Derby ohne Geister, aber mit Gespenst

Im Hinspiel gab es für St. Pauli und Kapitän Gerald Asamoah wenig zu lachen. Sandro Wagner, Petri Pasanen und Co. gewannen im Weser-Stadion souverän mit 3:0.
Profis
Donnerstag, 21.04.2011 // 18:18 Uhr

Obwohl es zwischen dem FC St. Pauli und Werder Bremen zu keinem Geisterspiel kommen wird, spukt das Abstiegsgespenst am kommenden Samstag, 23.04.2011, um 15.30 Uhr am restlos ausverkauften Hamburger Millerntor gehörig. Vor allem für den Kiezklub geht es im Derby vier Spieltage vor dem Saisonende bereits um alles. Mit nur 29 Punkten rangieren die Braun-Weißen auf Platz 17. Etwas besser sieht die Situation in Bremen aus: Die Schaaf-Elf hat sechs Punkte mehr auf dem Konto, braucht aber für den Klassenerhalt weitere Zähler und baut dabei auf die Unterstützung der mitreisenden Fans. Das Gäste-Kontingent von 2.600 Tickets wurde vollständig ausgeschöpft.

Obwohl es zwischen dem FC St. Pauli und Werder Bremen zu keinem Geisterspiel kommen wird, spukt das Abstiegsgespenst am kommenden Samstag, 23.04.2011, um 15.30 Uhr am restlos ausverkauften Hamburger Millerntor gehörig. Vor allem für den Kiezklub geht es im Derby vier Spieltage vor dem Saisonende bereits um alles. Mit nur 29 Punkten rangieren die Braun-Weißen auf Platz 17. Etwas besser sieht die Situation in Bremen aus: Die Schaaf-Elf hat sechs Punkte mehr auf dem Konto, braucht aber für den Klassenerhalt weitere Zähler und baut dabei auf die Unterstützung der mitreisenden Fans. Das Gäste-Kontingent von 2.600 Tickets wurde vollständig ausgeschöpft.

Atmosphäre "wie gestern in Valencia"

Kapitän Torsten Frings ist erleichtert, nicht vor leeren Rängen spielen zu müssen.

„Ich bin froh, dass wir ein normales Spiel mit Zuschauern austragen können und unsere Fans so auch die Möglichkeit haben, an diesem Spiel teilzunehmen", zeigt sich Cheftrainer Thomas Schaaf mit der DFB-Entscheidung zufrieden, die Hamburger nach den Zwischenfällen im letzten Heimspiel nicht mit einer Partie vor leeren Rängen zu bestrafen. Ähnlich sehen es auch Per Mertesacker („Der Charakter eines Bundesligaspiels darf nicht verloren gehen") und Kapitän Torsten Frings: „Das ist die richtige Entscheidung. Es ist doch auch viel schöner, richtig Stimmung zu haben als ein totes Stadion. Und die Atmosphäre dort wird richtig heiß sein, davon dürfen wir uns nicht anstecken lassen".

Klaus Allofs erwartet in Anlehnung an die El-Clásico-Wochen zwischen dem FC Barcelona und dem frischgebackenen Pokalsieger Real Madrid gar spanische Verhältnisse. „Wir können uns vorstellen wie die Atmosphäre am Samstag sein wird, so wie gestern in Valencia", sagte der Geschäftsführer ob des gewagten Vergleichs mit einem Augenzwinkern. Dennoch unterstreicht Allofs die Bedeutung der Partie und greift Frings' Gedanken auf: „Natürlich geht es jetzt in die entscheidende Phase, es kommt Druck, dieses Endgültige hinzu. So ist es für St. Pauli ein vorentscheidendes Spiel und dementsprechend werden sie agieren. Ich denke aber, dass wir genügend Erfahrung damit haben und unsere Spieler auch in der zu erwartenden hitzigen Atmosphäre einen kühlen Kopf bewahren werden".

Höchster Saison-Heimsieg im Hinspiel

Nach dem Hinspiel meldete sich Hugo Almeida aus der Bundesliga ab.

