Grenzenlose Euphorie in Rehden - Der Vorbericht

Sportlich einer der Höhepunkte in der Rehdener Vereinsgeschichte: Das Pokal-Erstrunden-Match gegen 1860 München am 31.08.2003.
Profis
Mittwoch, 23.03.2011 // 15:11 Uhr

Die Bundesliga macht eine Pause, Werder spielt trotzdem! Während sich die Nationalspieler der Werderaner in diesen Tagen im Kreise ihrer Auswahlteams befinden, bereiten sich die in Bremen gebliebenen Akteure auf die kommenden ...

Die Bundesliga macht eine Pause, Werder spielt trotzdem! Während sich die Nationalspieler der Werderaner in diesen Tagen im Kreise ihrer Auswahlteams befinden, bereiten sich die in Bremen gebliebenen Akteure auf die kommenden Aufgaben vor. Die erste dieser Aufgaben, wartet für die Mannschaft von Cheftrainer Thomas Schaaf bereits am Freitagabend. Ab 19 Uhr wird dann nämlich unter echten Wettkampfbedingungen getestet. Grün-Weiß zu Gast bei Schwarz-Weiß. Oder auch BSV Rehden gegen Werder Bremen. Ab 19 Uhr rollt der Ball auf dem Sportplatz „Waldsportstätten" in Rehden, knapp 70km südwestlich von Bremen entfernt. WERDER.DE hat den Club vor dem Aufeinandertreffen mal etwas genauer unter die Lupe genommen: Heute: BSV „Schwarz-Weiß" Rehden.

Die Rehdener A-Jugend im Jahr 1968 vor dem Weser-Stadion: 2.v.l. Walter Plaggemeyer.

Der Trainer: Uwe Brunn ist seit dem 20.03.2009 Cheftrainer des niedersächsischen Oberligisten. Der ehemalige Torhüter, der unter anderem sieben Bundesligaspiele für Borussia Mönchengladbach und 75 Zweitligaeinsätze für den VfL Osnabrück vorzuweisen hat, trifft am Freitag am Spielfeldrand auch auf einen ehemaligen Teamkollegen. Klaus Allofs und Uwe Brunn standen in den 80er Jahren zur gleichen Zeit beim 1.FC Köln unter Vertrag. Brunn war als junger Torhüter, nachdem der damals 19-Jährige Bodo Illgner Stammkeeper Toni Schumacher abgelöst hatte, zur Nummer 2 der Kölner aufgestiegen. „Klaus Allofs war damals ja schon ein Weltstar. Es war schon eine tolle Zeit mit Spielern wie ihm in einem Team zu stehen", erinnert sich Brunn. In den vielen Trainingseinheiten hatte Brunn damals die Schüsse des heutigen Werder-Geschäftsführers „vornehmlich vereitelt", sagt der Rehdener Coach mit einem Schmunzeln. „Aber klar, einige Dinger haben die mir damals auch reingehauen."

Verein, Vergangenheit, Höhepunkte: Den Anstoß zur Vereinsgründung gab der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954. 37 Sportkameraden, darunter die Initiatoren Wilhelm Nüßmann und der spätere 1. Vorsitzende Werner Senke, erklärten in einer ersten Versammlung am 21.06.1954 die Gründung des Ballsportverein „Schwarz-Weiß" Rehden. Mit je einer Herren- und einer Jungendmannschaft wurde der Spielbetrieb Mitte der 50-iger Jahre aufgenommen. In der Folgezeit machte besonders die Rehdener A-Jugend auf sich aufmerksam. In den Jahren 1966 bis ‘68 spielte das Team in der damaligen Bezirksklasse eine herausragende Rolle. Aus dieser Mannschaft ging unter anderem Walter Plaggemeyer hervor, der in der Saison 69/70 auch zwei Bundesliga-Partien für Werder Bremen bestritt. Nach eher unruhigen achtziger Jahren, geprägt von zahlreichen Einschnitten und Veränderungen in der Vereinsstruktur, war man in den 90ern sportlich überaus erfolgreich. Die Fußballer schafften den Aufstieg von der Kreisliga bis in die Niedersachsenliga und erlebten mit der Teilnahme an der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde am 31.08.2003 ihren bisherigen sportlichen Höhepunkt. Gegner vor gut 5.500 Zuschauern in Rehden war der TSV 1860 München. Am Ende siegte der damalige Erstligist mit 5:1.

Brunn: "Keine Kloppertruppe - Wir werden uns sportlich vorbildlich verhalten"

Das Stadion "Waldsportstätten" wird am Freitag, 25.03., für rund 4.000 Zuschauer Platz bieten.

