Zum 6. Mal Deutscher Vizemeister

19.04.2012, 13:31:37 Uhr

 
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Zwei Siege zum Saisonabschluss
 
Ohne große Überraschungen an der Spitze der Schach-Bundesliga verlief die 14./15. Doppelrunde. Zwar schwächelte Baden-Baden mit Weltmeister Anand gegen Eppingen (4:4), doch gegen Hockenheim ließ der Ligaprimus überhaupt nichts anbrennen und sicherte sich mit einem 7:1-Kantersieg den siebten Titel in Folge. Auch der Tabellenzweite Werder Bremen wurde seiner Favoritenrolle gegen zwei Abstiegskandidaten gerecht, gewann in Berlin hoch gegen den SK König Tegel (6,5:1,5) und bezwang knapp, aber verdient den USV Dresden (4,5:3,5).

Die gastgebenden Berliner waren gegen Werder mit zunehmender Spieldauer schlicht überfordert. Allein am 8. Brett kam FM Stefan Frübing gegen WGM Almira Skripchenko gänzlich unverhofft zum vollen Punkt, nachdem die Wahl-Französin die Contenance verloren und ihre glatte Gewinnstellung peu à peu heruntergewirtschaftet hatte. Auch IM Rene Stern hatte einigen Vorteil gegen Luke McShane, ließ den nervenstarken Briten aber kurz vor der Zeitkontrolle ins Remis entschlüpfen. Interessante Theorieduelle in einer zweischneidigen Variante des Angenommenen Damengambits (1.d4 d5 2.c4 dxc4 3.e4 Sc6!? 4.Sf3 Lg4 5.d5 Se5 6.Lf4 Sg6 7.Lg3 e5 8.Lxc4) wurde in den Partien Fressinet - Rabiega (8...Ld6) und Hracek - Von Herman (8...a6) geboten. Obwohl beide zugunsten der Bremer ausgingen, kann von etwaigen Widerlegungen keine Rede sein, da die Verteidigungen durchaus zu verbessern sind.

Auch an den übrigen Brettern, Nybäck - M. Richter, M. Muse - Hammer, Breier - Rapport und Babula - D. Muse, setzte sich die nominelle Überlegenheit der Bremer ungefährdet durch.

SK König Tegel 1,5 : 6,5 Werder Bremen

1 Rabiega 0 : 1 Fressinet
2 Stern remis McShane
3 Richter, M. - 0 : 1 Nybäck,Tomi
4 Muse, M. 0 : 1 Hammer
5 Von Herman 0 : 1 Hracek
6 Breier 0 : 1 Rapport
7 Muse, D. 0 : 1 Babula
8 Frübing 1 : 0 Skripchenko

Ganz anders präsentierten sich die Mannen vom Universitätssportverein, die nach ihrem samstäglichen 6,5:1,5-Erfolg über Emsdetten in der letzten Runde durchaus noch Chancen auf den Klassenerhalt hatten. Nahezu in Bestaufstellung - die so oder in ähnlicher Formation über die ganze Saison sicherlich die Klasse gehalten hätte - sollte nun ein weiterer Coup gegen Bremen folgen. Mit dem ungarischen Top-GM Zoltan Almasi, den polnischen GMs Socko und Gajewski sowie dem routinierten GM (Bundestrainer) Uwe Bönsch an den oberen Brettern waren die Dresdner ein ernstzunehmender Gegner.

Zunächst kam es zu baldigen Friedensschlüssen in den Partien Almazi - Fressinet, Maiwald - Hracek und Skripchenko - P. Hoffmann. Dann aber zeigte in der Begegnung Grzegorz Gajewski - Tomi Nybäck die interessante Anti-Grünfeld-Indische Behandlung des Polen (5.h4!?) Wirkung. Im frühen Mittelspiel geriet Werders Finne in Nachteil und musste bereits im 29.Zug die Waffen strecken.

Den raschen Ausgleich besorgte Jung-Großmeister Richard Rapport, der mit seinem Sieg über den eigentlich gut aus der Eröffnung gekommenen, dann plötzlich sehr unsolide agierenden Raj Tischbierek an diesem Wochenende sein erstes Doppelpack für Werder schaffte. Als nun die etwa ausgeglichenen Partien Hammer - Bönsch und Gauglitz - Babula den Remishafen ansteuerten, war es Luke James McShane vorbehalten, den big point zum 4,5:3,5 für die Grün-Weißen zu liefern. Seine famose Endspiel-Technik gegen Bartosz Socko, der seine Bauernstruktur in einer bekannten Variante des Tarrasch-Franzosen (nach 3...c5 4.Sgf3 cxd4 5.Sxd4 Sc6 6.Lb5 Ld7 7.Sxc6 Lxc6 8.Lxc6+ bxc6 9.c4 dxe4 10.Sxe4 Dxd1+ 11.Kxd1 Sf6 12.Sxf6+ gxf6) riskant zu diversen Inseln zerspalten ließ, wirkte sehr gefällig.

Werder Bremen 4,5 : 3,5 USV Dresden

1 Fressinet remis Almasi
2 McShane 1 : 0 Socko
3 Nybäck 0 : 1 Gajewski
4 Hammer remis Boensch
5 Hracek remis Maiwald
6 Rapport 1 : 0 Tischbierek
7 Babula remis Gauglitz
8 Skripchenko remis Hoffmann, P.

Während Werders Sieg für Dresden den Abstieg bedeutete, rettete er dem an diesem Wochenende erfolglosen "Bundesliga-Dino" Hamburger SK den Verbleib im Oberhaus. Werder Bremen ist damit zum sechsten Mal Deutscher Vizemeister und weist - eingedenk des Titelgewinns 2004/05 - eine stolze Bilanz nach 18 Jahren in der Schach-Bundesliga vor. Ab sofort schlagen die Bremer indes einen neuen Weg ein und werden künftig nicht mehr um den Titel spielen, dafür mehr in die Basis- und Nachwuchsarbeit investieren.

C. D. Meyer
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