Presseschau

Bleiben oder gehen? Tziolis auf dem Prüfstand

Allofs und Schaaf fordern vom Griechen noch mehr Initiative und Torgefahr

Von Arne Flügge

BREMEN Keine Frage, die Qualitäten sind bei Alexandros Tziolis zweifellos vorhanden. Nur hat der griechische Neuzugang von Werder Bremen diese seit seinem Wechsel im Januar von Panathinaikos Athen nicht immer voll ausgeschöpft. Und daher fällt das Zwischenzeugnis, das dem 24-Jährigen jetzt von der sportlichen Leitung ausgestellt wurde, auch nicht überragend aus: Ordentlich, aber noch mit viel Luft nach oben, lautet der Tenor. "Unauffällig, aber effektiv", ist die Sichtweise von Sportchef Klaus Allofs, der aber "noch mehr Potenzial" beim Griechen sieht. Möglichkeiten, sich zu zeigen, hatte Tziolis bisher mehr als genug. 13 von 14 Pflichtspielen (Liga, DFB-Pokal, UEFA-Cup) hat der Mittelfeldspieler nach der Winterpause absolviert und kommt auf insgesamt 908 von 1170 möglichen Spielminuten. Das "Es schlummert mehr in ihm" macht im Schnitt knapp 70 Minuten pro Partie, womit Tziolis im Vergleich zu manch anderem Kollegen weit vorn liegt. "Allein die Tatsache, wie oft er gespielt hat, zeigt, dass wir Bedarf im Mittelfeld haben", so Allofs. Dennoch hat Tziolis seine Chance bislang nicht vollends nutzen können. "Er hat einen guten Schuss, ein super Passspiel und ein gutes Zweikampfverhalten", hebt Allofs die Stärken des Griechen heraus, kritisiert jedoch: "Er ist mir aber noch zu vorsichtig. Er muss mehr Initiative ergreifen."

Die Zeit der Eingewöhnung jedenfalls ist nach drei Monaten vorbei, wie der Sportdirektor findet. Zumal Tziolis deutsch spricht, die Integration dadurch ohnehin nicht lange gedauert hat. "Sich in eine Mannschaft einzuordnen ist eine Sache. Aber er soll sich nicht unterordnen", fordert Allofs mehr Entschlossenheit von seinem Profi: "Es schlummert mehr in ihm. Auf dem Platz muss er mehr zeigen."

Vor allem soll Alexandros Tziolis seine Offensivqualitäten mehr einbringen. "Der Torabschluss muss mehr zum Tragen kommen", sagt auch Thomas Schaaf. "Alex weiß das. Und er weiß, dass wir das von ihm verlangen. Da will ich mehr sehen", fordert der Bremer Trainer, der ansonsten mit seinem Neuzugang aber zufrieden ist: "Er bringt sich sehr positiv ein, seit er hier ist."

Ob das reicht, um über die Saison hinaus bei Werder zu spielen, bleibt abzuwarten. Tziolis ist derzeit für eine Gebühr von 300000 Euro nur bis zum Sommer von Panathinaikos ausgeliehen. Werder hat zwar eine Kaufoption - doch ob die Bremer die bis Ende April ziehen und dann noch zusätzlich 1,7 Millionen Euro an Athen überweisen, wird in erster Linie davon abhängen, ob Tziolis jetzt die Forderungen der sportlichen Leitung nach mehr Mut, Initiative und Torgefahr auch umsetzt. "Momentan", beteuert Schaaf, "habe ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht, wie es weitergehen soll." Der Coach will erst die weitere Entwicklung seines Spielers in den nächsten Wochen abwarten - und dann entscheiden. Alexandros Tziolis hat es also selbst in der Hand, seinen Trainer mit noch besseren Leistungen zu überzeugen.