Hess-Grunewald: "Umbau ein wichtiger Beitrag zur Willkommenskultur im Gästebereich"

Dr. Hubertus Hess-Grunewald zeigt sich erfreut darüber, dass die Veränderungen positiv aufgenommen wurden (Foto: nph).
Fankurve
Freitag, 18.09.2015 // 11:40 Uhr

Zum dritten Mal in dieser Saison heißt der SV Werder am Samstag Auswärtsfans im Weser-Stadion willkommen. Rund 200 Ingolstädter begleiten ihren Verein an die Weser. Seit der Sommerpause hat sich für die Anhänger der Gäste im Weser-Stadion einiges verändert. Der gesamte Auswärtsbereich in der Westkurve wurde umstrukturiert.

Werders Präsident und Geschäftsführer Dr. Hubertus Hess-Grunewald erläutert im Interview mit WERDER.DE den Umbau, blickt zurück auf die ersten Erfahrungen aus den Spielen gegen Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach und erklärt, welche Stellschrauben noch gedreht werden müssen.  

WERDER.DE: Zwei Heimspiele sind im Weser-Stadion mit dem umgebauten Gästeblock schon gespielt. Können Sie uns kurz erklären, was genau neu für die Gäste-Fans in dieser Saison ist. Was wurde konkret verändert und mit welchem Ziel?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: „Seit dem Stadionumbau im Jahr 2010 und dem damit veränderten Gästeblock, hatten sich zuletzt die Beschwerden von Gästefans gehäuft. Hauptkritikpunkt waren vor allem die empfundene Enge und die schlechte Sicht. Bei Werder nehmen wir solche Rückmeldungen ernst und haben uns intensive Gedanken über eine Verbesserung gemacht. Statt kleinerer Nachbesserungen, haben wir ein verändertes Gesamtkonzept angestrebt. Wir haben versucht, durch die neue vertikale Trennung und die damit verbundene Reduzierung der Zäune die Sicht zu verbessern ohne Kompromisse für die Sicherheit zu machen. Herausgekommen ist aus unserer Sicht ein wichtiger Beitrag für eine verbesserte Willkommenskultur im Gästebereich des Weser-Stadions."

WERDER.DE: Die ersten Erfahrungen konnten bereits in den Heimspielen gegen Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach gesammelt werden. Wie sind die Rückmeldungen ausgefallen?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: „Die Fans der Gastvereine haben sich im Anschluss deutlich zufriedener geäußert. Bei der gemeinsamen Nachbereitung der Spiele durch die Fanbetreuungen der Vereine wurden die Veränderungen sehr positiv aufgenommen. Es wurde vielfach erwähnt, wie gut es die Fans finden, dass Beschwerden nicht ungehört verhallen, sondern dass Veränderungen vorgenommen werden. Das ist in der Bundesliga keine Selbstverständlichkeit. Dieser Umbau ist für uns auch ein Zeichen, dass wir die Dialog-Kultur, die wir seit Jahren etabliert haben, ernst nehmen."

WERDER.DE: Neu ist auch, dass die Gästefans wieder Getränkebecher auf die Tribüne nehmen dürfen.

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: „Das stimmt, auch hier setzen wir auf eine gewisse Eigenverantwortung. Nachdem wir schlechte Erfahrungen gemacht hatten, wurde in der letzten Saison dieses Verbot praktiziert. Allerdings haben wir uns überzeugen lassen, dass dieses generelle Verbot über das Ziel hinausschießt. Also lockern wir die Regelung wieder, bleiben aber im Dialog mit den Gästefans. Wir werden nach jedem Spieltag in einer Nachbesprechung mit der jeweiligen Fanbetreuung des Gastvereins Bilanz ziehen und entscheiden, ob diese Lockerung auch für das nächste Heimspiel Bestand hat. Nach den Partien gegen Schalke und Mönchengladbach konnten wir ein positives Fazit ziehen."

WERDER.DE: Im Rahmen des Umbaus wurden auch zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: „In erster Linie haben wir ein verbessertes Wohlfühl-Level für unsere Gäste erreichen wollen. Zudem wurde eine Umstellung hin zu einer digitalen Kameratechnik vorgenommen, die den Sicherheitskräften bessere Möglichkeiten bietet, Massenbewegungen zu analysieren und beispielsweise Paniken zu verhindern und gleichzeitig der nachträglichen Identifikation bei Straftaten dient. Diese Erneuerung war eine Auflage der Deutschen Fußball Liga. Wir setzen seit Jahren auf das Konzept der täterorientierten Aufklärung. Das ist ein wichtiger Schritt weg davon, alle Fans immer über einen Kamm zu scheren und in Sippenhaft zu nehmen."

WERDER.DE: Welche Stellschrauben gilt es jetzt noch zu drehen?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: „Natürlich müssen noch Kleinigkeiten feinjustiert werden. Beispielsweise befand sich das Vorsängerpodest noch nicht am richtigen Platz. Das wurde mittlerweile korrigiert. Allerdings können und wollen sich die Fans durch die baulichen Veränderungen wieder stärker mit Hilfe ihrer Zaunfahnen präsentieren. Hier gilt es, kreative Lösungen zu finden, um einerseits die Fankultur nicht einzuschränken und gleichzeitig den vertraglichen Leistungen unserer Partner gerecht zu werden."

WERDER.DE: Werder legt also großen Wert darauf, dass das Stadionerlebnis der Gästefans weiter optimiert wird...

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: „Definitiv. Werder wird national und international aufgrund seines sozialen Engagements sowie seiner eindeutigen Positionierung gegen Diskriminierung und für Toleranz sehr geschätzt. Da gehört es sich, dass auch Gästefans einen schönen, möglichst sicheren und unbeschränkten Aufenthalt haben, sich nicht eingepfercht fühlen und sich im Stadion entfalten können."

WERDER.DE: Welche weiteren Schritte sind geplant, um den Besuch der Auswärtsfans im Weser-Stadion zu erleichtern und mögliche konfliktreiche Situationen zu vermeiden?

Dr. Hubertus Hess-Grunewald: „Vor allem die Zuwegung zum Gästebereich wollen wir weiter optimieren, sodass die auswärtigen Fans, die per Bus anreisen, nicht mehr über den Kassenvorplatz müssen, sondern direkt am Osterdeich in die Westkurve gelangen - auch um die Wege für die Anreisenden so kurz wie möglich zu halten. Dies wurde in den vergangenen Spielen bereits erfolgreich umgesetzt und soll noch weiter optimiert werden."