Die Gegenwart: Nach einem hervorragenden dritten Platz in der Vorsaison, rangiert die Truppe von Coach Uwe Brunn derzeit auf Tabellenplatz zehn. In 24 Saisonspielen gab es zehn Siege, fünf Unentschieden und neun Niederlagen (Stand: 22.03.2011). Mit dem Abstieg haben die Rehdener zwar nichts am Hut, doch auch die Punktedifferenz zu den Top Vier der Liga ist enorm. Die Partie gegen Werder wurde seitens der Rehdener natürlich als „Highlight des Jahres" angekündigt und bietet den Amateuren eine mehr als reizvolle Abwechslung zum Saison-Alltag in der Oberliga Niedersachsen. Wie sehr sich der Verein das Testspiel gegen die Werderaner gewünscht hat, zeigt die Tatsache, dass der BSV in der Woche des großen Spiels auch eine Dreifachbelastung in Kauf genommen hat. Denn neben dem Duell mit den Bremern am Freitag, 25.03., stehen für die Rehdener am Mittwoch, 23.03., und am Sonntag, 27.03., zudem zwei Pflichtspiele in der Oberliga auf dem Programm. "Eine einmalige Belastung", kommentiert Brunn das straffe Programm. Aber viel mehr als Belastung dürfte der Kick gegen die Profis für die Rehdener Spieler ein Genuss sein und besser als jedes Training zugleich.

Die Mannschaft: „Wir haben eine spielerisch starke Mannschaft", sagt Trainer Uwe Brunn und verspricht. „Werder trifft also nicht auf eine Kloppertruppe. Klar werden wir auch normal in die Zweikämpfe gehen. Aber wir werden uns sportlich vorbildlich verhalten". Einer der namhaftesten Kicker in Reihen der Rehdener ist Sergiy Dikhtiar. Der Ukrainer lief in den 90er Jahren einige Male für Schalke 04 in der Bundesliga auf. Später verschlug es den Offensivmann zur SG Wattenscheid 09, dann zum 1.FC Saarbrücken. Kapitän der BSVer ist Christian Schiffbänker. Mit Ex-Profi Maaten Schops, derzeit in der Liga gesperrt, verfügen die Rehdener über einen Mann mit internationaler Erfahrung. Der Abräumer im Mittelfeld und „Eckpfeiler der Mannschaft" (Kreiszeitung Diepholz) spielte bereits bei mehreren Vereinen in der holländischen und belgischen ersten Liga. Mit Manuel Meyer haben die Schwarz-Weißen zudem einen Defensiv-Allrounder mit Werder-Vergangenheit in ihren Reihen. Der 28-Jährige stand 2000/01 im Kader der Bremer U23. Auch Offensivmann Björn-Dieter Wnuck, der in dieser Winterpause in die „Zweite" der Rehdener wechselte, spielte zwischen 2002 und 2004 für Werders Nachwuchsteams. "Ich wünsche mir, dass es für die Zuschauer ein schönes Spiel wird, mit vielen Toren und vielleicht ja auch dem ein oder anderen Kabinettstückchen eines Werder-Stars", blickt Brunn voraus.

Rehden - Eine grün-weiße Hochburg

Das Stadion: Auf dem Sportplatz „Waldsportstätten" werden die beiden Teams am Freitagabend von bis zu 4.000 Zuschauern empfangen. Viele Karten sind bereits im Vorverkauf über den Ladentisch gegangen. Vor allem das Interesse der jungen Leute wurde geweckt. Bis jetzt werden einige Hundert Kinder und Jugendliche unter den Zuschauern sein. „Hier herrscht eine grenzenlose Euphorie. Für den BSV und die gesamte Region Diepholz ist das einfach ein tolles Ereignis", beschreibt Brunn die Stimmung in und um Rehden. Die niedersächsische Region ist gewissermaßen Werder Bremen-Land. Kaum jemand dort hat keinen Werder-Schal an seiner Garderobe hängen oder einen Rautenaufkleber am Auto kleben. Neben dem neuen Stadion mit seiner schicken, kleinen Sitzplatztribüne wird der Verein auch in Zukunft noch ein, zwei weitere Schmuckstücke dazubekommen. So befindet sich das Vereinsheim derzeit im Umbau. Zudem wird eine Turnhalle am Sportgelände errichtet. Mit den vielen Trainingsplätzen drum herum, „wird das in ein, zwei Jahren eine super Anlage sein", ist sich Coach Brunn sicher. Aber auch jetzt bietet der Sportplatz „Waldsportstätten" tolle Bedingungen für ein Testspiel dieser Größenordnung.

Liveticker und WERDER.TV: Für alle Werder-Fans, die das Spiel am Freitag nicht vor Ort sehen können, bieten wir euch die Möglichkeit, die Partie im Liveticker bei WERDER.DE und mobil unter mobil.werder.de zu verfolgen. So seid ihr vom Anfang bis zum Ende immer auf dem aktuellsten Stand und wisst genau, was gerade im Rehdener Stadion passiert. Darüber hinaus zeigt WERDER.TV exklusiv am Tag drauf alle Tore und Highlights vom Testspiel.

Von Timo Sczuplinski und Marco Niesner