"Zu wenig": 1:5-Derby-Klatsche für Werders Frauen

Doreen Nabwire gehörte in Hamburg noch zu den besseren Werderanerinnen (Foto: Gloth).
Frauen
Mittwoch, 14.04.2010 // 21:39 Uhr

Im Nachholspiel gegen die Zweite Mannschaft des Hamburger SV haben Werder Bremens Zweitliga-Fußballerinnen einen rabenschwarzen Tag erwischt. Beim Tabellennachbarn und direkten Konkurrenten im Abstiegskampf gingen die Grün-Weißen sang- und klanglos mit

1:5 (0:1) unter und kassierten die bislang höchste Saisonniederlage.

 

Gleich zu Beginn ließ HSV-Stürmerin Kathrin Patzke erahnen, dass das am 13. Spieltag abgesagte und auf Mittwoch verlegte Match für die Werder-Frauen unter keinem guten Stern stehen würde. Die Top-Torjägerin der 2. Liga Nord spielte wie entfesselt, nachdem sie am Wochenende aussetzen musste, und lief nach einem Fehler von Saskia Mauckisch schon nach zwei Minuten erstmals alleine aufs Werder-Tor zu, scheiterte aus halblinker Position aber an der gut parierenden Maria Doll.

 

In der Folge erarbeiteten sich die Rothosen ein spielerisches Übergewicht, während die Werderanerinnen mit dem holprigen Platz überhaupt nicht zurecht kamen und fortwährend auf Kurzpassspiel setzten, was zu vielen Ungenauigkeiten und Fehlpässen führte. Zu allem Überfluss war es dann auch noch ein Eigentor von Maren Wallenhorst (17.), das die Gastgeber in Führung gingen ließ. Nachdem die Hamburgerinnen einen Pass von der rechten Seite in den Strafraum spielten, spitzelte Wallenhorst den Ball mit der Innenseite unerreichbar für ihre Torfrau in die lange Ecke.

 

Wer gedacht hatte, dass die Werder-Frauen nach dem Rückstand aufwachen würden, sah sich getäuscht. Die Bremerinnen konnten sich einzig und allein bei ihrer Torhüterin bedanken, dass es „nur“ mit einem Tor Rückstand in die Pause ging. Zweimal war Maria Doll im Eins-gegen-Eins gegen Patzke Siegerin geblieben (28./36), zudem parierte sie einen gefährlichen Distanzsschuss der heute besten HSV-Akteurin (32.).

 

In der Halbzeitpause fand Coach Brüggemann klare Worte und forderte mehr Aggressivität im Zweikampfverhalten sowie mehr Zielstrebigkeit im Spiel nach vorne ein. Doch ihre Worte scheinen kaum Gehör gefunden zu haben. Maria Doll ließ binnen zwei Minuten gleich zwei Bälle quer durch ihren Fünf-Meter-Raum passieren und auch von ihren Vorderleuten war beim 2:0 durch Meiforth (47.) und beim 3:0 durch Patzke (48.) zu wenig zu sehen. Während beim zweiten Tor Eva-Marlen Votava ihrer Gegenspielerin nur Begleitschutz gab und diese den Ball locker einschieben konnte, wurde es der gänzlich ungedeckten Patzke bei ihrem Kopfballtor noch leichter gemacht.

 

Die nach dem frühen Doppelschlag zunächst geschockten Grün-Weißen schienen sich nach ein paar Minuten in der zweiten Hälfte endlich gefangen zu haben, als Wallenhorst 20 Meter vor dem HSV-Tor einen Ball kurz für Nahrin Uyar auflegte, den diese mit einem fulminanten Vollspannschuss ins Netz knallte (58.). Die nach dem 3:1-Anschlusstreffer beim Trainergespann um Birte Brüggemann und Holger Stemmann kurz aufkeimende Hoffnung wurde jedoch wiederum nur zwei Minuten später jäh enttäuscht. Eine Hamburgerin dribbelte von rechts in den Sechzehner, zog nach innen und schoss scheinbar ungefährlich am Werder-Tor vorbei. Doch während Doll ihren Vorderfrauen zu verstehen gab, dass der Ball ins Aus gehen würde, übersah die versammelte Werder-Defensive die am langen Pfosten lauernde Kathrin Patzke, die danke sagte und den Ball einfach ins Tor schob (60). Ins Bild passte, dass der HSV einen Gang zurück schaltete aber per 30-Meter-Bogenlampe dennoch noch ein weiters Tor erzielte (74. Patzke). Beim vermeidbaren Gegentreffer sah die in Halbzeit eins noch bärenstarke Werder-Keeperin ein weiteres Mal nicht gut aus.

 

Nach dem Abpfiff präsentierte sich Coach Birte Brüggemann entsprechend geladen: „Das Trainerteam ist stinksauer! Heute hat nur ein Drittel unserer Spielerinnen Leistung gezeigt, beim Rest war es zu wenig: eine Mischung aus Mittelmaß und Totalausfall“. Angesichts des knappen Drei-Punkte-Vorsprungs auf den Relegationsplatz erwartet die Trainerin Besserung beim nächsten Spiel gegen den Magdeburger FFC am kommenden Sonntag, 18.04.2010 (Anpfiff: 14 Uhr im Stadion „Platz 12“): „Wir hoffen, dass nun alle begriffen haben, dass es für uns jetzt fünf vor zwölf ist, dass wir mitten im Abstiegskampf stecken. Den Hamburgerinnen war heute anzusehen, dass sie wollten, das war bei uns anders. Am Sonntag müssen wir wieder dahin gehen, wo es weh tut.“

 

Christoph Muxfeldt

 

 

Hamburger SV II: Weber – Borkowski, Schacher, Meiforth (77. Wolfgramm), Steinike (70. Moelter) – Homp, Danner, Lehmann, Lahr (84. Knobloch) – Patzke, Lübcke

 

Werder Bremen: Doll – Votava, Holsten, Scholz, Mauckisch (34. Golebiewski) – Kersting, Notthoff – William, Uyar, Wallenhorst (62. K. Hamann) – Nabwire Omondi

 

Tore: 1:0 Wallenhorst (17. Eigentor), 2:0 Meiforth (47.), 3:0 Patzke (48.), 3:1 Uyar (58.), 4:1/5:1 Patzke (60./74.)

 

Gelbe Karte: William (Werder)

 

Schiedsrichterin: Kim-Jana Trenkner (Winsen)

 

Zuschauer: 80