U17: Kölner Traumtor entscheidet Hochspannungsfinale

Enttäuschung pur nach Schlusspfiff! Werders U17 hat das Finale um die Deutsche B-Junioren-Meisterschaft knapp verloren.
Sonntag, 05.06.2011 // 13:16 Uhr

Was für ein Endspiel! Nur ein Traumtor aus 30 Metern des Kölners Lukas Scepanik konnte die U 17-Junioren des SV Werder Bremen am Sonntagmittag in der Verlängerung des Finales um die Deutsche Meisterschaft stoppen. Die Mannschaft ...

Was für ein Endspiel! Nur ein Traumtor aus 30 Metern des Kölners Lukas Scepanik konnte die U 17-Junioren des SV Werder Bremen am Sonntagmittag in der Verlängerung des Finales um die Deutsche Meisterschaft stoppen. Die Mannschaft von Trainer Viktor Skripnik unterlag nach einem hoch dramatischen Endspiel mit 2:3 n.V. auf Platz 11 am Weser-Stadion.

Die Partie begann schon mit einem Paukenschlag aus Sicht der Grün-Weißen. Nach dem ersten Abtasten bekam Aycicek die Kugel an der Kölner Strafraumgrenze, legte ihn sich kurz vor und zog trocken mit links ins rechte untere Ecke ab. 1:0 nach nur vier Minuten. Riesenjubel auf Platz 11. Doch es reichte nur zu einem kurzen Durchpusten, denn die Domstädter hatten insgesamt den besseren Start. Sie spielten durchdacht nach vorn und hatten bereits in der 8. Minute mit einem Lattenkracher nach einem Schnellhardt-Freistoß eine große Ausgleichs-Chance.

In der 13. Minute brachte der Kölner Druck auch Zählbares. Einen Freistoß von der linken Eckfahne schlug Weiser hart und präzise vor das Tor, wo Frerichs nur noch den Fuß hinhalten musste, um die Kugel über die Linie zu drücken. Doch der Schock war schnell verdaut und das Skripnik-Team kam wieder besser ins Spiel, das den Fans sehenswerten Fußball bot. Die Schlüsselszene der ersten Halbzeit folgte nach 25 Minuten. Ein Werder-Freistoß aus zentraler Position an der Strafraumgrenze wird von der FC-Abwehr abgefälscht, Keeper Mesenhöhler rettete zwar gerade noch, konnte den Ball aber nicht festhalten, der erste Nachschuss aus fünf Metern landete am Pfosten, der zweite über dem Tor.

Die 2.150 Zuschauer hatten sich von diesem Schreck kaum erholt, da fiel auf der Gegenseite der Treffer für den FC nach einem Blackout der Werder-Defensive. Eine harmlose Flanke konnten die Grün-Weißen überraschend nicht kontrollieren, FC-Kapitän Weiser bekam die Kugel an der Grundlinie, legt quer in den Rückraum, wo sich der völlig alleingelassene la Monica aus acht Metern die Ecke aussuchen konnte und einschoss (27.). Die Kölner lauerten danach auf Konter und blieben insgesamt das bessere Team. Werder hatte zwar durch einen Röcker-Schuss aus spitzem Winkel noch eine Ausgleichschance, kam aber bis zum Halbzeitpfiff nicht wieder richtig in die Gänge. Werder-Keeper Frerichs hielt seine Teamkollegen mit starken Aktionen, unter anderem gegen Ban (30.), weiter im Rennen.

Nach dem Pausenpfiff kamen dann wieder ganz andere Bremer aus der Kabine. Mit deutlich mehr Klarheit in den Aktionen gelang es ihnen, die Kölner, die den Spielstand verwalten wollten und nur auf Konter warteten, dauerhaft unter Druck zu setzen. Doch die ganz großen Torchancen folgten nicht. Stattdessen trafen die Rheinländer noch einmal per Budimbu-Kopfball die Latte (56.). Dann endlich die Belohnung für das starke Comeback der Werderaner. Almpanis setzte sich auf Linksaußen gegen seinen Abwehrspieler klasse durch und konnte gerade noch vor der Grundlinie in die Zentrale zurücklegen, wo der kurz zuvor eingewechselte Schwede herangebraust war und die Kugel zum 2:2 (69.) über die Linie drosch. Jetzt stand Platz 11 Kopf und diesmal die Kölner Gäste unter Schock. Werder nutzte die Phase und drückte auf die Entscheidung. Minuten vor dem Ende hatten sie sie dann auch auf dem Fuß. Aycicek spielte zwei Domstädter schwindlig, flankte auf den verwaisten langen Pfosten, wo Ruf zu viel Zeit hatte und am leeren Tor vorbeiköpfte (74.). Kurz vor dem Ende wirkten beide Teams ausgelaugt. Die Hitzeschlacht forderte ihren Tribut. Im Geplänkel vor dem Abpfiff hatten die Kölner noch zwei Konter mit Überzahl zu bieten, spielten diese Chancen aber nicht gut aus. Es blieb beim 2:2 - Verlängerung.

Unter den Augen der beiden Werder-Profis Tim Borowski und Sebastian Boenisch folgte nun die Hitzeschlacht zweiter Teil und sie hatte den Höhepunkt früh zu bieten. Der eingewechselte FC-Kicker Lukas Szepanik trieb den Ball durch das Mittelfeld und zog aus vollem Lauf 30 Meter vor dem Tor ab. Der Ball segelte zum Entsetzen der grün-weißen Fans ins rechte obere Eck zum 3:2 (85.). Werder kämpfte danach aufopferungsvoll gegen die Niederlage an, rannte sich aber gegen die tief stehenden Kölner immer wieder fest. Der Glaube an die erneute Wende verlosch jedoch nie. Noch Sekunden vor dem Abpfiff hielt es auch SVW-Keeper Frerichs bei einer Ecke nicht mehr im Kasten. Doch der Ball fand auch durch die 22 Spieler rund um den Strafraum der Kölner nicht mehr den Weg ins Netz. Der 1. FC Köln holte nach 1990 wieder die Meisterschaft der B-Junioren. Am Ende eine sehr unglückliche Niederlage der Skripnik-Elf, die dennoch eine überragende Saison zum Abschluss brachte.

Werders Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer zog nach Spielende den Hut vor allen Aktiven. „Wer einmal da unten über den Platz gelaufen ist, der weiß, was jeder Spieler heute hier geleistet hat. Am Ende war klar, dass dieses Finale durch eine sehr unglückliche oder eine außergewöhnlich starke Aktion entschieden wird, es kam dann beides zusammen. Glückwunsch an den 1. FC Köln, aber ich denke, beide Vereine können stolz auf diesen Nachwuchs sein. Wir freuen uns schon auf die Zeit mit diesen Jungs in der U 19, wir werden sie fast komplett in den älteren Jahrgang übernehmen. Das war heute ein gutes Signal für die gesamte Talenteförderung bei Werder."

Werder: Frerichs, Busch (52. Kabul), Fröde, Röcker, von Haacke, Plendiskis, Lizius (61. Ruf), Aycicek, Zwerschke, Hilßner (49. Schwede), Schmidt (41. Almpanis)

Köln: Mesenhöler, Engelke, Berg (53. Schäfer), Schell (81. Rolke), Müller, Wiebe, Weiser, Gerhardt, Ban (72. Scepanik), Schnellhardt, la Monica (41. Budimbu)

Tore: 1:0 Aycicek (4.), 1:1 Engelke (13.), 1:2 la Monica (27.), 2:2 Schwede (69.), 2:3 Scepanik (85.)

Stadion Platz 11: 2.150 Zuschauer