Brüggemann: "Wir werden genau hinschauen"

Birte Brüggeamann, leiterin des Frauenfußballs bei Werder, will zu neuen Saison das "Feuer neu entfachen" lassen bei den grün-weißen Fußballerinnen.
Frauen
Sonntag, 20.04.2014 // 17:50 Uhr

Die Zweitliga-Mannschaft musste zuletzt zwei Niederlagen in Folge hinnehmen. Aus dem Aufstiegsrennen hat sich das Team somit vorzeitig verabschiedet. Warum?
BIRTE BRÜGGEMANN: Es ist sehr schade, dass wir uns schon zu einem so frühen Zeitpunkt aus dem Kreis der Aufstiegskandidaten gespielt haben. Die Ursache dafür liegt aber nicht erst in den letzten Niederlagen gegen Lübars und Hohen Neuendorf. Die gesamte Saison über haben wir unnötig Punkte liegen gelassen und leider oft unter unseren Möglichkeiten gespielt.

Höhen und Tiefen ziehen sich bei Werders Fußballerinnen wie ein roter Faden durch die Saison. Während die U-17-Talente der Grün-Weißen um die Meisterschaft in der Juniorinnen-Bundesliga kämpfen, bleibt die Zweitliga-Mannschaft hinter den Erwartungen zurück. Birte Brüggemann, Leiterin Frauenfußball, spricht über die aktuelle Situation und die Zukunft von Werders Frauenfußball.

Wo machen Sie Probleme in der Mannschaft aus?
Das Trainerteam und ich sind auf eine Vielzahl an Gründen gestoßen. Fakt ist, dass wir auf dem Papier das wohl stärkste Team in der Geschichte des Frauenfußballs bei Werder in die Saison geschickt haben und trotzdem oder gerade deshalb viel Unruhe und Leistungsschwankungen innerhalb der Mannschaft hatten. Jede Spielerin nimmt in einer Mannschaft eine bestimmte Rolle ein, jede ist wichtig, aber von unterschiedlicher Bedeutung. Daraus entwickeln sich Hierarchien, belegt übrigens auch durch entsprechende Verträge und Unterstützung. Aber in vielen Situationen mussten wir leider festgestellt, dass Teile der Mannschaft in Sachen Leistungsbereitschaft, Leistungsfähigkeit, Erwartungshaltung und Selbsteinschätzung zu viele unterschiedliche Auffassungen haben. Dadurch gerät ein Team, und gerade ein emotionales Frauenteam (lacht), schnell ins Schwanken. Und Misserfolge sind dann weitere Zündschnüre. Für die Entwicklung der Abteilung ist diese Saison aber sehr wichtig, auch weil strukturelle und personelle Probleme in der Vergangenheit den Spielerinnen auch die Möglichkeit gegeben haben, sich dahinter zu verstecken.

Wie lautet die Marschroute für die Endphase der Spielzeit?
Wir wollen die Saison so gut wie möglich zu Ende spielen. Die Spielerinnen haben in den verbleibenden sechs Spielen noch einmal die Gelegenheit aufzuzeigen, welches Potenzial in ihnen steckt. Wir dürfen stolz behaupten, dass wir in den vergangenen Jahren ein Team aus talentierten und erfahrenen Spielerinnen aufgebaut haben und inzwischen eine stabile und nachhaltige Abteilung sind. Unsere Infrastruktur ist in der Liga einmalig. Und wer das nicht zu schätzen weiß oder nur auf der Durchreise ist, der wird unseren Weg nicht mitgehen.

Mit Manjou Wilde verlässt bereits eine Spielerin den Verein in Richtung 1. Liga...
Manjou ist bei Werder zur Nationalspielerin gereift. Sie muss nun sportlich und außersportlich den Schritt machen, um auf höherem Niveau an noch vorhandenen Defiziten zu arbeiten. Wir standen mit Manjou übrigens immer im Austausch über ihre Zukunft, befürworten ihren Wechsel und drücken natürlich die Daumen für ihren weiteren Weg.

