"Schon immer eine eigene Marke"

Thomas Schaaf im Interview

Thomas Schaaf setzt sich mit allen Teams im WERDER Leistungszentrum auseinander (Foto: WERDER.DE).
Junioren
Donnerstag, 20.12.2018 // 12:11 Uhr

Das Interview führte Marcel Kuhnt

Spielidee, Grundordnung, Ausbildungsphilosophie – alles Dinge, die beim SV Werder und auch im WERDER Leistungszentrum einer stetigen Weiterentwicklung unterworfen ist. Seit seiner Rückkehr im Sommer als Technischer Direktor gestaltet auch Thomas Schaaf wieder diese Bestandteile der Werder-DNA mit. „Wir müssen danach streben, dass unsere Art und Weise Fußball zu spielen, klar erkennbar ist“, sagt der 57-Jährige gegenüber WERDER.DE. Im großen Interview blickt Thomas Schaaf auf die ersten Monate nach seiner Rückkehr zurück, spricht über die Philosophie der Grün-Weißen und die Zusammenarbeit mit Cheftrainer Florian Kohfeldt:

WERDER.DE: Thomas, bald bist du ein halbes Jahr zurück beim SV Werder. Wie waren die ersten Monate für dich?

Thomas Schaaf: „Die Zeit ist wie im Flug vergangen, was auch daran lag, dass die ersten Monate sehr intensiv waren. Ich habe viele Teams und Spieler neu kennengelernt. Zwar verfolgte ich schon vor meiner Rückkehr die Mannschaften, doch die Spieler lernt man erst richtig kennen, wenn man sich täglich mit ihnen auseinandersetzt. Zudem war der Wiedereinstieg im WERDER Leistungszentrum aufregend. Wir haben einen ständigen Austausch auf allen Ebenen. Daher blicke ich mit viel Vorfreude auf die kommende Zeit.“

WERDER.DE: Hast du dich eigentlich schon daran gewöhnt, dass du jetzt viel am Schreibtisch arbeitest?

Thomas Schaaf: „Es ist nicht so, dass es komplett neu für mich ist. Als Trainer war ich ja auch nicht nur auf dem Trainingsplatz. Als Technischer Direktor will ich mir diesen Mix beibehalten.“

Gemeinsam weiterentwickeln: Frank Baumann, Björn Schierenbeck und Thomas Schaaf beim U23-Spiel (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Wenn du auf den Plätzen unterwegs bist, siehst du sehr viele Mannschaften und Spieler. Konntest du schon jeden kennenlernen?

Thomas Schaaf: „Mittlerweile konnte ich von der U23 bis zur U15 einen guten Einblick gewinnen. Natürlich ist es schwierig alle Teams und Spieler gleichermaßen zu verfolgen, aber für einen Überblick reicht es aus.“

WERDER.DE: Liegt der Fokus auf den genannten Teams?

Thomas Schaaf: „Es geht um den gesamten Bereich, den wir im WERDER Leistungszentrum begleiten.“

WERDER.DE: Gibt es Unterschiede innerhalb der Altersklassen, wenn man die Spieler betrachtet?

Thomas Schaaf: „Bei Spielern, die gerade auf dem Sprung vom Nachwuchs- in den Profibereich sind, geht es darum, dass wir den Übergang so gut wie möglich vorbereiten. Bei einem U13-Akteur zum Beispiel geht es mehr um die langfristige Entwicklung über mehrere Jahre. Wir wollen unseren Talenten eine optimale sportliche Entwicklung bieten. Dafür sind Gespräche und die Zusammenarbeit mit unseren sportlichen Leitern Thomas Wolter, Heiko Flottmann und Thorsten Bolder sowie Direktor Björn Schierenbeck sehr wichtig, damit wir alle einen Überblick für jede Altersstufe haben.“ 

WERDER.DE: Du blickst aber nicht nur auf die Entwicklung unserer Spieler, oder?

