GM Richard Rapport - Peter Lichman 0,5:1,5

15.12.2011, 19:01:50 Uhr

 
TopTeaser
Schnellschach-Match am 12.12.2011
 
Überraschend harte Gegenwehr leistete der 20jährige titellose Hobbyspieler Peter Lichman (Elo 2298, Deutscher U18-Meister von 2008 und Zweitligist in Werder II) gegen den 15-jährigen Schachprofi GM Richard Rapport (Elo 2534, Werder I) in einem kleinen Schnellschach-Wettkampf (2 x jeweils eine halbe Stunde pro Spieler) am Montag Abend in der Bremer Werderhalle.

Der Vergleich verlief außerordentlich spannend. In der ersten Partie (Damenindisch im Anzug) verteidigte sich Rapport Königsindisch, bekam zunächst leichten Ausgleich, verlor aber im Mittelspiel den Faden. Auch Lichman agierte nicht zielstrebig und verpasste mehrfach die Gelegenheit, am Damenflügel einen freien a-Bauern brandgefährlich in Szene zu setzen. Nach diversen, hektischen Abtäuschen entstand ein etwa ausgeglichenes Turmendspiel, das dann auf beiden Seiten von Zeitnot und Fehlern dominiert wurde (z. B.: statt 53...g5? richtig 53...Tb8+ 54. Kc4 g5=; statt 54.c6? richtig 54.a7+- Kb7 Ta3 usw.). Die anschließend rekonstruierte Notation auf der Homepage – die digitale Aufzeichnung der Partie wurde wegen unsauberer Figurenführung unterbrochen – ist wahrscheinlich inkorrekt. Die abschließende Remisvereinbarung erscheint indes leistungsgerecht.

Die zweite Partie – Königsindisch mit 6.Le2/7.Le3 – stand nach 7...Sc6?! 8.d5 Se7 schon recht früh günstig für Rapport (Weiß), der nach bewährtem Schema am Damenflügel mit c5/Sd2-c4 vom Leder zog. Das schwache 12...b6? lieferte einen zusätzlichen Aufrollungspunkt, den Rapport mit 18.a5 nebst strategischer Gewinnstellung markierte. Von nun an vermochte Lichman nur noch hinhaltenden Widerstand zu leisten. Die weiße Invasion auf der Damenseite lief wie am Schnürchen, während das schwarze Gegenspiel am Königsflügel steckenblieb. Dass Lichman als Notlösung seinen weißfeldrigen Läufer hergeben musste, machte seine Lager noch desaströser. Nun allerdings spielte Rapport zögerlich und versäumte etliche durchschlagende Fortsetzungen, um im 41.Zug sogar danebenzugreifen. Statt 41.Dxg8+? gewann 41.Dh3, z.B. 41...Txg1+ 42.Kxg1 Dxh3 43.Lxh3 Sd6 44.c7+- bzw. 41...Dxh3 42.Lxh3 Sd6 43.c7+-). Endgültige Ratlosigkeit ergriff Rapport mit 44.Kg2? (Nach 44. c7! - so bei der kurzen post mortem-Analyse – hätte Lichman sofort aufgegeben. Indes wäre die Chose forciert remis gewesen: 44...Dxd7 45.Tc1 Dc8 46.d6 Kg7 47.d7 Db7 48.c8D – 48.Tc4?? Db1+ 49.Kg2 Da2+ 50.Kf3 Dxc4 51.c8D Df1# - 48...Dxe4+ 49.Kg1 De3+ = mit Dauerschach.), und nach dem weiteren 44...Dc5! 45.Kh3 Kf7 46.Tf3 Kf6 47.Kh4 a5 usw. -+ lief der a-Bauer und Schwarz war der glückliche Sieger.

Quintessenz: Der 5 Jahre ältere Lichman wirkte nervenstärker und bewies Zähigkeit wie taktische Schlagfertigkeit. Rapports Vorteilsverwertung ließ zu wünschen übrig, statt 0,5 waren 1,5 Punkte leicht zu erzielen gewesen.

C.D Meyer

1

Mitglied werden!
  • Attraktives Begrüßungsgeschenk
  • Ermäßigte Dauerkarten
  • Rabatt auf Fanartikel
  • WERDER MAGAZIN kostenlos
  • Bevorzugte Behandlung bei der Kartenvergabe