Von Papierkugeln und anderen Derby-Geschichten

Die Werder-Fans ließen in der Saison 2008/09 den "großen Bruder" der Original-Papierkugel aus dem UEFA-Cup-Halbfinale gegen den HSV durch den Block rollen.
Profis
Dienstag, 15.02.2011 // 12:49 Uhr

Am Wochenende steigt das insgesamt 110. Nordderby (und 95. Aufeinandertreffen in der Bundesliga) zwischen dem Hamburger SV und dem SV Werder Bremen. Die Duelle zwischen den beiden Klubs ...

Am Wochenende steigt das insgesamt 110. Nordderby (und 94. Aufeinandertreffen in der Bundesliga) zwischen dem Hamburger SV und dem SV Werder Bremen. Die Duelle zwischen den beiden Klubs mit der Raute sorgten in der Vergangenheit regelmäßig für große Emotionen und kuriose Geschichten. Allein beim Wort "Papierkugel" werden die Fan-Ohren hellhörig. WERDER.DE hat einige interessante Derby-Geschichten zusammengesucht.

Der Spielplan in der Saison 2008/09 hat für die Nordklubs eine besondere Derby-Dichte parat. Gleich vier Mal innerhalb von 19 Tagen treffen die Werderaner auf den HSV. Es soll eine "Überdosis grün-weiß" für den HSV werden, wie das Internetportal "Fussballdaten.de" im Nachhinein feststellen wird. Die Elf von Cheftrainer Thomas Schaaf setzt sich zum Auftakt der Derby-Wochen im DFB-Pokal-Halbfinale beim HSV im Elfmeterschießen durch. Tim Wiese wird nach drei gehaltenen Strafstößen von der BILD-Zeitung zum "Riesen" getauft.

Nach einer engen 0:1-Niederlage im Weser-Stadion steht gut zwei Wochen später das nächste große Jubel-Erlebnis für die Bremer auf dem Plan. Schauort ist wieder das Hamburger Stadion im Volkspark. Protagonist: Ein zusammengeknäueltes Stück Papier, welches von einem Hamburger Fan auf den Rasen geworfen wurde. Bei einem Klärungsversuch durch den HSVer Michael Gravgaard verspringt der Ball ausgerechnet durch jene Kugel und der Däne stolpert das Spielgerät zur Ecke für Werder. Diegos Flanke findet in der Folge den Kopf von Almeida. Rost pariert, Frank Baumann köpft den Ball trotzdem über die Linie. Der vorentscheidende Treffer zum 3:1 für Werder, durch welchen die Bremer ins UEFA-Cup-Finale einziehen. Auch das 2:3 in der Schlussminute hilft dem HSV nicht mehr. "Das Papier stand doch im Abseits", protestieren einige HSV-Fans nach der Partie und wollten es nicht glauben, dass ihr Verein wegen eines Stück Papiers aus dem Europapokal ausgeschieden ist. Auch die vage Hamburger Fan-Hoffnung, die Aktion der Papierkugel könnte nachträglich noch als Foul gewertet werden, ist schnell begraben. "Sie hat den Ball gespielt", muss ein HSV-Fan per Forumseintrag zugeben. Über Sat.1-Moderator Oliver Welke findet die Papierkugel später den Weg in die Hände von Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs und von dort aus ins WUSEUM. Drei Tage später machen die Bremer auch den dritten Sieg (1:0) im Derby-Quartett der Saison 2008/09 perfekt. Dieses Mal in der Bundesliga.

Kantersieg und Endspiel um das Königsklassen-Ticket

Auch 2005/06 war der Volkspark ein gutes Pflaster für die Kicker von der Weser. Am letzten Spieltag der Bundesliga entscheidet ausgerechnet das Nordderby über die direkte Qualifikation zur Champions League. Und die Bremer lassen sich die Chance nicht nehmen. Miroslav Klose und Ivan Klasnic machen den 2:1-Auswärtssieg perfekt und lösen Werders Ticket zur Königsklasse.

Ähnlich groß wie in jener Saison war der Jubel der grün-weißen Anhängerschaft in der Meisterschaftssaison 2003/04, als die Bremer durch Tore Barbarez (Eigentor), Ismael, Klasnic, Ailton, Valdez und Skripnik, der per Elfmeter den Schlusspunkt setzt, den HSV mit 6:0 aus dem eigenen Stadion schießen. Wenige Wochen später streckt Frank Baumann im Weser-Stadion die Meisterschale in die Höhe. Seit jener Spielzeit verloren die Bremer übrigens nur drei der insgesamt 19 Duelle gegen die Elb-Städter, neun Mal behielt die Schaaf-Elf die Oberhand.

Aber auch die HSVer haben in der langen Derbygeschichte natürlich ihre Erfolgserlebnisse. Die großen Jubelmomente liegen dabei allerdings etwas länger zurück. In der Saison 1976/77 feiern die Hamburger das bis heute torreichste Aufeinandertreffen. Vor 18.000 Zuschauern im Volkspark gewinnen die Gastgeber mit 5:3 über die Werderaner. In ihrer Meistersaison 1981/82 gewinnen die Hamburger mit 5:0 durch Tore von Magath, Bastrup und Hrubesch (3) und werden am Ende vor dem 1.FC Köln Deutscher Meister. In der darauffolgenden Spielzeit wiederholen die Hamburger ihren Titelgewinn, dieses Mal punktgleich mit den Bremern. Nur das um acht Tore bessere Trefferkonto der Mannschaft aus dem Volkspark gibt am Ende den Ausschlag in Sachen Meisterschale. Der jüngste Hamburger Kantersieg resultiert aus den 90ern. Am 06.10.1994 gewinnt der HSV mit 4:1 an der Weser (Tore: Bestchastnykh - Letchkov, Barbarez, Zarate, Wiedener per Eigentor).

So soll es am Wochenende aus Bremer Sicht natürlich wünschenswerterweise nicht laufen. Ein Auswärtssieg indes wäre der Elf von Thomas Schaaf schon recht. Eine neue interessante Derby-Geschichte auch. Es muss ja nicht unbedingt wieder eine Papierkugel mit von der Partie sein.