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„100 Prozent Grieche“
Einen besseren Einstand hätte er sich kaum wünschen können: Beim 2:1 im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund feierte Alexandros Tziolis sein Debüt im Werder-Dress und trug wesentlich zum Weiterkommen bei. So reibungslos wie auf dem Spielfeld dürfte die Integration auch außerhalb des Platzes laufen: Der griechische Nationalspieler verbrachte bereits mehrere Jahre seines Lebens in Deutschland.

WERDER-Magazin: Alex, wie fällt die sportliche Bilanz nach deinen ersten Wochen bei Werder aus?
ALEXANDROS TZIOLIS: Der Erfolg in Dortmund war wirklich ein toller Start. Umso enttäuschender, dass es dann gegen Bielefeld nicht geklappt hat mit einem Sieg. Warum nicht, das ist schwer zu beantworten. Ein Grund waren sicher die vielen Ausfälle. Diego und ‚Piza‘ (Claudio Pizarro, Anm. d. Red.) hatten gegen Dortmund stark gespielt, fehlten uns dann gegen Bielefeld. Aber keine Frage: Wir hätten trotzdem gewinnen müssen.

Warum war gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für dich, um zu Werder zu wechseln?
Ich habe in meiner Karriere große Ziele, die ich Schritt für Schritt erreichen möchte. Mit dem Wechsel aus Griechenland in die Bundesliga habe ich nun einen wichtigen Schritt auf ein höheres Niveau gemacht, durch den ich mich weiterentwickeln kann. Die Voraussetzungen, dass das in Bremen klappt, sind gut. Ich habe mich schon in den ersten Spielen in dieser Mannschaft sehr wohl gefühlt. Jetzt möchte ich dabei helfen, dass wir gemeinsam unsere Ziele erreichen.

Also war es dein persönliches Ziel, dir sofort einen Stammplatz zu erkämpfen?
Mir war schon vor meinem Wechsel klar, dass Werder viele starke Spieler hat, gerade im Mittelfeld. Spieler, die seit vielen Jahren in Bremen oder zumindest in der Bundesliga spielen. Deshalb ist es mein Ziel, so gut wie möglich zu trainieren. Denn ich weiß: Wenn ich gut bin, spiele ich auch. Angst habe ich jedenfalls nicht.

Siehst du deine Stärken eher im offensiven oder defensiven Mittelfeld?
Ich denke, dass ich meine Stärken in dem System, das wir spielen, am besten auf den Halbpositionen im Mittelfeld ausspielen kann. Denn ich gehe gerne mit nach vorne in Richtung Strafraum, kann dort von meinem guten Schuss und meiner Zweikampfstärke profitieren. Und es ist auf jeden Fall mein Ziel, auch Tore zu schießen. Sicher werden es nicht 15 pro Saison. Aber ich will mich auch offensiv beweisen, die zwei Treffer beim Testspiel in Posen waren ein guter Anfang. Auf der ‚Sechser‘-Position vor der Abwehr hat man dagegen nicht so viele Möglichkeiten, sich ins Angriffsspiel einzuschalten.

Was hast du in den ersten Pflichtspielen bei Werder gelernt?
Dass der Spielrhythmus in der Bundesliga anders ist als in der griechischen Liga. Dort hat man während eines Spiels mehr Ruhephasen. Hier in Deutschland sind die 90 Minuten viel intensiver. In Griechenland wird man nur in den Top-Spielen richtig gefordert, hier in jeder Partie.

Ist der Druck, erfolgreich zu sein, in der Bundesliga größer?
Erfolgsdruck gibt es überall. Ich habe bei Panathinaikos Athen und somit in einem der Top-Teams in Griechenland gespielt. Da es dort nicht so viele große Mannschaften gibt, wird man ganz besonders beobachtet. Gegen schwächere Teams zu verlieren, darf man sich nicht erlauben. Sonst gehen die Medien hart mit einem ins Gericht.

Nach dem Spiel in Bremen wurdet ihr dagegen sicher umjubelt. Gerade drei Monate ist es her, dass du mit Panathinaikos in der Champions League einen 3:0-Erfolg im Weser-Stadion feiern durftest. Welche Erinnerungen hast du an diesen Abend?
Natürlich erinnere ich mich am liebsten an das Ergebnis und daran, dass es ein sehr gutes Spiel war – für die Mannschaft und auch für mich persönlich. Schließlich habe ich sogar ein Tor geschossen. Wir wussten, dass wir zunächst gut in der Defensive stehen mussten, um Werders starke Offensive zu stoppen. Und dass wir dann auch vorne unsere Möglichkeiten bekommen würden. Ein bisschen Glück war natürlich auch dabei. Für Panathinaikos war die Partie damals ein wichtiger Schritt in Richtung Achtelfinale. Wir haben danach noch in Mailand und gegen Famagusta gewonnen und sind dadurch Gruppenerster geworden – ein Riesenerfolg.

