Maßnahmen und neuem Mut in die Saison zurückzukämpfen. Die endgültige Rettung gelang schließlich am 33. Spieltag, Werder beendete die "Seuchen-Saison" mit 41 Punkten auf Rang 13. Und das Abstiegsgespenst hat in Zukunft Stadionverbot.

 

B - Binde, die

Mirko Votava, Dieter Eilts, Frank Baumann - in der Vergangenheit gab es bei Werder Bremen immer wieder Mannschaftskapitäne, die nicht nur das Gesicht des Vereins prägten, sondern auch über viele Jahre die Spielführerbinde trugen. Im abgelaufenen Jahr nun war es einmal umgekehrt: Binnen weniger Wochen führten gleich drei Spieler die Grün-Weißen in der Rolle als "Käpt'n" aufs Feld. Als Nachfolger von Baumi war Torsten Frings seit 2009 diese Ehre zuteil geworden, bis zu seinem Wechsel im Sommer gab er den Ton an. Nachdem Kapitän Frings von Bord war, ernannte Thomas Schaaf im August Per Mertesacker zum Mann mit der Binde. Der neue Spielführer zeigte sich sehr stolz auf die ihm verliehene Würde und wollte das Amt gleich "die nächsten 100 Jahre bekleiden". Dass diese Zahl ein bisschen hoch gegriffen war, wusste der Abwehrriese zwar, dass er aber nicht einmal einen Monat später schon wieder einen Nachfolger haben würde, wohl nicht. Schuld war ein gewisser Arséne Wenger, der Merte zu den Gunners nach London lockte und damit den frischgebackenen Werder-Kapitän von Bord holte. In die Bresche sprang Mertes "Vize" Clemens Fritz, der nun seit rund vier Monaten als Spielführer vorneweg geht und dafür Lob von allen Seiten bekommt. So findet zum Beispiel Teamkollege Sebastian Prödl: "Er schafft es sehr gut, die Mitspieler zu motivieren." Und Geschäftsführer Klaus Allofs meint: "Er liefert immer das gute Beispiel und genießt hohe Akzeptanz im Team." Fritz selbst äußert sich zurückhaltend. Er freue sich zwar, Kapitän zu sein, aber: "Ich bilde mir nichts drauf ein." Na, dann: Ahoi!

 

C - Comeback, das

In der Hinrunde der Saison 2011/2012 müssen die Buchmacher sich beim Errechnen der Wettquoten für Spiele des SV Werder Bremen ganz schön die Haare gerauft haben. Eigentlich schienen die Partien sehr berechenbar - früh lagen die Grün-Weißen mit ein bis zwei Toren zurück. 0:1 hieß es gegen Freiburg nach wenigen Minuten, 0:1 gegen Hoffenheim, 0:1 gegen Hertha, 0:1 gegen Augsburg, 0:1 auch gegen Mainz. Gegen Köln lag Werder zwischenzeitlich sogar mit zwei Toren zurück. Nach den Spielen waren auf den Anzeigetafeln dann aber ganz andere Zahlen zu lesen. Da hieß es aus Bremer Sicht: 5:3 gegen Freiburg, 2:1 gegen Hoffenheim, 2:1 gegen Hertha, 1:1 gegen Augsburg, 3:1 gegen Mainz und 3:2 gegen Köln! Die Hinrunde 2011/2012 war auch die Halbserie der sagenhaften Comebacks. 16 Punkte holten Fritz & Co. noch nach einem Rückstand - Bestwert in der Liga. Claudio Pizarro hatte eine einleuchtende Erklärung für die gute Moral. "Wir haben ein großes Herz und laufen viel", gab der Peruaner zu Protokoll, nachdem er mit einem Hattrick das Spiel gegen Köln gedreht hatte. Aber so unterhaltsam die Aufholjagden für unbeteiligte Zuschauer auch waren, das grün-weiße Nervenkostüm hatte unter dem ständigen Auf und Ab ganz schön zu leiden.

Cheftrainer Thomas Schaaf jedenfalls hätte gegen ein einfaches 1:0 sicherlich nichts gehabt: "Im Ranking für hohen Unterhaltungswert stehen wir sicher ganz oben, aber als Trainer muss ich das nicht haben." Und Aaron Hunt hatte auch gleich einen Vorschlag zur Abhilfe parat: "Vielleicht sollten wir beantragen, die Partie schon mit der zehnten Minute zu beginnen. Dann lassen wir die schwierige Phase vorne weg." Eine Regeländerung, die dem Blutdruck so manchen Zuschauers tatsächlich gut tun würde. Allerdings ließen sich dann nicht mehr mit schöner Regelmäßigkeiten die außerordentlichen Comeback-Qualitäten des Teams bewundern. Und das wäre doch auch irgendwie schade.