Thomas Schaaf: „Meine Aufgabe ist es auch mit unseren Trainern zu arbeiten und sie zu unterstützen. Deshalb waren meine letzten Monate auch davon geprägt, dass ich die Teams zu Spielen begleitet habe, um viele unterschiedliche Eindrücke zu gewinnen. Auch vom Verhalten der handelnden Personen rund ums Team. Diese Eindrücke galt es aufzunehmen und sich im Anschluss damit auseinanderzusetzen. Entscheidend ist, dass wir dafür sorgen, dass wir bei der Ausbildung des einzelnen Talents optimal aufgestellt sind. Deshalb achte ich darauf, was auf dem Platz passiert und ob das, was wir umsetzen wollen, umgesetzt wird.“

Werder Bremen besitzt über viele Jahre eine Philosophie.
Thomas Schaaf

WERDER.DE: Was soll zum Beispiel auf dem Platz umgesetzt werden?

Thomas Schaaf: „Werder Bremen hat schon immer eine eigene Marke besäßen, wenn es um die fußballerische Ausrichtung und Spielphilosophie ging. Bei dem, was wir sehen wollen, geht es darum diese zu stärken, sie hervorzuheben und eine klare Identifikation zu schaffen. Wir müssen danach streben, dass unsere Art und Weise Fußball zu spielen, klar erkennbar ist.“

WERDER.DE: Ist die Spielphilosophie auch an ein System gebunden?

Thomas Schaaf: „Ich finde, dass man es sich im Fußball immer sehr einfach macht, wenn man eine Philosophie mit einem System verknüpft. Das eine Team spielt 4-3-3, ein anderer Verein läuft im 4-4-2 auf. Etwas zu benennen ist das eine, doch damit drücke ich zu wenig aus. Die Formation ist nur eine Grundordnung. Ein Rahmen, in dem sich die Spieler bewegen. Viel wichtiger ist, welche Abläufe und Aktionen die Spieler in diesem Rahmen ausüben. Wird die Idee, die ich vermitteln will, richtig umgesetzt, interpretieren die Spieler ihre Aufgabe auf dem Feld korrekt oder passt die grundsätzliche Ausrichtung zu dem Fußball, den wir als Verein spielen wollen. Darauf kommt es an. Und dies den Spielern und Trainern zu vermitteln, ist ein spannender Prozess, bei dem ich gerne beteiligt bin.“

Cheftranier Florian Kohfeldt und Thomas Schaaf tauschen sich ebenfalls aus (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Sind Vereine wie Ajax Amsterdam oder der FC Barcelona, bei denen eine klare Spielphilosophie erkennbar ist, daher Vorbilder? 

Thomas Schaaf: „Natürlich stehen diese Klubs für eine besondere Marke, einen Wert oder eine Idee Fußball zu spielen. Auch Werder Bremen besitzt wie bereits erwähnt über viele Jahre eine Philosophie. Manchmal kam es mehr, manchmal weniger zum Tragen. In meiner Arbeit geht es letztendlich darum, die eingeschlagene Ausrichtung zu festigen. Unsere Fußballidee, egal auf welche Weise man sie interpretiert, soll sich in jeder Mannschaften wiederfinden.“

WERDER.DE: Gab es denn bei der Vielzahl der Spiele, die du gesehen hast, das eine, wo diese Idee besonders deutlich wurde?

Thomas Schaaf: „Die Umsetzung unserer Philosophie findet man bei allen Teams immer wieder. Noch ist es aber nicht immer konstant.“

WERDER.DE: Bei der Stärkung der Spielphilosophie wird auch Cheftrainer Florian Kohfeldt enorm wichtig sein, oder?

Thomas Schaaf: „Ich denke für jeden Einzelnen bei uns ist es sehr wertvoll, wenn sich der Cheftrainer der Profi-Abteilung für die Belange der Nachwuchsabteilung interessiert. Florian Kohfeldt sucht stets den Austausch und möchte Einblicke in die tägliche Arbeit des WERDER Leistungszentrums haben. Für uns ist es insofern wichtig, dass wir wissen, welche Inhalte in der Bundesliga-Mannschaft verlangt werden. Somit ist eine optimale Vorbereitung der Talente, auf das was sie später leisten müssen, gewährleistet.“

WERDER.DE: Eine ähnliche Vorgehensweise, die du damals hattest…

Thomas Schaaf: „Jeder Trainer ist verschieden und sieht seine Position in einem Verein anders. Ich freue mich darüber, dass Florian einen vergleichbaren Gedanke hat wie ich damals.“

 

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