Nun musst du mit Werder im UEFA-Pokal spielen statt mit Panathinaikos in der Champions League...
(lacht) Das ist kein Problem für mich. Für mich ist entscheidend, nun in der Bundesliga zu spielen. Und außerdem ist der AC Mailand ein toller Gegner, eine Riesen-Herausforderung – das ist Champions-League-Niveau.

Der Wechsel nach Deutschland ist für dich sozusagen eine Rückkehr in deine ehemalige Heimat.
Das stimmt. Ich bin zwar in Griechenland geboren, aber als ich sechs Monate alt war, gingen meine Eltern nach Deutschland und haben danach in Stuttgart mehr als acht Jahre ein Restaurant geführt, ehe sie sich entschlossen, wieder nach Griechenland zurückzukehren.

Welche Erinnerungen hast du an deine Kindheit in Deutschland?
Ganz klar: Es war eine schöne Kindheit. Ich hatte viele Freunde und habe auch schon in Deutschland mit dem Fußball spielen begonnen – beim SV Möhringen, einem kleinen Verein in dem Stadtteil von Stuttgart, in dem wir damals wohnten. Und natürlich war ich VfB-Fan, bin einige Male bei Bundesliga-Spielen im Stadion gewesen. Klar, dass man sich in Stuttgart als kleiner Fußballer auch für die Bundesliga interessiert.

Wie sehr hat dich dieses Aufwachsen in Deutschland für dein weiteres Leben geprägt?
Man darf nicht vergessen: Ich habe mittlerweile den größten Teil meines Lebens in Griechenland verbracht. Und ich fühle mich zu 100 Prozent als Grieche. Aber die Jahre in Deutschland helfen mir natürlich sehr, weil ich die Sprache bereits gelernt habe. Das ist jetzt ein großer Vorteil. Und ich freue mich darauf, mein Deutsch wieder aufzufrischen und zu verbessern.

Und die erste Zeit in Griechenland als Kind?
Die war tatsächlich sehr schwierig für mich. Ich musste meine Freunde in Deutschland zurücklassen. Griechenland war ein fremdes Land. Ich sprach damals besser Deutsch als Griechisch. Aber nach einiger Zeit habe ich mich gut eingewöhnt. Schließlich ist Griechenland ein tolles Land, um dort zu leben (lacht).

Der letzte Grieche vor dir bei Werder war Angelos Charisteas. Hast du dich mit ihm über deinen Wechsel nach Bremen unterhalten?
Die erste Gelegenheit dafür war in den vergangenen Tagen das Länderspiel gegen Dänemark in Athen, zu dem wir beide eingeladen waren. ‚Harry‘ ist ein guter Typ, ich spiele gerne mit ihm zusammen. Und ich freue mich, dass er in der Winterpause nach Leverkusen gegangen ist. So werden wir uns auch in der Bundesliga begegnen.

Hast du dich bei Otto Rehhagel über Werder informiert?
Ich weiß, dass Otto Rehhagel viele Jahre sehr erfolgreich bei Werder als Trainer tätig war. Er ist auch ein sehr guter Nationaltrainer, spricht viel mit den Spielern. Und dass er die Nationalmannschaft 2004 zum EM-Titel geführt hat, war einfach unglaublich. Aber auch mit ihm habe ich erst am Rande des Länderspiels gesprochen.

Du spielst zunächst bis zum Sommer auf Leihbasis bei Werder. Kannst du dir vorstellen, länger in Bremen zu bleiben?
Solche Gedanken spielen zum jetzigen Zeitpunkt für mich keine Rolle. Ich möchte so schnell und gut wie möglich der Mannschaft helfen. Diese Saison verlief bisher noch nicht optimal für uns. Aber wir wollen demnächst in der Tabelle nach oben klettern. Ich hatte schon im vergangenen Sommer zum ersten Mal mit Klaus Allofs gesprochen und sofort einen sehr guten Eindruck von ihm und von Werder Bremen. Ich konnte mir vom ersten Moment an vorstellen, bei Werder zu spielen. Gut möglich, dass daraus eine längere Zeit wird. Aber in den nächsten Wochen zählt nur der Erfolg der Mannschaft.

Interview: Martin Lange