Junger Schwede lässt Gegner alt aussehen

Tobias Schwede trifft mit Werders U 19 am Sonntag auf den VfL Wolfsburg.
Junioren
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

"Alter Schwede!" Auch wenn seine Ballkünste schon so manchen Anhänger der U 19 von Werder Bremen zu diesem Ausruf verleitet haben, "alt" ist Mittelfeldspieler Tobias Schwede ganz und gar nicht. Der 18-jährige Linksfuß wirbelt vielmehr als junger Schwede durchs Mittelfeld der Bremer A-Junioren und lässt allenfalls seine Gegenspieler alt aussehen...

"Alter Schwede!" Auch wenn seine Ballkünste schon so manchen Anhänger der U 19 von Werder Bremen zu diesem Ausruf verleitet haben, "alt" ist Mittelfeldspieler Tobias Schwede ganz und gar nicht. Der 18-jährige Linksfuß wirbelt vielmehr als junger Schwede durchs Mittelfeld der Bremer A-Junioren und lässt allenfalls seine Gegenspieler alt aussehen.

"Die Redewendung mit dem alten Schweden musste ich mir schon sehr oft anhören", erzählt der spielstarke Offensivspieler im Gespräch mit DFB.de. "Ich lächle dann nur noch kurz und denke mir: Kenne ich schon, ist nicht mehr lustig."

Tobias Schwede - der selbst übrigens noch nie im größten Land von Skandinavien war - macht seit dieser Saison nicht nur durch seine hervorragende Technik auf sich aufmerksam. "Neuerdings bin ich auch ziemlich torgefährlich." Das will er auch am Sonntag (ab 12 Uhr) im "Gipfeltreffen" der Bundesliga mit Spitzenreiter VfL Wolfsburg unter Beweis stellen.

In dieser Saison den Torriecher entdeckt

Das Bremer Talent trägt seit dieser Saison in der Tat regelmäßig zur beachtlichen Torbilanz des SV Werder (36 Tore in zwölf Ligapartien) bei. Der offensive Mittelfeldspieler, der in der Vergangenheit eher durch Übersicht und Ballsicherheit als durch seinen Abschluss glänzte, hat zur neuen Saison offenbar seinen Torriecher entdeckt. In den ersten 14 Pflichtspielen der Saison traf Schwede neunmal und damit schon öfter als in den beiden vergangenen Spielzeiten zusammen (sechs Treffer). "Eigentlich habe ich in meinem Spielstil gar nicht großartig verändert. Vielleicht suche ich etwas öfter den Abschluss, aber nicht bewusst."

Grund zur Freude hat Tobias Schwede nicht nur beim Blick auf die Torschützenliste, sondern auch auf die Tabelle der Staffel Nord/Nordost der A-Junioren-Bundesliga. Seit dem ersten Spieltag (1:3 bei Hansa Rostock) hat Werder nicht mehr verloren und ist dem VfL Wolfsburg bei nur zwei Punkten Rückstand dicht auf den Fersen. Die Chancen auf die Teilnahme an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, für die sich die beiden Tabellenersten qualifizieren, stehen für die Mannschaft des erfahrenen Trainers Mirko Votava bei fünf Zählern Vorsprung vor dem drittplatzierten FC Hansa Rostock ausgezeichnet. Mit 36 Toren - einem Schnitt von drei Treffern pro Spiel - glänzt beim SV Werder vor allem die Offensive.

Dank Schwedes Siegtor im Pokal-Viertelfinale

Zwei seiner neun Pflichtspieltreffer erzielte Tobias Schwede im DFB-Junioren-Vereinspokal. In der ersten Runde machte er durch das Tor zum 3:0-Endstand gegen Nürnberg "den Sack zu", im Achtelfinale bei Borussia Dortmund war Schwede einmal mehr der entscheidende Mann. Mit dem 1:0 in der Nachspielzeit ließ er die Bremer jubeln und sicherte damit den Einzug in die Runde der letzten acht Mannschaften, in der es am 10. März zum 1. FC Kaiserslautern (Tabellenführer der Regionalliga Südwest) geht.

Kein Wunder, dass er auch schon das Interesse der Lizenzabteilung auf sich gezogen hat. Bereits im April stand er erstmals im Kader der U 23, wurde in der damaligen Drittligapartie gegen den SV Darmstadt 98 (0:4) aber nicht eingesetzt. "Trotzdem war der ganze Ablauf eines Profi-Spiels eine interessante Erfahrung für mich. Genauso wie das 5:1 im Testspiel mit den Profis während der letzten Länderspielpause gegen den SV Rödinghausen, als ich zur Pause eingewechselt wurde", sagt das Mitglied des Werder-Perspektivkaders.

