''Wir waren einfach geil darauf, für Werder zu spielen''

Katharina Hamann, die seit der Gründung von Werders Frauenfußballmannschaft dabei ist und sich zur Vize-Spielführerin hochgearbeitet hat.
Frauen
Donnerstag, 29.11.2012 // 13:17 Uhr

Katharina Hamann ist eine der letzten verbliebenen „Einsteigerinnen" im Team der grün-weißen Fußballerinnen. Als damals...

Katharina Hamann ist eine der letzten verbliebenen „Einsteigerinnen" im Team der grün-weißen Fußballerinnen. Als damals 17-Jährige streifte sie erstmals das Werder-Trikot über, fünf Jahre später steht sie als Vize-Kapitänin auf dem Platz.

Gegen den Herforder SV führte sie ihr Team erstmals als Mannschaftsführerin auf das Feld, für die 23-Jährige ein merkwürdiges Gefühl: „Da habe ich das erste Mal selbst darüber nachgedacht, wie jung unsere Mannschaft eigentlich ist und ich mit gerade mal 23 Jahren in diesem Spiel zu den Ältesten in unserem Team zählte", blickt Katharina Hamann zurück.

Über 75 Mal stand die gebürtige Bremerin für Werder in Meisterschafts- und DFB-Pokalspielen auf dem Platz und hat mit Werder schon so einiges mitgemacht. 2008 stieg sie mit den Grün-Weißen in die Regionalliga auf, ein Jahr später folgte der Sprung in die 2. Bundesliga: „Mit dieser schnellen Entwicklung hat damals wohl keiner gerechnet und uns war klar, dass es so auch nicht weitergehen konnte. Doch langsam wird es Zeit für den nächsten Schritt", erklärt „Kaddy" und spielt damit auf den Aufstieg in die 1. Liga an. „In der nächsten Saison wollen wir dieses Ziel anpeilen!"

In ihrer fußballerischen Karriere bei Werder ging es für Katharina Hamann nicht immer bergauf, immer wieder musste sie Rückschläge einstecken. Gleich in ihrer ersten Saison fiel sie wochenlang aus, nachdem nach einer Gebärmutterkrebsvorsorgeimpfung Komplikationen aufgetreten sind, 2009 folgte ein Riss des Kreuzbandes und 2011 brach sie sich das Schlüsselbein. „Klar denkt man sich, warum immer ich. Jedes Mal, wenn ich wieder dran war, wurde ich erneut zurückgeworfen. Und es gab sicherlich Phasen, in denen ich mich gefragt habe, ob ich überhaupt noch einmal zurückkomme. Umso schöner, dass ich noch die Kurve gekriegt habe."

Die aktuelle Saison hielt für die gelernte Offensivkraft wohl eine der größten Veränderungen bereit, denn die bislang drittbeste Werder-Torschützin aller Zeiten (28 Treffer) läuft derzeit als rechte Verteidigerin auf. „In der letzten Saison hatte ich nicht so häufig gespielt und dann macht man sich schon Gedanken, ob man nicht auch auf anderen Positionen spielen kann. Als rechte Außenbahnspielerin liegt die rechte Abwehr dann natürlich nahe. So unterschiedlich ist es gar nicht, auch wenn ich anfangs natürlich auch Hilfe brauchte, um mich zu recht zu finden. Aber die Trainerin schenkt mir dort ihr Vertrauen, dann spiele ich dort auch", erklärt Katharina Hamann, die von ihren Erfahrungen profitiert: „Natürlich kann man sich selbst noch gut in die Angreiferin hineinversetzen und überlegt, was man selbst in der Situation getan hätte. Das ist in der Abwehr schon ganz hilfreich."

Dass um sie herum mit Jennifer Martens und Eva-Marlen Votava lediglich zwei weitere „Einsteigerinnen" im Team stehen, ist für Katharina Hamann nicht ungewöhnlich: „Als wir damals angefangen haben, wussten wir, dass diese Entwicklung kommen wird. Wir wollten ja auch neue Spielerinnen, die uns verstärken und den Leistungsgedanken weiter in den Vordergrund rücken. Sonst würden wir heute auch nicht dort stehen, wo wir sind."

Den gleichnamigen Film „Einsteigerinnen", der die Anfänge des Frauenfußballs bei Werder erzählt und in dem Katharina Hamann eine Hauptrolle spielte, schaut sie dennoch immer mal wieder gerne an: „Dieses Gefühl aus der ersten Saison kann uns keiner mehr nehmen. Es ging für uns gar nicht so sehr darum, Fußball zu spielen, sondern im Werder-Trikot Fußball zu spielen. Wir waren damals einfach geil drauf, für Werder zu spielen und haben uns damals schon zu 100 Prozent mit diesem Verein identifiziert. Der Erfolg hat diese Stimmung dann natürlich noch weiter gepusht. Im Nachhinein zu wissen, dass Eva, Jenni und ich drei dieser Spielerinnen waren, die den Weg des Frauenfußballs von Beginn an geprägt haben, macht mich auch ein wenig stolz."

Norman Ibenthal