Klaus Filbry traut Bundesliga weltweit Platz 2 zu

Mittendrin statt nur dabei: Klaus Filbry (etwas rechts von der Mitte) bei der Vorstellung vor der versammelten Mannschaft.
Business
Donnerstag, 07.01.2010 // 11:32 Uhr

Die ersten beiden Arbeitstage von Geschäftsführer Klaus Filbry führten ihn zunächst in die Bremer Geschäftsstelle und anschließend nach Dubai. 48 Stunden, in denen er sich einen Überblick verschaffen konnte über den neuen Arbeitsbereich, die neuen Kollegen, die Voraussetzungen bei den Grün-Weißen. Danach stellte er sich den Medien. WERDER.DE saß natürlich mit am Tisch und notierte die interessantesten Aussagen.

 

Herr Filbry, sie sind jetzt seit zwei Tagen richtig in der Werder-Welt angekommen. Wie war es, im neuen Büro Platz zu nehmen, das erste Mal im Mannschaftsbus mitzufahren, nahe bei der Mannschaft zu sein?

Ich arbeite zwar schon lange in der Fußball-Branche, aber das ist natürlich für mich sehr spannend. Bisher war ich bei einem großen Konzern immer mit dabei, habe Spieler und Marke in Szene gesetzt, jetzt bin ich mit in der Verantwortung einen ganzen Klub zu positionieren, also mittendrin statt nur dabei.

 

Wie liefen denn die ersten 48 Stunden?

Ich habe einiges gesehen. Es gab zunächst am Montag einen kleinen Umtrunk mit allen Geschäftsstellen-Mitarbeitern, danach einen Rundgang durch alle Abteilungen, wo ich noch mal einen eigenen Eindruck bekommen konnte und viel zugehört habe. Dieser erste Kontakt in der Geschäftsstelle war mir wichtig. Außerdem hatte ich ein langes Gespräch mit Manfred Müller. Am Abend ging es dann nach Dubai, kurze Laufeinheit am Morgen, erste Gespräche mit Vertretern von Volkswagen, beim Mannschaftstraining stellte mich Klaus Allofs dem Team vor, Presserunde, Testspiel. Da war einiges drin.

 

Mit ihnen hat auch Frank Baumann in seiner neuen Funktion als Assistent von Klaus Allofs angefangen. Ist das ein Vorteil, nicht der einzige Neue zu sein?

Ich glaube schon, dann verteilt sich das öffentliche Interesse auf zwei Personen. Ich habe mich mit Frank schon ausgetauscht. Wir haben festgestellt, dass wir uns in Juniorenzeiten nur um ein Jahr verpasst haben. Als ich bei den Amateuren des 1. FC Nürnberg gespielt habe, war er in der A-Jugend. Aber wir hatten zeitversetzt den gleichen Trainer. Und auch jetzt ist unsere Situation nicht unähnlich. Ich bekomme die Möglichkeit nach 16 Jahren in einer Firma eine neue Herausforderung bei Werder anzugehen, bei ihm ist es ähnlich. Ich freue mich auch auf diese Zusammenarbeit.

 

Bei ihrer Vorstellung im Dezember wurde deutlich, dass sie auch geholt wurden, um Werder international präsenter zu machen. Ist der Aufenthalt in Dubai ein erster Schritt dazu?

Dubai ist ein Anfang. Wenn wir nach Hause kommen, werden wir gemeinsam genau analysieren, welche Märkte sich für ein intensives Engagement anbieten. Das kann hier der Mittlere Osten sein, Nordamerika oder Asien sind aber auch mögliche Kandidaten. Das muss gut abgestimmt werden, weil es darum gehen wird, dann nicht nur einmal in fünf, sechs Jahren dort aufzukreuzen. Chelsea hat es richtig vorgemacht. Sie haben fünf, sechs Jahre den amerikanischen Markt beackert und hatten dort zuletzt eine Serie an Spielen, zu der jeweils 70.000 Fans gekommen sind. So etwas funktioniert nur wenn Potenzial da ist, wenn die Partner mitspielen und die Liga uns unterstützt. So wie es hier in Dubai vorbildlich passiert.

 

Bedeutet das, nie wieder Trainingslager in Belek?

Nein, so eine Festlegung wäre verfrüht, weil es dort offensichtlich sehr gute sportliche und organisatorische Voraussetzungen gibt. Außerdem gibt es in der Winterpause nicht so viele Alternativen. Und es wird auch in Zukunft den größten Stellenwert besitzen, die Mannschaft optimal vorzubereiten. Da hat die sportliche Leitung ein ganz gewichtiges Wort mitzureden. Dennoch wollen wir versuchen neue Impulse zu setzen, an einigen Stellschrauben zu drehen. Vielleicht finden wir einen Platz, bei dem alles zusammenpasst.

 

Wird also irgendwann mal in Peking, Dubai und Los Angeles ein Werder-Trikot im Sportgeschäft hängen?

