Das Ende der Ära Frings - Hintergründe

Haben ein besonderes Verhältnis nach den vielen Jahren gemeinsamer Arbeit: Cheftrainer Thomas Schaaf und sein Kapitän.
Profis
Dienstag, 17.05.2011 // 15:32 Uhr

Die sportliche Leitung von Werder Bremen gab am Dienstag bekannt, dass Werders Mannschaftskapitän Torsten Frings im kommenden Jahr nicht mehr zum Kader der Grün-Weißen gehören wird. Ausführlich stellten sich Cheftrainer Thomas Schaaf und Geschäftsführer Klaus Allofs in einer 45-minütigen Pressekonferenz den Fragen rund um diese Personalentscheidung. WERDER.TV sendet die komplette Pressekonferenz, WERDER.DE hat die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

Über die Entscheidungsfindung gemeinsam mit Torsten Frings:

Thomas Schaaf: "Torsten Frings hat bei Werder viele Jahre hervorragende Arbeit geleistet. Aber im letzten halben Jahr haben wir gemerkt, dass er immer wieder Zweifel hatte, dass da eine Unsicherheit in seinen Gedanken war, dass er hin und hergerissen war, wie es weitergehen soll. Wir waren immer wieder in Diskussionen, haben über seine Planungen gesprochen. Als er dann erstmals von Rücktritt sprach, war das in einer sportlich schweren Situation, alles war sehr emotional. Wir haben ihm gesagt, überlege diesen Schritt genau, plane den Übergang. Wir haben Zeit, mache nicht Überstürztes. Die Entscheidung sollte in Ruhe fallen und abgewogen sein."

Klaus Allofs: "Es sind viele Gespräche gewesen, die zu unserer Entscheidung geführt haben. Wir waren im Frühjahr überrascht, als er vom Karriere-Ende sprach, weil wir wussten, dass er noch hin- und hergerissen war. Jetzt haben wir eine Entscheidung treffen müssen, ob sie schmerzlich ist oder nicht. Es war eine rationale Entscheidung mit sehr vielen Emotionen. Aber es wird von uns verlangt, Entscheidungen zu treffen. Wir müssen an erster Stelle die Bedürfnisse Werders berücksichtigen."

Über ein mögliches Karriere-Ende von Torsten Frings:

Thomas Schaaf:
"Wenn sich die Karriere dem Ende nähert, dann ist die Entscheidung, wann man gehen sollte sehr schwer. Man ist hin- und hergerissen. Ich hoffe, er findet den besten Zeitpunkt, um seine aktive Zeit positiv zu beenden. Er hat eine gute Spielzeit abgeliefert, er kann mit seinen Leistungen zufrieden sein. Auch wenn es traurig ist, muss klar sein, dass man seine Karriere nicht unendlich fortsetzen kann."

Über ein Abschiedsspiel für Torsten Frings:

Klaus Allofs:
"Wie wir Torsten verabschieden, hängt von seinen weiteren Plänen ab. Aber es gibt die Idee, ihn anlässlich des Eröffnungsspiels für das Weser-Stadion, das für Anfang August geplant ist, zu verabschieden. Dort könnte Torsten auch dann teilnehmen, wenn er bei einem anderen Klub weiterspielt."

Über den Zeitpunkt der Entscheidung:

Klaus Allofs:
"Wir wollten in der schwierigen sportlichen Situation der letzten Wochen keine weiteren Turbulenzen heraufbeschwören. Der Ablauf in den letzten Tagen ist aber klar mit Torsten abgesprochen worden. Wir haben ihm die Entscheidung in der vergangenen Woche mitgeteilt. Es war sein Wunsch, erst in dieser Woche, diesen Schritt zu veröffentlichen. Es war auch sein Wunsch, nicht an der Pressekonferenz teilzunehmen. Wir hätten ihn gerne hier auf dem Podium gehabt.

Über den Umbruch in der Mannschaft:

Klaus Allofs: "Wir mussten bei der Entscheidung natürlich die gesamte finanzielle Situation berücksichtigen, als auch die künftige sportliche Entwicklung des Teams. So wie die Saison gelaufen ist, sind wir an einem Punkt angekommen, an dem es gilt, die Weichen neu zu stellen. Wir waren auch in der Vergangenheit immer wieder an solchen Punkten, man kann sie Umbruch nennen oder Neustart. Und das war immer verbunden mit dem Abgang großer Spieler. Ob es ein Andi Herzog war, ein Dieter Eilts, ein Marco Bode, ein Frank Verlaat oder ein Johan Micoud. Das waren immer Situationen, wo wir bewusst entscheiden mussten, ob wir etwas Neues beginnen. Wir sind nun der Auffassung, dass jetzt der Punkt gekommen ist, wieder so einen Wechsel zu stemmen."

Thomas Schaaf: "Wir müssen schauen, dass wir den Neuaufbau jetzt tätigen, dass wir eine Veränderung vorantreiben. Wir wollen ein Team aufbauen, das den Weg in die Zukunft nimmt, den wir uns alle vorstellen."


Über die Reaktion von Torsten Frings:

Klaus Allofs: "Torsten ist ein sehr ehrgeiziger Spieler. Ich glaube schon, dass er enttäuscht ist und das kann ich nachvollziehen. Aber wir haben auch gesehen, dass er sich im letzten halben Jahr nicht sicher war, dass er seine Meinung geändert hat. Ich kann aber auch allen sagen, dass eine weitere Frage der Zusammenarbeit, keine Frage des Geldes war. Es hat kein Vertragsangebot unserer Seite gegeben. Torsten darf nicht als Abzocker hingestellt werden."


Über das Angebot, die Trainerausbildung bei Werder durchzuführen

Thomas Schaaf: "Ich glaube, er wäre ein guter Trainer, weil er den Kontakt zu den Spielern braucht, weil er auf dem Platz stehen will und viele Dinge weitergeben kann. Es schadet aber nicht, für den Trainerjob, möglichst viele Erfahrungen zu sammeln, Mannschaften selbst zu führen, durch verschiedene Jahrgänge zu gehen und den Amateursport und den Profifußball kennenzulernen. Man unterschätzt manchmal auch, was da alles dran hängt. Theorie, Systematik, Pädagogik. Das ist ihm bewusst. Ich denke, dass er vom Typ her gute Voraussetzungen hat und bereit ist, das umzusetzen."