Im Hinspiel war das nicht jedem gelungen. Trotz des überzeugenden 3:0-Erfolgs im Weser-Stadion brannten dem dreifachen Torschützen Hugo Almeida in seinem letzten Bundesliga-Spiel für die Grün-Weißen die Sicherungen durch, so dass er wegen einer Tätlichkeit vom Platz gestellt wurde. Die Kiezkicker hingegen erholten sich recht gut von der Schlappe. Zwar folgten in der Hinserie noch zwei weitere Niederlagen, danach trumpfte die Stanislawski-Elf jedoch groß auf, feierte eine Serie von fünf ungeschlagenen Spielen sowie drei Siegen in Folge und gewann als Krönung auch noch die inoffizielle Stadtmeisterschaft gegen den HSV (1:0). Mit 28 Zählern schien der Klassenerhalt nach 22 Spieltagen schon halb gesichert, bevor eine Serie aus Verletzungspech und Misserfolgen folgte, die seines Gleichen sucht. Satte sieben Niederlagen in Folge stürzten die personell gebeutelten Kiezkicker zurück in den Tabellenkeller, wo erst am vergangenen Samstag im Duell mit dem VfL Wolfsburg (2:2) seit Februar wieder ein Punkt ergattert werden konnte.

„Sie haben eigentlich viel besser gespielt, als das, was sie letztlich dafür bekommen haben. Gerade wenn man die Partie in Wolfsburg betrachtet. Dort haben sie gut gespielt, sehr viele Möglichkeiten gehabt, konnten das aber nicht zu ihrem Vorteil nutzen und haben spät noch das Gegentor bekommen. Schon in Leverkusen haben sie sehr diszipliniert und engagiert gespielt, aber nicht die Punkte geholt", beobachtete Schaaf. „Jetzt haben sie die Situation, dass der Trainer wechseln wird. Ich glaube aber, dass diese Gemeinschaft so stark ist, dass sie das nicht beeinflusst und es somit auch keinen Einfluss auf das Spiel am Samstag haben wird", so der Werder-Coach mit Blick darauf, dass Holger Stanislawski den FC St. Pauli nach der Saison in Richtung Hoffenheim verlassen wird. Der gebürtige Hamburger hatte die Kiezkicker aus der Regionalliga binnen dreieinhalb Jahren zurück ins Oberhaus geführt. Entsprechend fällt die Wertschätzung Schaafs aus: „Ich glaube, dass ,Stani' mit dieser Mannschaft hervorragende Arbeit geleistet hat und dass man das auch anerkennt".

"Es sind sicherlich Sympathien vorhanden"

Die sportliche Leitung beider Klubs versteht sich gut.

Überhaupt steht es mit der Beziehung zwischen Grün-Weiß und Braun-Weiß gut. Die Auseinandersetzungen rund um das denkwürdige letzte Aufeinandertreffen der beiden Klubs am Millerntor im DFB-Pokal 2005/06 sind längst vergessen. „Das ist komplett ausgeräumt, wir haben mit den Verantwortlichen von St. Pauli ein sehr gutes Verhältnis", so Allofs. Vielmehr erfreut man sich in Bremen „an der besonderen Note", die St. Pauli in die Bundesliga mit einbringt. „Wir hätten nichts dagegen, wenn sie dort ihren Weg weiter gehen könnten. Es sind sicherlich Sympathien vorhanden, nur für den Samstag müssen die mal hinten angestellt werden", sagt Schaaf.

Schließlich gehe es auch um die Situation von Werder Bremen und die gelte es weiter zu stabilisieren. „Dafür müssen wir schauen, dass wir unserem Spiel treu bleiben und auch bei einer Führung nicht zurückschreiten", so der Trainer mit Blick auf die vielen Unentschieden in den letzten Partien, bei denen mehrfach ein knapper Vorsprung verspielt worden war. Das soll am Ostersamstag anders werden. „Unser Anspruch ist es, letztendlich immer erfolgreich vom Platz zu gehen und so viele Punkte zu holen, wie es nur geht. Das ist aber kein Wunschkonzert, denn ein Gegner gehört auch noch dazu. Dennoch hoffe ich, dass uns das auch am Wochenende gelingt."


Christoph Muxfeldt