
Dieses Trio erregte die Gemüter: Schiedsrichter Michael Weiner (Mitte) mit seinen Assistenten Kai Voss (links) und Norbert Grudzinski trafen eine folgenschwere Fehlentscheidung.
News
03.02.2008, 21:32 Uhr
Schieri entschuldigt sich, Werder packt sich an eigene Nase

Naldo machte bis zur 70. Minute ein solides Spiel. Dann musste er mit Rot vom Platz.
Und dann kam die Szene in der 67. Minute. Benjamin Auer passt den Ball auf den drei Meter abseits stehenden Shinji Ono, der gibt die Kugel zurück, Auer schiebt ein. Staunen im Stadion, bei den Fernsehkommentatoren, bei den Zuschauern und bei Werders Spielern!
Torhüter Tim Wiese baff: "Es gibt wohl eine neue Regel, dass man auch mit abseits die Tore machen darf. Das kann ich mir nicht erklären, dass dieses Tor gegeben wird. Da brauchten wir uns auch nicht zu beschweren, wir waren alle einfach nur verblüfft." Kollege Daniel Jensen hätte dem Unparteiischen gern ein paar Takte gesagt. "Aber ich hatte schon gelb, da musste ich aufpassen." Der Däne kochte innerlich: "Wir hatten bis zu dieser Szene alles unter Kontrolle, doch dann kam Unruhe rein, die sich nach der roten Karte für Naldo noch vergrößert hat." Nicht einmal über seinen sehenwerten Treffer zum 1:0 konnte er sich freuen: "Das ist bei dem Endstand völlig egal."
Welche Bedeutung diese krasse Fehlentscheidung für den Spielverlauf hatte, machten nach der Partie die Reaktionen von Klaus Allofs und Schiedsrichter Michael Weiner deutlich. Als Werders Geschäftsführer danach befragt wurde, ob er sich um einen Punkt betrogen fühlt, antwortete er: "Wenn man es so ausdrücken möchte, dann hat uns das alle drei Punkte gekostet. Denn alles, was danach passiert ist, sind die Folgen daraus, dass wir 'A': das zweite Tor nicht schießen, und 'B': dieses Tor anerkannt wird. Diese Entscheidung ist lächerlich. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Die Schiedsrichter werden es sich in der Kabine im Fernsehen anschauen und nach Erklärungen suchen. Ich kann mir aber wirklich nicht vorstellen, dass sie eine Lösung finden, wie sie das erklären können."

Entsetztes Staunen in den Augen der Zuschauer: Der Treffer zum 1:1 wird gegeben ...
Die alleinige Schuld wollte Werder aber nicht beim Unparteiischen abladen. Klaus Allofs ging zu dem von ihm genannten Punkt "A" seiner Analyse noch genauer ein: "Das kann noch nicht das sein, was wir in der Rückrunde spielen wollen. Daran müssen wir noch arbeiten. Wir haben uns heute schwer getan, aber mit dem Führungstor hätten wir die Ruhe haben müssen, das zweite Tor nachzulegen." Cheftrainer Thomas Schaaf sieht es genau so: "Wir müssen uns an die eigene Nase packen. Wir haben es verpasst, den Gegner in die Knie zu zwingen. Im Spiel nach vorn hatten wir zu viele Fehler, haben zu oft die Bälle leicht verloren. Das reicht einfach nicht. Damit bin ich nicht zufrieden."

... und auf der Gegenseite treffen die Bremer, wie hier Aaron Hunt, nicht ins Tor.
Natürlich gab es auch Akteure, die sich von der ganzen Aufregung um den Schiedsrichter und die Bremer Defizite das Feiern des ersten Sieges in Bremen in der Bundesliga-Geschichte nicht verbieten ließen. Sie trugen blaue VfL-Trikots und äußerten sich meist wie ihr Trainer Marcel Koller: "Wir freuen uns sehr über diesen Sieg, weil es für Bochum nicht normal ist, hier etwas zu holen. Es ist ein historischer Sieg, aber vor allem sind es drei ganz wichtige Punkte. Wir sind hier nicht so wie in den vergangenen Jahren aufgetreten; wir haben uns nicht versteckt. Außerdem hatten wir etwas Glück, dass Bremen seine Chancen nicht genutzt hat." Zum Abseitstor zuckten die meisten Bochumer mit den Schultern. Trainer Koller gelassen: "Solche Entscheidungen gibt es, wir hatten in der Hinrunde auch schon reguläre Tore geschossen, die nicht zählten." Stürmer Benjamin Auer fügte grinsend an: "Wissen Sie was? Mir ist das alles völlig egal. Der Ball war hinter der Linie, der Schiedsrichter hat das gegeben. Fertig."
von Michael Rudolph und Felix Ilemann



Werder Top5 News





