„Ich bin stolz ein Teil von Werder gewesen zu sein!“

Bestritt von 2009 bis 2010 zwanzig Spiele für Werder: Doreen Nabwire Omondi
Frauen
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Von 2009 bis 2010 streifte Doreen Nabwire Omondi das Trikot von Werder Bremen über und trug einen Teil zur erfolgreichen Entwicklung des Frauenfußballs bei den Grün-Weißen bei. Anschließend zog es die heute 24-Jährige in die Niederlande, wo sie nicht nur Fußball spielte, sondern auch ihre Trainerkarriere startete und als Schriftstellerin auf sich aufmerksam machte. Kurz vor den Weihnachtstagen nahm WERDER.de Kontakt zu ihr auf und fragte mal nach, wie es der Kenianerin so geht?

Hallo Dodo, wir haben schon lange nichts mehr von dir gehört. Wo bist du gerade und wie geht es dir?
Doreen Nabwire: Ich bin jetzt wieder in Nairobi bei meinen Eltern, Geschwistern, Nichten und Neffen und vor allem bei meinem Sohn Toni. Alle sind gesund und es geht auch allen gut. Das ist das wichtigste.

Und was macht deine berufliche Karriere?
Ich engagiere mich gerade sehr intensiv im Bereich des Frauenfußballs in Nairobi. Dabei speziell in den Feldern der persönlichen Entwicklung von jungen Talenten, der Auseinandersetzung mit HIV und AIDS, Geschlechtskrankheiten, Drogenmissbrauch und den damit verbundenen Problemen. Hauptsächlich arbeite ich mit Mädchen von GIRLS UNLIMITED, wobei wir versuchen die Aspekte und Werte des Fußballs auf das soziale Leben in den verschiedenen Slums in Nairobi zu übertragen. Unsere Zielgruppe sind dabei die Mädchen und jungen Frauen zwischen 8 und 18 Jahren.
Darüber hinaus arbeite ich noch eng mit dem Ministry of Youth Affairs and Sports zusammen, das gemeinsam mit der UNICEF die Initiative National Youth Talent Academy (NYTA) ins Leben gerufen hat. Die Akademie beschäftigt sich mit jungen Jugendlichen ab 19 Jahren aus allen Lebensbereichen. Musik, Kunst, Schauspiel, Fußball und auch Volleyball. Für die Mädchen-Fußballmannschaft wurde ich als Assistenztrainerin engagiert. Manchmal gehen meine Aufgaben aber auch darüber hinaus. Erst vor zwei Wochen wurde ich von der UNICEF als Kontaktperson für die kenianische U 20-Frauen-Nationalmannschaft eingesetzt, die sich auf die Qualifikation zur Weltmeisterschaft vorbereitet.

Es ist fast zwei Jahre her, dass du das Trikot von Werder ein letztes Mal getragen hast. Schaust du noch oft auf deine Zeit in Bremen zurück?
Oh ja, es vergeht keine Woche, in der ich nicht mehrmals an Bremen denke. Die Zeit bei Werder war eine tolle Erfahrung. Durch Facebook habe ich noch Kontakt und werde dadurch immer wieder an die Mitspielerinnen, die Mannschaft, den Verein und die Kollegen erinnert. Mein Sohn schaut sich immer wieder Bilder von dem Jahr in Deutschland an und fragt mich, wo das war, wer die Personen auf den Fotos sind. Die größte Frage dabei ist immer wieder, warum ich ihn nicht mit nach Deutschland nehmen konnte. Ich persönlich erinnere mich durch die Spiele von Werder an Bremen. KISS TV, ein lokaler TV Sender bei uns, überträgt die Bundesliga. Wenn ich dann die Spiele von Werder sehe, macht es mich immer ein wenig stolz, auch einmal ein Teil des Vereins gewesen zu sein.

Dann informierst du dich sicherlich noch über dein ehemaliges Team. Hast du noch Kontakt zu einigen Spielerinnen oder auch zu Willi Lemke, der dich damals zu Werder holte?
Ja, natürlich. Ich schaue regemäßig auf WERDER.de oder die Facebook-Seite der Mädels. Manchmal schreibe ich auch noch mit Lea oder Lisa auf Facebook, um zu hören wie es ihnen geht. Mit Willi Lemke habe ich auch noch Kontakt. Erst letzte Woche war er hier. Wir haben uns zum Abendessen getroffen und über alles Mögliche geredet. Als Geschenk hat er mir das neue Jahrbuch von Werder mitgebracht. Es ist unheimlich spannend zu sehen, wie sich Werder entwickelt und was es alles Neus gibt. Dazu hat er mich, zwei Mädchen von GIRLS UNLIMITED und einen Jungen von MYSA nach Doha eingeladen, um dort im Januar an einem Fortbildungscamp für Jugendliche teilzunehmen.

Spielst du noch selbst Fußball?
Ich werde nächstes Jahr in der Frauen-Liga in Kenia wieder spielen. Aber im Vergleich zu Werder und Zwolle ist das Niveau schon deutlich niedriger. Das ist schon ein wenig frustrierend. Schließlich möchte man sich als Fußballer immer verbessern. Ich bin aber guter Hoffnung, dass sich der Frauenfußball in Kenia schon bald positiv entwickeln wird. Ich hoffe nur, dass ich das noch erleben werde und nicht irgendwann zu alt bin, um auf dem Niveau dann Fußball zu spielen.

In Bremen hast du deinen Sohn damals sehr vermisst? Wie wichtig ist es für dich, jetzt wieder bei ihm sein zu können?
Sehr wichtig, wir verbringen sehr viel Zeit miteinander. Im September ist er schon 3 Jahre alt geworden und wird ab Januar in die Schule gehen. Ich bin stolz auf ihn, er ist ein cleverer und lieber Junge.

Das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Wie wirst du denn die Festtage verbringen?
Ich werde versuchen, in den Tagen viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen. An Weihnachten werde ich aber auch ein paar Mädchen von GIRLS UNLIMITED besuchen und sie mit einigen kleinen Geschenken überraschen. Ich möchte ihnen zeigen, dass wir auch diesem besonderen Tag für sie da sind. Am Abend steht dann ein großes Essen mit der gesamten Mannschaft an. Silvester werde ich auch mit meiner Familie verbringen und abends geht es dann noch mit meinen beiden Schwestern auf eine Party.

Vielen Dank für das Gespräch Dodo!
Gerne, aber einen ganz besonderen Gruß möchte ich noch loswerden, an ganz Werder Bremen und speziell an den Präsidenten Klaus-Dieter Fischer, der unser Projekt GIRLS UNLIMITED sehr unterstützt hat. Unser gesamtes Team möchte sich für diese tolle Unterstützung bedanken und wünscht Werder sowie der Werder Bremen Stiftung viel Glück und Erfolg für die Zukunft. Ich persönlich wünsche euch ein paar schöne Weihnachtstage und ein tolles neues Jahr!

Interview: Norman Ibenthal