Annabel Jäger schießt Werder-Frauen aus dem DFB-Pokal

Werders Maren Wallenhorst erzielte den zwischenzeitlichen 1:1 Ausgleich in Gütersloh
Frauen
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Im Vorfeld dieser Begegnung war es rund um das Weserstadion oft zu hören gewesen: „Drei Mal ist Bremer Recht!" Eine typische Redensart aus der Region, die sich für Werders Fußballerinnen jedoch nicht bewahrheiten sollte. Auch im dritten Jahr in Folge scheitern die Werder-Frauen im DFB-Pokal am FSV Gütersloh 2009. Wie in der Runde zuvor machte die Hofmann-Elf es äußerst spannend: Nach 90 Minuten stand es nach einem tollen Spiel auf allerhöchstem Niveau 1:1, so dass es für alle Beteiligten in die Verlängerung ging. Dort war es dann eine alte Bekannte, die für Gütersloh zum entscheidenden 2:1-Führungstor traf.

Es hätte alles so schön werden können: Mit einem Sieg wären Werder Bremens Fußballfrauen zum ersten Mal überhaupt ins DFB-Pokal-Viertelfinale eingezogen. Werder Bremens Fußballfrauen wären die einzigen gewesen, die im Achtelfinale auf fremdem Platz die nächste Runde erreicht hätten. Und Werder Bremens Fußballfrauen hätten endlich den Pokalfluch gegen den FSV Gütersloh besiegen können. Hätte, würde, könnte - der Konjunktiv hat allerdings entgegen all dieser Wunschvorstellungen rein gar nichts zu suchen im Fußball und so sieht die Realität leider viel härter, viel düsterer aus für Werder Bremens Fußballfrauen.

Rein in die Pokalpartie: Von Anfang an war es ein absolut hochklassiges Pokalspiel, das vor den fast 240 Zuschauern Werbung für den Frauenfußball betrieb. Beide Mannschaften versteckten sich nicht und suchten ihr Glück in der Offensive, ohne dabei die Defensive zu vernachlässigen. In der 22. Minute waren es dann die Gastgeber, die zum ersten Mal jubeln durften. Angelika Widowski verwertete einen unglücklich abgefälschten Ball zum 1:0 für den FSV. Von diesem Treffer zeigten sich Werders Fußballerinnen jedoch nicht beeindruckt und spielten angriffslustig und selbstbewusst weiter. „Wir haben uns in dieser Phase der Partie nicht aus der Ruhe bringen lassen", wusste auch Werdercoach Dirk Hofmann. Kurz vor der Halbzeit wurde diese Spielweise belohnt: Einen tollen Spielzug, eingeleitet über Stephanie Goddard, schloss Maren Wallenhorst (40.) ab, indem sie die gegnerische Torfrau umlief und den Ball zum 1:1-Ausgleich ins Tor schob.

Zu diesem Zeitpunkt war Werder sichtbar überlegen und dennoch erklärte Hofmann: „Bei so einer Qualität, die Gütersloh zweifelsfrei besitzt, muss man immer auf der Hut sein." In der zweiten Halbzeit lief das Spiel äußerst spannend weiter. Beide Teams schenkten sich nichts, so dass die Unparteiische Rafalski aus Bad Zwesten ins Spiel eingriff. Sie hatte ein Foul von Werders Schlussfrau Maria Doll gesehen (60.), was selbst bei den Gütersloh-Frauen bestaunt wurde. Der fällige Strafstoß wurde an die Oberlatte gesetzt, so dass die vorausgegangene Schiedsrichterentscheidung keinen Einfluss auf das Spielgeschehen hatte. In der 70. Minute hatte Werder eine aussichtsreiche Kontermöglichkeit durch Goddard, die jedoch regelwidrig zu Fall gebracht wurde. Entgegen aller Erwartungen zückte Rafalski nur die gelbe anstatt die rote Karte, der darauffolgende Freistoß brachte für Werder nichts ein. Nach 90. Minute stand es 1:1. In der Nachspielzeit schwanden die Kräfte der Spielerinnen merklich.

Kurz, nachdem die zweite Halbzeit der Verlängerung angepfiffen wurde, folge der Schock für die Grün-Weißen (107.): Annabel Jäger erzielte nach einer Flanke, die Werder nur knapp nicht verhindern konnte, das 2:1 für den FSV Gütersloh. Zuvor prallte der Ball noch an den Pfosten, ehe Jäger das Spielgerät im Gehäuse unterbringen konnte. Beim Namen Jäger werden bei so manchem Werderfan Erinnerungen wach. Eben genau diese Annabel Jäger war es, die vor exakt drei Wochen ihre Visitenkarte in Bremen hinterließ und ihren FSV Gütersloh mit einem Dreierpack zum 4:2 Auswärtserfolg an der Weser schoss. Bei diesem 2:1-Spielstand blieb es letztendlich. Dem Schlusspfiff folgte der Jubel der Heimmannschaft sowie die Enttäuschung im Werder-Lager, der sich der Bremer Trainer Dirk Hofmann anschloss: „Das hat meine Mannschaft nicht verdient. Das ist sehr, sehr unglücklich gelaufen", so Hofmann fassungslos.

Bevor es in der kommenden Woche in der Meisterschaft gegen Oldesloe weiter geht, muss jedoch erst das Pokaltrauma gegen Gütersloh verarbeitet werden. Nach dem 1:5 (2009/2010) und dem 2:3 (2010/2011) scheitert Werder auch im dritten Jahr an den Ostwestfälinnen. Die typische Bremer Redensart heißt deshalb ab sofort: „Dreimal ist Bremer Recht, vier Mal ist auch nicht schlecht." Und um den Wahrheitsgehalt dieser Floskel zu beweisen, muss im nächsten Jahr nur noch der FSV Gütersloh als Pokalgegner her. „Wenn mir einer sagt, dass wir beim nächsten Mal gewinnen, kann es gerne wieder Gütersloh werden", so ein lachender Hofmann, der seinen Humor trotz dieses Negativerlebnisses nicht verlor.

Von Cord Sauer

FSV Gütersloh: Herkrath - Claassen, Bröckl (81. Posdorfer), Paul, Widowski (118. Philipp) - Gessat, Granz, A. Jäger, Hermes - Magull, Schmücker (91. Hackmann)

Werder Bremen: Doll - Moelter, Scholz, William (64. S. Schneider), Eckermann - Notthoff, Goddard, Freyhat - König, Wallenhorst (97. M. Schröder), Uyar (78. Votava)

Tore: 1:0 Widowski (22.), 1:1 Wallenhorst (40.), 2:1 A. Jäger (106.)

Gelbe Karten: Jäger, Paul (beide Gütersloh) / William (Werder)

Schiedsrichter: Rafalski (Bad Zwesten)
Heidewald-Stadion: 232 Zuschauer