"Es hat mich menschlich geprägt"

Giovanna Hoffmann im Interview

Das Lachen ist zurück: Giovanna Hoffmann hat ihre lange Verletzungspause überstanden (Foto: WERDER.DE).
Frauen
Freitag, 30.09.2016 // 16:31 Uhr

Das Interview führte Marcel Kuhnt

Es war die 40. Spielminute in Cloppenburg. Cheftrainer Steffen Rau war nach der Verletzung von Pia-Sophie Wolter gezwungen auszuwechseln. Bereits wenige Momente zuvor hatte er Giovanna Hoffmann an die Seitenlinie zum Aufwärmen geschickt. Und dann war es soweit - für Werders Mittelfeldspielerin endete in dieser 40. Minute die Leidenszeit nach ihrer langen Verletzungspause. "Ich bin zwar noch jung, aber diese Zeit war bisher die schwerste meines Lebens" , so die 18-Jährige.

Mit WERDER.DE sprach Giovanna Hoffmann über den Weg zurück auf den Fußballplatz, die schwere Zeit während der Verletzung und über ihre Ziele für diese Saison.

WERDER.DE: Am letzten Sonntag hast du nach langer Zeit dein erstes Spiel für die 1. Frauenmannschaft gemacht. Wie war das Gefühl bei deiner Einwechslung?

Giovanna Hoffmann: "Ich konnte es gar nicht so richtig glauben. Ich habe so unfassbar lange auf diesen Tag gewartet und auf einmal ist es soweit. Ich habe mich riesig gefreut. Ehrlich gesagt, habe ich mir gar nicht so viele Gedanken gemacht. Es war eher: rein ins Spiel und Spaß haben."

Giovanna Hoffmann stand in Cloppenburg wieder auf dem Platz (Foto: Gloth).

WERDER.DE: Im Training warst du schon länger dabei. Wie schwer war es für dich, nach der Verletzung wieder ins Team zu finden?

Giovanna Hoffmann: "Ich habe mich ja in der Übergangsphase vom Mädchen- in den Frauenbereich verletzt. Damals durfte ich schon ein paar Spiele in der 2. Bundesliga bestreiten. Doch durch das Jahr in der ersten Liga hat sich schon einiges verändert. In Sachen Spielschnelligkeit, Körpereinsatz oder beim situativen Denken haben sich die anderen enorm weiterentwickelt. Darum war es fußballerisch für mich komplett anders. Ansonsten war es nicht schwer zurück ins Team zu kommen. Wir sind eine zusammengewachsene Mannschaft  und alle haben mich klasse aufgenommen.“

WERDER.DE: Du hattest gegen den BV Cloppenburg sogar einen Treffer auf dem Fuß. Wie sehr ärgert es dich, dass nicht gleich im ersten Spiel geklappt hat?

Giovanna Hoffmann: "Es ärgert mich schon ein wenig. In den beiden Partien, die ich für die 2. Frauen gemacht habe, konnte ich beide Male treffen. Ein Tor in Cloppenburg wäre die Kirsche auf der Sahne gewesen. Aber es sollte leider nicht sein.“

WERDER.DE: Du hast eine enorm lange Verletzungszeit hinter dir. Im Mai 2015 hattest du einen Bruch des oberen linken Sprunggelenks erlitten. Wie war die Zeit ohne Fußball für dich?

Giovanna Hoffmann: "Ich bin zwar noch jung, aber diese Zeit war bisher die schwerste meines Lebens. Diese Verletzung hat mich menschlich geprägt. Ich bin damals erst nach Bremen gezogen und hatte ein gutes erstes halbes Jahr. Wir haben eine überragende Saison mit den U 17-Juniorinnen gespielt und haben uns für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Und plötzlich ist alles vorbei und man wird vor diese Aufgabe gestellt. Nicht volljährig, komplett unflexibel und alleine in meiner Wohnung. Auch für den Kopf war die Situation sehr schwer. Meine Familie und Freunde haben mir in dieser Zeit sehr geholfen. Gerade in der Phase, wo es nicht besser wurde.“

Natürlich denkt man noch dran.
Giovanna Hoffmann

WERDER.DE: Gab es einen Zeitpunkt, wo du mit dem Leistungssport aufhören wolltest?

Giovanna Hoffmann: "Manchmal habe ich mit dem Gedanken gespielt. Im Dezember 2015 wurde ich ein zweites Mal operiert und es wurde nicht besser. Während ich bei den anderen Spielerinnen sehen konnte, wie sie Fortschritte machten, passierte bei mir nichts. Das war schon frustrierend. Aber ich habe nicht aufgegeben. Unsere Physiotherapeutin Laura Kersting hat mir immer wieder Mut zugesprochen und auch unser Trainer Steffen Rau hat mir den Rücken gestärkt. Ich bin froh, dass die Fortschritte nach und nach kamen.“

WERDER.DE: Denkst du noch öfter über die Verletzung nach?

Giovanna Hoffmann: "Natürlich denkt man noch an die Verletzung. Aber das ist eher vor oder nach den Einheiten der Fall. Im Training bin ich voll fokussiert. Da mache ich mir nicht so viele Gedanken über mein Sprunggelenk.“

Giovanna Hoffmann sammelte Spielpraxis bei der 2. Frauen (Foto: Haß).

WERDER.DE: Hast du dir eigentlich ein persönliches Ziel gesetzt, wie viele Spiele du dieses Jahr absolvieren willst?

Giovanna Hoffmann: "Ich möchte natürlich so viele Spiele machen wie möglich. Bis zur Winterpause muss man schauen, wie ich mich an die Belastungen gewöhne. Doch in der Wintervorbereitung will ich voll angreifen. Dann liegt es letztendlich an meinen Trainingsleistungen, ob der Trainer mich aufstellt.“

WERDER.DE: Und dann hilfst du dabei den Wiederaufstieg perfekt zu machen?

Giovanna Hoffmann: "Da will ich nicht widersprechen (lacht). Ich glaube, dass wir das Potential dazu haben. Ich habe die letzte Saison ja nur von draußen beobachtet, aber das Team hat sich so weiterentwickelt. Das merke ich in jedem Training. Das ist schon richtig gut.“

WERDER.DE: Richtig gut verstehst du dich auch mit Lena Pauels. Wie kommt das?

Giovanna Hoffmann: "Wir kennen uns ja von der Nationalmannschaft. Und nach ihrem Wechsel wohnen wir jetzt auch zusammen. Wir haben unsere eigene WG gegründet und fühlen uns sehr wohl. Es ist zwar noch etwas gewöhnungsbedürftig selbst zu kochen, aber es ist schon richtig lustig bei uns.“