Werder-Almanach 2010 - V bis X : 40 Tage und 40 Nächte

Ohrenbetäubende Fanfaren: Die Vuvuzelas bestimmten während der Spiele der WM 2010 die Geräuschkulisse im Stadion.
Profis
Sonntag, 02.01.2011 // 18:45 Uhr

Jene ohrenbetäubenden Fanfaren aus den Mündungen der Vuvuzelas spalteten im Sommer 2010 die Fußball-Welt. Die einen begeisterten- oder arrangierten sich zumindest mit dem „Soundtrack dieser WM" in Südafrika, die anderen erlebten ...

Zwölf Monate sind wie im Flug vergangen. Höhen und Tiefen, Jubel und Enttäuschung, Abschiede und Rückkehrer. 2010 - wieder ein Jahr mit schönen Momenten und einem besonderen Jubiläum. Nicht leicht, dabei den Überblick zu behalten. Deswegen bietet WERDER.DE zum Jahresende einmal mehr den grün-weißen Almanach an. Werder 2010 von A bis Z, zum Erinnern und Schmunzeln. Heute: Teil 8 - V bis X:

V - Vuvuzela, die:

Jene ohrenbetäubenden Fanfaren aus den Mündungen der Vuvuzelas spalteten im Sommer 2010 die Fußball-Welt. Die einen begeisterten- oder arrangierten sich zumindest mit dem „Soundtrack dieser WM" in Südafrika, die anderen erlebten nur „Tage des Lärms". Zwei SPIEGEL-Korrespondenten schilderten detailliert ihre erste Begegnung: „Wie ein riesiger wildgewordener Hornissenschwarm klangen die 30 bis 50 Zentimeter langen Fan-Trompeten. Ob Torschuss, Eckball oder Ballgewinn: Bei jeder gelungenen Aktion der Südafrikaner schwoll der ohnehin schon hohe Schallpegel weiter an. Kilometerweit war das Brummen aus dem Soccer City Stadium zu hören, einige Zuschauer trugen vorsorglich Ohrenschützer - in Landesfarben." Die Spieler des so jungen DFB-Teams (Altersdurchschnitt 25 Jahre) jedenfalls taten das einzig richtige - sie verständigten sich auf dem Feld per Zeichensprache und richtete ihren Fokus vollkommen auf ihre Hauptaufgabe. Dies gelang ihnen durch teilweise grandiose Darbietungen sogar derart fulminant, dass sie Abermillionen von Fans in ihren Bann zogen. In den KO-Runden faszinierte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw gegen England (4:1) und Argentinien (4:0). Am Ende glänzte die Bronzemedaille am Hals, da der spätere Weltmeister Spanien im Halbfinale nicht zu knacken war. Einen gewichtigen Anteil an diesem nicht unbedingt zu erwartenden Ausgang besaßen auch vier Profis von Werder Bremen. Innenverteidiger Per Mertesacker verpasste keine einzige Minute, Mesut Özil zauberte in zentraler Offensive, Joker Marko Marin sorgte für Gefahr auf dem Flügel und Tim Wiese beeindruckte - trotz der bitteren Pille, ‚nur‘ zweiter Torhüter gewesen zu sein - als überragend selbstloser Teamplayer. Nicht ganz so erfolgreich endete das Turnier leider für Daniel Jensen (Verletzungsbedingt nur ein Einsatz) Dänen (Vorrunden-Aus) als auch für Hugo Almeida (Zwei Einsätze, ein Tor) und seine Portugiesen (0:1-Achtelfinal-Niederlage - ebenfalls gegen Spanien).

W - Wohnstube, die:

Der Spielertrakt aus Spielerumkleide, Trainerbereich, medizinischer Abteilung, den Fitness- oder Entspannungsräumen zählt zum intimsten, sensibelsten und wichtigsten Bereich einer jeden Fußballmannschaft samt ihres Trainerstabs und Funktionsteams. Dementsprechend groß war die Freude bei den Werder-Profis, da die Monate im Provisorium seit kurzem endlich zur Vergangenheit zählen. Damals, nach dem letzten Bundesliga-Heimspiel 2009/10 im Mai, mussten die Grün-Weißen aufgrund des Komplett-Neubaus der Ostkurve mit Sack und Pack zur Zwischenmiete in die Leichtathletikhalle des Weser-Stadions ausweichen. Kurz vor Beginn der Arbeiten verdeutlichte Manfred Müller, der Aufsichtsratsvorsitzende der Stadion GmbH und ehemalige Werder-Geschäftsführer, im Weser-Kurier die Notwendigkeit: „Das alles wurde 1996 gebaut. Für die damalige Zeit war das toll, aber die Zeiten haben sich eben geändert." Und der Aufwand und das Warten haben sich mehr als gelohnt. Der Wohlfühlfaktor in der neuen ‚Wohnstube‘ erreicht bislang ungekannte Höhen. „Die Kabine ist viel moderner eingerichtet, alles ist viel größer. Sie ist wirklich super", sagte Torwart Tim Wiese.

X - XL (Römische Zahl 40):

Am Anfang geht es sich stets noch ganz wohlig an. Das war auch in diesem Jahr, am 5. Juli, zum Trainingsstart nicht anders. Die zur Verfügung stehenden Urlaubswochen verflogen in Windeseile, schon wartete das Wiedersehen mit den Teamkollegen. Kurze Plaudereien über die Ferien, Anprobe des neuen Trainingsequipments, die ersten Neuzugänge stellten sich kurz vor, anschließend absolvierten die Grün-Weißen den obligatorischen Laktattest. Alles noch unbeschwert, alles noch im Rahmen. Noch. Jener 5. Juli bildete nur den ersten, zudem einen der angenehmsten von diesmal genau 40 Tagen Saisonvorbereitung. Denn am Horizont zeichneten sich bereits die finsteren Umrisse einer allseits berüchtigten Insel ab. Die alteingesessenen Akteure wissen seit jeher bestens Bescheid, dass von den freundlichen Minen des Auftaktes alsbald nur blasse Schleier der Erinnerung bleiben. Oftmals schon, wenn die Fähre nach Norderney übersetzt, spätestens wenn es in der Morgendämmerung zum ersten Strandlauf geht, allerspätestens nach der vierten Einheit eines Tages. Tage der Grundlagenarbeit, Tage der Kondition, Tage der Kraftausdauer, Tage des Feinschliffs, 40 Tage und auch Nächte, die durchaus wehtun und in denen der innere Schweinehund mehrfach und in kurz aufeinander folgenden Intervallen als sonst im Jahr bezwungen werden musst. „Jede Phase der Vorbereitung ist wichtig", unterstrich Cheftrainer Thomas Schaaf. Nach Norderney folgten diesmal sogar zwei weitere Trainingslager in Donaueschingen und im österreichischen Bad Waltersdorf. „Wir haben in diesem Jahr durch die WM eine lange Sommerpause und eine lange Vorbereitungsphase. Zudem haben wir durch den Stadionumbau erschwerte Bedingungen in Bremen. Deshalb bietet sich diese Lösung mit den Trainingslagern an", erklärte Geschäftsführer Klaus Allofs. Und die Praxisübungen? Zufriedenstellende sieben Siege in acht Partien, unter anderem gegen den SC Freiburg und Racing Santander, standen da zu Buche. Nur die zweite Halbzeit des neunten und letzten Tests schmerzte, wodurch die 1:0-Pausenführung in Fulham noch zu einem 1:5 entglitt.