Werders Frauen drehen Spiel und stürmen an Tabellenspitze

Die beiden Torschützinnen Cindy König und Jessica Golebiewski klatschen sich nach einem Treffer ab (Foto: Oliver Baumgart).
Frauen
Sonntag, 19.09.2010 // 16:06 Uhr

Nach einem 0:1-Rückstand zur Pause kämpften sich die Werder-Frauen im Spiel gegen den SV Victoria Gersten in der zweiten Halbzeit zurück und gewannen verdient mit 3:1. Die Grün-Weißen feierten damit nicht nur den sechsten Sieg in Folge, sondern kletterten auch erstmals an die Tabellenspitze der 2. Bundesliga Nord. Platz eins teilt sich Werder mit der punkt- und torgleichen Reserve des Hamburger SV – laut Coach Holger Stemmann „eine schöne Momentaufnahme, aber nichts, worauf wir uns ausruhen können“.

 

Dabei hatte die Partie wenig verheißungsvoll begonnen, die Bremerinnen taten sich schwer, ins Spiel zu kommen. So waren es die Gäste, die in Person von Vanessa Rohling die erste gute Torgelegenheit zu verzeichnen hatten. Werder-Torfrau Jennifer Martens war jedoch Zentimeter vor der Gegenspielerin am Ball und verhinderte den ersten Torschuss (5.). In der Folge gab es einige Torszenen auf beiden Seiten, wobei das spielerische Niveau nach wie vor verbesserungswürdig blieb. Die ersten Gelegenheiten für die Grün-Weißen hatten Jessica Golebiewski nach Nahrin Uyars Vorlage (6.) und Maren Wallenhorst nach einer guten Flanke von Lisa-Marie Scholz (12.).

 

Eine Viertelstunde später waren es erneut Wallenhorst (27.) und Golebiewski (28.), die mit Distanzschüssen an Torfrau Oude-Wesselink scheiterten bzw. über das Tor zielten. Die beiden Szenen blieben jedoch die letzten Lebenszeichen der Werderanerinnen in Halbzeit eins. Denn fortan spielten nur noch die Gäste, die zunächst Pech hatten, dass Sarah Sieksmeyers Unterlattenschuss nicht die Torlinie überquerte (30.). Zehn Minuten später ging Victoria Gersten dann aber in Führung. Rohling – Dreh- und Angelpunkt des Offensivspiels der Gäste – flankte von links scharf vor das Werder-Tor, wo Golebiewski am langen Pfosten in den Ball hineinrutschte, das Leder dabei aber unglücklich an Martens vorbei in Richtung des eigenen Kastens bugsierte. Dort stand Britta Kappel vollkommen frei und schob den Ball aus einem Meter problemlos ins leere Tor (40.).

 

Der mit der ersten Hälfte unzufriedene Werder-Trainer Holger Stemmann fand in der Pause offenbar die richtigen Worte, denn sein Team kam deutlich verbessert aus der Kabine und demonstrierte nun mehr mannschaftliche Geschlossenheit. So ließ die erste Gelegenheit nicht lange auf sich warten, doch Wallenhorst zögerte, nachdem sie alleine aufs Oude-Wesselink zugelaufen war, zu lange und kam nicht zum Abschluss (49).

 

Mit der Einwechselung von Alexandra De Nuzzo und Cindy König in der 58. Minute riss Werder das Spiel dann endgültig an sich. Die beiden jungen Spielerinnen waren sofort voll da und brachten viele Impulse ins Bremer Offensivspiel. Chancen gab es nun fast im Zwei-Minuten-Takt, so dass der Ausgleich nur eine Frage der Zeit war. Nach einem Steilpass von Lisa-Marie Scholz auf König, die von rechts in den Strafraum eindrang und den Ball trocken in die linke untere Ecke schob, war es dann so weit, 1:1 (65.).

 

Kurz darauf vergaben die Bremerinnen gleich zwei hochkarätige Torgelegenheiten in einer Minute, doch sowohl Wallenhorst nach Kersting-Flanke, als auch König nach Scholz-Vorlage verzogen knapp (73). Acht Minuten später machten es die Grün-Weißen besser: Cindy König ging einem Ball energisch nach und bedrängte die Gäste-Torfrau am Fünfmeterraum, so dass es zu einem Pressschlag kam. Die Kugel rollte mittig in den Rückraum zurück, wo Golebiewski aus zwölf Metern abzog und das 2:1 für Werder markierte (81.).

 

Nun drängten die Gastgeberinnen auf die Entscheidung und vergaben in Person von König (83.) und Wallenhorst (87.) zwei weitere Großchancen, ehe die eingewechselte Angreiferin ihre tolle Leistung mit dem 3:1 krönte. Die 17-jährige König nahm in der Schlussminute eine Wallenhorst-Flanke stark an und schlug den Ball aus dem Strafraum kompromisslos in die Maschen.

 

„Ich bin sehr froh, dass wir in der zweiten Halbzeit die Kurve bekommen haben. Es waren letztlich erneut unsere Tugenden – der Kampf und das Wir-Gefühl – die uns stark gemacht haben und die heute nötig waren, um den Gegner zu bezwingen“, freute sich Werder-Coach Holger Stemmann über die Einstellung seiner Spielerinnen. Angesprochen auf Doppeltorschützin und „Matchwinnerin“ Cindy König erklärte der Trainer: „Cindy ist voll bei uns angekommen, nachdem sie in der letzten Saison nur sporadisch dabei war. Jetzt geht diese junge Spielerin in ihrer Joker-Rolle voll auf, ist nach ihrer Einwechslung stets sofort auf Betriebstemperatur. Ich bin mir sicher, dass wir noch viel Freude an ihr haben werden.“

 

Christoph Muxfeldt

 

 

Werder Bremen: Martens – Kersting, Schröder, Notthoff, Votava – Golebiewski (85. Haar), Freyhat, Scholz, Hamann (58. De Nuzzo) – Uyar (58. König), Wallenhorst

 

SV Victoria Gersten: Oude-Wesselink – Meiners, Börger, Altevolmer (87. Knese), B. Kappel, Sieksmeyer, Tepe, Sauer (69. Lögering), Rohling, I. Kappel, Schulze (82. Drews)

 

Tore: 0:1 B. Kappel (40.), 1:1 König (65.), 2:1 Golebiewski (81.), 3:1 König (90.)

 

Gelbe Karten: Scholz (Werder)

 

Schiedsrichterin: Sandra Blumenthal (Pritzwalk)

 

Stadion „Platz 12“: 210 Zuschauer