Die Enttäuschung hält an
Diego trainiert nach Olympia-Aus sichtbar missmutig / Andere Vereine folgen Werders Beispiel
Von Sebastian Stiekel
NORDERNEY. Was in Bremen Stadtgespräch ist, wird in Brasilien zumindest noch ohne große Erregung zur Kenntnis genommen. Dass Werder seinem Spielmacher Diego die Freigabe für die Olympia-Auswahl des Landes verweigert, wurde in Leitmedien wie den Zeitungen "O Globo", "Jornal do Brasil" oder "Lance" nur knapp und nachrichtlich behandelt. Ob Ronaldinho nun zum AC Mailand oder zu Manchester City wechselt, bekam mehr Platz eingeräumt.
Es ist Diegos Problem in seiner Heimat, dass dort bekanntere Namen wie Kaka, Robinho oder eben Ronaldinho mit stärkerem Interesse verfolgt werden. Auch um daran etwas zu ändern, möchte er ja unbedingt zu den Olympischen Spielen reisen. Sie böten ihm eine Chance, sich in Brasilien in den Vordergrund zu schieben und sich für einen Platz im WM-Kader 2010 zu empfehlen.
Dass die ihm nun verwehrt bleibt, machte Diego auch gestern noch sichtlich zu schaffen in Werders Vorbereitungscamp auf Norderney. Er wirkte missmutig und demotiviert während der Trainingseinheiten des Tages, er machte zwar alle Übungen ohne zu murren oder sich zu verweigern mit - aber eben auch ohne allzu großen Elan.
Dazu etwas sagen möchte er nach seinem Statement vom Montag nicht mehr. Auch Werder verlässt sich auf seine Professionalität und seine Aussage, dem Verein "keine Probleme" bereiten zu wollen. Diego erkenne seine Verpflichtung in Bremen, sagt Sportchef Klaus Allofs, "weil er ja auch hier bezahlt wird". Er müsse das Thema Olympia jetzt in den nächsten Tagen abhaken.
Etwas anderes wird Diego auch gar nicht übrig bleiben. Bestrebungen der FIFA, doch noch eine Abstellpflicht für das olympische Turnier zu verfügen, sind weiterhin nicht in Sicht. Der Weltverband möchte diesen Wettbewerb kleinhalten und keine Konkurrenz zu seiner Weltmeisterschaft aufkommen lassen. Aus dem Schmollwinkel heraus seinen Abgang zu provozieren, macht aus Sicht des Brasilianers auch keinen Sinn. Werder hat mehrfach deutlich gemacht, ihn in diesem Jahr auf keinen Fall zu verkaufen.
Bestärkt wird der Verein in seiner Haltung auch dadurch, dass andere Klubs seinem Beispiel gestern gefolgt sind. Bundesliga-Aufsteiger 1899 Hoffenheim verweigerte seinem nigerianischen Stürmer Chinedu Obasi die Reise nach Peking. Und auch Herthas Serbe Gojko Kacar bleibt während der Spiele im August in Berlin.




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