Werder-Almanach 2010 - D bis F: 'Bei wem sonst - als Thomas Schaaf?'

Profis
Donnerstag, 23.12.2010 // 15:04 Uhr

Zwölf Monate sind wie im Flug vergangen. Höhen und Tiefen, Jubel und Enttäuschung, Abschiede und Rückkehrer. 2010 - wieder ein Jahr mit viele schönen Momenten und einem besonderen Jubiläum...

Zwölf Monate sind wie im Flug vergangen. Höhen und Tiefen, Jubel und Enttäuschung, Abschiede und Rückkehrer. 2010 - wieder ein Jahr mit viele schönen Momenten und einem besonderen Jubiläum. Nicht leicht, dabei den Überblick zu behalten. Deswegen bietet WERDER.DE zum Jahresende einmal mehr den grün-weißen Almanach an. Werder 2010 von A bis Z, zum Erinnern und Schmunzeln. Heute: Teil 2 - D bis F:

D - Dreihundert

Es steht außer Frage, dass Werders Kapitän Torsten Frings sowohl den athletischen Körperbau, die unbezwingbare Willenskraft als auch das furchteinflößende Antlitz besitzt, womit die Filmrolle des König Leonidas in der Hollywood-Produktion „300" glaubhaft hätte ausgefüllt werden können. Ihm wäre dabei die verantwortungsvolle Aufgabe zuteil geworden, jene 300 Spartiaten anzuleiten, die sich - warum auch immer - märtyrerhaft der zahlenmäßigen persischen Überüberübermacht bei den Termophylen entgegenstellten. Glücklicherweise rückte er eine Leinwand-Karriere nie in seine Zukunftsperspektive. Stattdessen gab Frings frühzeitig alles dafür, um den Traum vom Profi-Fußball zu realisieren. Am 15. Februar 1997 feierte der kurz zuvor vom Regionalligisten Alemannia Aachen verpflichtete 20-jährige Jungspund sein Bundesliga-Debüt. Der SC Freiburg gastierte im Weser-Stadion. Nur fünf Jahre später zählte das Fachmagazin ‚kicker‘ den Mittelfeldantreiber bereits „zum Besten, was die Liga zu bieten hat." Zu gleicher Zeit verließ er Bremen, machte Station in Dortmund und beim FC Bayern, um 2005 in die fußballerische Wahlheimat zurückzukehren. Über 13 Jahre und sieben Monate nach der Premiere lief Frings am 25. September 2010 gegen den HSV das insgesamt 300. Mal für Werder Bremen in der Bundesliga auf. Die Verantwortungsbereiche als Kapitän und Leitwolf sind denen von König Leonidas in gewisser Weise gar nicht so unähnlich.

E - Etappen

Nur 90 attraktionsreiche Minuten benötigte Neuzugang Marko Arnautovic bei seinem Startelf-Debüt, um das Publikum im Weser-Stadion vollends in Verzückung zu versetzen. Ein in der Offensive genüsslich anzusehender 4:2-Heimsieg Ende August gegen den 1. FC Köln war herausgesprungen. Arnautovic trug zwei Tore - ein verwandelter Kopfball und ein schneidiger Linksschuss ins rechte Eck - sowie die hervorstechende Vorlage zu Hugo Almeidas Treffer zum überzeugenden Gelingen bei. „Marko hat heute viel von dem gezeigt, was wir uns vorstellen. Ein tolle Partie", würdigte Cheftrainer Thomas Schaaf. Einen „Eindrucksvollen Etappensieg" in der persönlichen Weiterentwicklung sah gleichsam werder.de. Explosiver Antritt mit und ohne Ball am Fuß, körperliche Wucht, technische Fertigkeiten - rein fußballerisch vereint der erst 21-jährige Österreicher großartige Potentiale auf seltenem Können. Allerdings sind weiterhin einige Etappen in der persönlichen Entwicklung zu bewältigen, unter anderem fehlt noch die Konstanz in den Leistungen. Werder-Legende und Arnautovic-Förderer Andreas Herzog jedenfalls hob im Herbst gegenüber www.11freunde.de hervor: „Ich habe zu ihm gesagt: ‚Pass auf, wenn du es unter Thomas Schaaf bei Werder nicht schaffst, dann wird es für dich in Zukunft ganz, ganz schwer werden - trotz deines außergewöhnlichen Potentials. Für mich ist sein Wechsel zu Werder die ideale Lösung. Für sein Alter und seine Entwicklungsstufe ist er dort sicherlich am besten aufgehoben." Es liegt an Marko Arnautovic, den eingeschlagenen Weg zur Kontinuität weiterhin zu gehen.

F - Fluglotsen

Beinah vier Wochen dauerte die Sommer-Vorbereitung schon, als am 2. August auch die letzten drei WM-Fahrer des Werder-Teams wieder zur Mannschaft stießen. Die machte mittlerweile Station im österreichischen Bad Waltersdorf, den Ort des dritten Trainingslagers. Der von dort aus extra entsandte, dreiköpfige Shuttleservice sollte die Verbliebenen am Airport Graz in Empfang nehmen. Mit rund 40-minütiger Verspätung aufgrund eines kleinen Unwetters nahe Linz näherte sich die Lufthansa-Maschine LH-3632 dem Ziel und setzte um Punkt 14.17 Uhr auf dem Rollfeld auf - mehr oder minder fachmännisch angeleitet von den Mitgliedern des Werder-Betreuerstabs. Denn die hatten den Besucherbalkon des Flughafens kurzerhand in eine Koordinations-Rampe umfunktioniert. Eiligst aufgeblasene, grüne Luftballons „dienten" dem Flugzeug als Einweiser-Kellen. Der Tower blieb den „Fluglotsen" in spe erfreulicherweise verschlossen. Zur besseren Orientierung der kleinen grün-weißen Reisegruppe hielt ein Teil des Komitees im Empfangsterminal dann eine liebevoll improvisierte Pappe in die Höhe, auf der mit Filzstift die Namen drei sehnlichst Erwarteten notiert waren: „Mr. Mertesacker, Mr. Özil, Mr. Wiese". Die drei deutschen Nationalspieler, die am frühen Morgen im wolkenverhangenen Bremen aufgebrochen waren, zeigten sich äußerst angetan vom liebevollen Empfang. Dennoch richtete Per Mertesacker seinen Blick direkt auf das Anstehende: „Das ist für uns drei kein Neustart. Jeder hat seinen Trainingsplan durchgezogen und den Rest werden wir auch durch die Spielpraxis in den kommenden Wochen aufholen."