Na das ist ein sehr langer, schwerer Weg. Aber ich behaupte, die Bundesliga ist auf dem besten Wege sich als zweitstärkste Fußballliga der Welt zu behaupten. Die englische Premier League spielt eine Klasse höher, sie ist weltweit überdominant vertreten, aber mit den Aktivitäten der DFL in den letzten Jahren, mit den neuen Stadien, unserer Fankultur, mit dem jungen Durchschnittsalter unserer Stadionbesucher können wir gegen die anderen Ligen bestehen. Die Ressourcen im Ausland müssen aber im Ligaverbund noch besser ausgeschöpft werden. Das müssen wir wie hier in Dubai gemeinsam pro-aktiv angehen.

 

… zum Beispiel mit einem Supercup-Endspiel im Ausland?

Das halte ich für eine interessante Überlegung. So ein Finale wird sowieso auf neutralem Boden gespielt.

 

Und wie sieht es mit Bundesliga-Spielen aus?

Das ist etwas völlig anderes. Das wäre Wettbewerbsverzerrung. Bundesliga-Spiele gehören in die Heimstadien, zu ihren Fans. Sonst verkommt der ganze Wettbewerb zu einem Zirkus. In den USA kann man sich einiges abschauen, aber Footballspiele der NFL in London gehören nicht dazu. Das schadet der Sportart. Das wäre für Fußball der falsche Weg. Und egal, was wir Marketingmenschen planen: der Sport muss im Vordergrund stehen. Ich gebe mir da klare Grenzen vor.

 

Können Sie die Grenzen näher beschreiben?

Fußball darf nicht nur Show sein. Fußball hat ein Herz und eine Seele und er muss glaubwürdig bleiben: Zwei Halbzeiten ohne Unterbrechung, die Pause, der Spielfluss – daran darf man nichts ändern. Man kann aber die Fankultur weiter stärken, die auch Werder ausmacht. Rund um das Stadion muss was los sein. Bei Werder fängt das mit der Kneipenszene im Viertel an und soll nicht mit der zuletzt eingeführten Anreise per Schiff aufhören. Das ganze Drumherum gehört doch auch zu den Stadionbesuchen. Mit dem Papa an der Hand durch dieses ganze Treiben zum Stadion zu laufen, das gehörte für mich als Kind auch zur Faszination Fußball.

 

Wie stehen sie denn zur deutschen „50+1-Regel“? Sie haben ja in ihrem alten Job oft mit Klubs aus anderen Verhältnissen zu tun gehabt.

Werder hat sich in dieser Frage klar dagegen ausgesprochen, wir haben uns eindeutig positioniert und ich halte das für absolut richtig. Dennoch darf man das Thema strategische Partnerschaften nicht aus dem Auge verlieren, weil man erstens nicht weiß, wie die Prüfung von „50 + 1“ vor Gericht ausgeht und zweitens natürlich auch immer auf der Suche nach weiteren Einnahmequellen sein muss, da wir in Deutschland bei den TV-Einnahmen so gedeckelt sind. Die Bayern haben dort einen guten Mittelweg gefunden. Sie haben Anteile an Adidas und Audi abgegeben und behalten trotzdem die Hosen an.

 

Aber die Bayern haben mit ihrer Präsenz in der Öffentlichkeit auch eine Sonderstellung inne.

Das stimmt. Solche strategischen Partner zu finden, wird für jeden Bundesligaklub ganz schwer. Wir und jeder andere Bundesligaklub müssen dafür noch härter arbeiten. Der Markt muss intensiv sondiert werden und man muss ganz genau überlegen, welche Partner wirklich Sinn machen. Wir werden ganz langsam und behutsam damit beginnen, mögliche Kandidaten herauszufiltern.

 

Werden dann auch gleich Kandidaten gesucht, um den Stadionnamen zu verkaufen?

Nein, das steht momentan überhaupt nicht auf unserer Agenda. Der Name Weser-Stadion ist etwas ganz Besonderes. Wenn es einmal so weit wäre, müssten wir das intensiv diskutieren und abwägen. Wir müssten dann Vor- und Nachteile vergleichen. Aber wie gesagt, das ist alles hypothetisch. Ich sehe auch gerade keine Möglichkeit, große Summen damit aufzutreiben. Dafür sind die wirtschaftlichen Zwänge der meisten Unternehmen momentan zu groß.

 

Bei Werder unterliegt es Ihnen künftig dafür zu sorgen, dass der Klub wirtschaftlich gut dasteht. Wie definieren sie ihren Part nach den ersten Tagen?

Dass Werder gut dasteht ist eine Gemeinschaftsarbeit von allen, aber in erster Linie kommt es auf die Mannschaft an. Der sportliche Erfolg ist das Fundament von allem. Wenn Werder international nicht dabei ist, dann muss alles überdacht werden, dann müssen wir kleinere Brötchen backen.

 

Werden Sie sich stärker in der Öffentlichkeit zu Wort melden als ihr Vorgänger Manfred Müller?

Nein, ich schätze seine Arbeit und die Art und Weise sehr. Ich werde versuchen, diesen Weg weiterzugehen. Außerdem haben wir eine klare Aufgabenverteilung. Klaus Allofs ist nicht nur für den sportlichen Bereich zuständig, sondern als Vorsitzender der Geschäftsführung auch Sprachrohr und Aushängeschild Werders. Damit ist der Klub auch in den letzten Jahren sehr gut gefahren.

 

notiert von Michael Rudolph