Enttäuschung beim bisherigen Karriere-Höhepunkt

Eine wichtige, wenn auch enttäuschende Erfahrung war das Finale um die deutsche U 17-Meisterschaft 2011. Nach dem Gewinn der Staffelmeisterschaft im Norden und einem Halbfinaltriumph in einem Elfmeterkrimi gegen den VfB Stuttgart (7:6) stand Werder im Finale gegen den 1. FC Köln und hatte dabei sogar Heimrecht. Dort gelang Tobias Schwede als Einwechselspieler der späte Ausgleichstreffer zum 2:2, in der Verlängerung unterlagen die Bremer aber noch 2:3.

"Wir waren so nah dran und haben es nicht geschafft. Das hat mich lange gewurmt. Trotzdem war das Finale eine wichtige Erfahrung, die ich im Nachhinein gerne mitgenommen habe", so der Mittelfeldspieler, der als Kind immer mit dem Trikot seines brasilianischen Idols Rivaldo gekickt hatte.

Vater Matthias kickte für Nationalelf der Gehörlosen

Die Liebe zum Fußball entdeckte der gebürtige Bremer durch seinen Vater Matthias, der einst mit GSV Bremen Deutscher Gehörlosen-Fußballmeister wurde und mehrfach sogar für die Deutsche Nationalmannschaft der Gehörlosen aktiv war. "Der Ball wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Schon als ich noch ein kleines Kind war hat mein Vater immer mit mir Fußball gespielt. Später hat er mich dann bei unserem Vorortverein Habenhauser FV angemeldet."

Zusammen mit seinem Vater, seiner ebenfalls gehörlosen Mutter Ute und der jüngeren Schwester Miriam (14), die ebenso wie ihr Bruder ohne Beeinträchtigungen des Gehörs auf die Welt kam, wohnt Tobias Schwede unweit des Weserstadions. In seiner Freizeit trifft er sich am liebsten draußen mit seinen Freunden oder spielt Fußball auf der Konsole.

Mit zwölf Jahren wechselte der junge Schwede von seinem Heimatverein zum großen SV Werder und durchlief seitdem alle Juniorenteams des größten Bremer Sportvereins. "Werder ist mein Verein und es ist klasse, bei den Profis mit seinen Vorbildern zu trainieren. Dort weht aber ein ganz anderer Wind, was das Tempo und die Härte angeht."

Der größte Wunsch: Ein Anschlussvertrag bei Werder

Nach der Winterpause dürfte sich entscheiden, wie die Karriere des Offensivspielers weitergeht. "Im Laufe der Rückrunde werden sich die Werder-Offiziellen mit mir zusammensetzen. Mein Wunsch ist natürlich ein Anschlussvertrag bei Werder, um es dann über die U 23 ins Profigeschäft zu schaffen. Nur wenn das nicht klappt, würde ich mich nach Alternativen umsehen", so Schwede, der in seinen Augen noch an seinem schwächeren rechten Fuß und seinem Abschluss aus der Distanz arbeiten kann.

Auch abseits des Fußballs stehen beim frisch gebackenen Abiturienten entscheidende Zeiten an. "Ich habe im Sommer mein Abitur mit einem Zweierschnitt abgeschlossen. Demnächst würde ich gerne ein Studium beginnen. Am liebsten in einem Fach, das in Richtung Sport geht", kündigt Tobias Schwede an.

Zunächst einmal will er aber die Saison möglichst erfolgreich beenden. "Ich will mit Werder unbedingt noch einen Titel holen. Da bieten sich in der Meisterschaft und im Pokal noch zwei Möglichkeiten." Am Sonntag kommt nun Tabellenführer Wolfsburg zur Spitzenpartie an die Weser. "Wir wollen mit einem Sieg an die Spitze", sagt Tobias Schwede voller Zuversicht. "Unsere Stärke ist die Geschlossenheit in der Mannschaft. Wir ziehen immer unser Spiel durch und besinnen uns auf unsere Qualitäten. Wenn das wieder klappt, dann wird es auch für Wolfsburg schwer, uns aufzuhalten."

Quelle: DFB.de