Wann ist Werder für den Schritt in die 1. Liga bereit?
Die Kluft zwischen der 1. und 2. Bundesliga ist sehr groß. Im ersten Jahr spielen die Aufsteiger zumeist gegen den Abstieg und zahlen viel Lehrgeld. Einige Teams sind schon von der Bildfläche verschwunden, Vereine von Insolvenz bedroht oder betroffen. igentlich müsste ein Zweitligist mit dem klaren Ziel ‚Aufstieg‘ schon in der Zweitliga-Saison auf Erstliganiveau arbeiten. Das ist personell, finanziell und strukturell fast unmöglich. Wir sollten weiterhin stets versuchen, den maximalen Erfolg zu erzielen. Und wenn wir damit einen Aufstiegsplatz erreichen, dann gehen wir diesen Schritt auch professionell an.

Wie wird das Team der nächsten Saison aussehen?
Wir wollen mit einer hungrigen Mannschaft aus alt und jung in die Saison gehen. Die Spielerinnen müssen sich mit dem Verein und der Mannschaft zu 100 Prozent identifizieren und das berühmte Werder-Gefühl leben. Bei Vertragsverlängerungen und Neuabschlüssen werden wir darauf sehr achten, auch wenn dies durch immer mehr Berater schwieriger wird.

Es klingt danach, als wäre diese Werder-Identifikation bislang bei vielen nicht vorhanden gewesen?
Wir haben tolle Spielerinnen, die richtig Lust auf Fußball bei Werder haben und stets motiviert sind. Auch bei den ‚jungen Wilden‘ und bei den neuen Spielerinnen spürte man in dieser Serie dieses Feuer. Wir haben aber auch Spielerinnen, die etwas satt wirken und deren Eigenmotivation begrenzt ist. Es gilt, wieder Feuer zu entfachen. Ein Mittel haben wir bereits: Konkurrenz sitzt jeder Spielerin aus dem eigenen Nachwuchs im Nacken.

Gerade die U 17 spielt eine ganz starke Saison...
Es macht viel Freude, der Mannschaft zuzuschauen. Wir sehen dort einige Talente, denen wir in den kommenden Jahren den Sprung ins Bundesliga-Team zutrauen. Pia-Sophie Wolter und Karla Kedenburg haben bereits ihre ersten Minuten in der ersten Mannschaft absolviert, andere kamen bereits in der Regionalliga zum Einsatz. Das Potenzial der Mannschaft spiegelt sich auch in der Tabelle wider. Ich wünsche der U 17, dass sie bis zum Saisonende am Top-Team aus Potsdam dranbleiben kann. Das ist sensationell!

Werders Spielerinnen rücken auch immer mehr in den Fokus der Nationalteams. Auch das ist eine tolle Bestätigung für den Frauenfußball bei Werder...
Manjou Wilde war unsere erste Junioren-Nationalspielerin. Stefanie Sanders spielte bei der U-17-WM in Costa Rica als jüngste Spielerin mit. Giovanna Hoffmann spielt regelmäßig für die U 16. Weitere Spielerinnen stehen im Focus des DFB und nehmen an Lehrgängen teil. Merve Kiniklioglu spielt für die türkische U 19, und Katharina Schiechtl hat sich in den Fokus der österreichischen Nationalmannschaft gespielt. Das zeigt, dass unser Weg richtig und Werder eine gute Adresse ist.

Mit welchen Gedanken blicken Sie auf die Zukunft des Frauenfußballs bei Werder?
Hinter uns liegen eine fantastische Zeit und eine enorme Entwicklung. In nur sieben Jahren konnten wir zahlreiche Erfolge feiern. Und Rückschläge haben uns noch stärker gemacht. Werder Bremen ist zu einer attraktiven Adresse im Frauenfußball geworden. Doch auf uns und den Frauenfußball bundesweit warten weitere große strukturelle und personelle Herausforderungen in den kommenden Jahren.

Interview: Norman Ibenthal