Wagners Elfmeterpremiere mit Zugabe

Sandro Wagner schnürte durch zwei sicher verwandelte Elfmeter seinen ersten Bundesliga-Doppelpack.
Profis
Samstag, 19.03.2011 // 22:28 Uhr

Klar, dass die Reklamationen über diesen Punkte-Service nur aus den Reihen der Nürnberger kamen. Vor allem Torhüter Raphael Schäfer, dessen Rettungsversuch zum zweiten Strafstoß führte, trieb dem Franken-Schlussmann die Zornesröte ins Gesicht. Aufbrausend stiefelte er weit vor seinem Tor dem Werder-Stürmer hinterher um sich zu Beschweren. Der nahm es locker: "Ja, der Schäfer war ein bisschen durcheinander. Ich konnte ihm nur sagen, dass ich nicht weiß, ob es ein Foul war, aber dass ich nichts machen kann, wenn er pfeift. Der Schiedsrichter stand genau hinter uns, er hat die Szene besser gesehen als ich. Schauspielerei war jedenfalls nicht dabei."

Ein Blick. Eine Bitte. Dann trafen die beiden Stürmer die wichtigste Entscheidung des Nachmittags. Sandro Wagner schießt diesmal Werders Elfmeter. "Ich bin zu Piza gegangen und habe ihn gefragt, ob ich ihn schießen kann, weil er doch schon gefühlt mindestens 1.000 Bundesligatore geschossen hat", erzählte Sandro Wagner. "Ich habe ihm daraufhin ganz tief in die Augen geschaut und habe dort gesehen, dass er das Selbstvertrauen hat, dass dort keine Zweifel sind, dann habe ich ihm den Ball überlassen", antwortete der Peruaner. Und weil die Aufgabenverteilung, Foul an Pizarro, Wagner vom Punkt, in der 27. Minute so gut klappte, wiederholten es die beiden in der 89. noch einmal. Mit dem 2:1 kurz nach der Pause servierte "Wagner-Piza" ihrem Team drei Punkte und einen weiteren Batzen Selbstvertrauen.

Authentisch waren beide Stürmer auch, als sie die guten Kritiken nach der Partie direkt an alle Teamkollegen weitergaben. Mehr noch, für beide war vor allem die starke Defensive dieses Mal der entscheidende Faktor. "Die Mannschaft hat mir vertraut und mich die ersten beiden Elfmeter meiner Karriere schießen lassen, aber ich denke in diesem Moment nicht an mich. Wir alle haben uns nach den verlorenen Punkten gegen Gladbach eine Woche richtig geärgert und geschworen, dass wir uns die Punkte hier zurückholen. Vor allem in der Defensive standen wir heute sehr stark. Es war nur ein bisschen Pech, dass wir nicht zu Null geblieben sind. Für diesen Erfolg haben alle hart gearbeit, die Mannschaft, die Trainer, die Physios, die Mitarbeiter des Vereins und zu einem kleinen Prozentsatz auch der Mentaltrainer und wenn der Erfolg gelingt, dann macht alles wieder ein bisschen mehr Spaß."

Viel Freude bereitet die Entwicklung Wagners, der jetzt vier Treffer in den letzten drei Spielen vorweisen kann, darunter drei Mal das wichtige 1:0. Pizarro lobt: "Wir verstehen uns inzwischen auf dem Feld ganz gut. Jetzt hat er auch seine Tore gemacht und Selbstvertrauen getankt." Kapitän Torsten Frings: " Er hat einen Lauf, den er sich im Training hart erarbeitet hat. Vor den Strafstößen hat er sich gut gefühlt und Verantwortung übernommen. Er hat schon im Training ein paar Mal geschossen und es gut gemacht. Bei uns kann dann jeder schießen, der sich gut fühlt. Mit seinem zweiten Elfmeter hat er für die Entscheidung gesorgt." Geschäftsführer Klaus Allofs sieht seinen Weg symbolisch für die ganze Mannschaft. "Er ist das beste Beispiel. Bei ihm lief nichts zusammen, bis er es verstanden hat, dass er sich über einfache Dinge Selbstvertrauen holen muss, mehr Laufbereitschaft, mehr Einsatzbereitschaft. Vielleicht fallen dann nicht gleich die Tore, aber sie fallen irgendwann. Und plötzlich bist du soweit und trittst in so einem Spiel zu zwei Elfmetern an." Cheftrainer Thomas Schaaf dazu: "Wenn einer so slebstbewusst ist, wie Sandro , sich den Ball nimmt und zweimal trifft, dann hat er alles richtig gemacht."

Schade, dass das Stürmerduo wegen Pizarros Gelbsperre ausgerechnet im Spiel gegen den VfB Stuttgart nicht zusammen auflaufen kann. "Wie er für das Team arbeitet, Gegenspieler auf sich zieht, den Ball hält und verteilt, das ist schon vorbildich. Er war zuletzt richtig stark und oft doch nicht mit sich zufrieden, auch das zeichnet ihn aus", sagte Allofs. Sturmkollege Wagner bedauert den Ausfall ebenfalls sehr: "Er ist der beste Stürmer der Bundesliga. Unser wichtigster Spieler. Jedes Training mit ihm ist eine Ehre. Wir müssen uns dann alle noch mehr reinhängen, um das aufzufangen."

aus Nürnberg berichten Michael Rudolph und Dominik Kupilas